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Tufan Acil

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Grenzüberschreitungen und Konvergenzen der Künste in zeitgenössischer Ästhetik

Doktorand

Adresse
Grunewaldstr. 34
12165 Berlin

Grenzüberschreitungen und Konvergenzen der Künste in zeitgenössischer Ästhetik

In meiner Promotionsarbeit versuche ich Grenzüberschreitungen und Konvergenzen der Künste begrifflich fassbar zu machen. Dabei gehe ich von der Überlegung aus, dass die Grenzüberschreitungen und die steigenden Interaktionen der einzelnen Künste sogar das Überdenken der theoretischen Grundlagen einer Ästhetik erfordern. Im ersten Kapitel meiner Arbeit werden die Einteilungen und der Grenzen der Künste im Rahmen eines historischen Exkurses rekonstruiert. Ein allgemeiner Überblick auf die Einteilungsgeschichte der Künste lässt erkennen, dass die einzelnen Künste primär nach der Verschiedenheit ihrer Medien voneinander differenziert werden. Den Medien der Künste kommt besonders bei der Debatte um die Grenzen der Künste, die für kunsttheoretische Überlegungen des 18. Jahrhunderts (von Lessing bis Goethe) charakteristisch war, eine zentrale Rolle zu. Nach Lessing werden in poetischen Gattungen und Gattungen der bildenden Kunst unterschiedliche Mittel und Zeichen zur künstlerischen Nachahmung verwendet, „und aus dieser Verschiedenheit fließen die besonderen Regeln für eine jede.“ Aufgrund ihrer Mediendifferenz und der Zeichenverschiedenheit definiert Lessing beide Kunstbereiche als andersartige Regelsysteme, indem er ihnen konträre Strukturmerkmale und Verfahrensweisen zuschreibt.

Die Entstehung der heterogenen Kunstformen wie Film, Videokunst oder Collagen und die Entwicklung der avantgardischen Bewebungen wie Dadaismus oder abstrakte  Kunst haben ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts die Laokoon-Debatte um die Grenzen der Künste wieder aktualisiert. Die seit dieser Zeit bis heute Mode gewordenen Bezeichnungen „Grenzüberschreitungen“  und „Entgrenzung“ der Künste lenken die Aufmerksamkeit wieder auf diese Debatte. Denn welche Grenzen und Eigenschaften der Künste überhaupt überschritten werden, kann durch die Überprüfung dessen erklärt werden, wie diese Grenzen definiert wurden und wodurch die Künste voneinander abgegrenzt werden.

In dem zweiten Kapitel wende ich mich an das Phänomen der Grenzüberschreitungen und Konvergenzen der Künste in der zeitgenössichen künstlerischen Praxis. Hier wird zuerst mit einem Fallbeispiel - dem Installationswerk „Crepusculum“ von der isländischen Künstlerin Gabríela Friðriksdóttir – die Probleme für zeitgenössische Ästhetik (sowohl für eine allgemeine Theorie der Ästhetik als auch für gattungs-bezogene einzelne Ästhetiken) präzisiert. Im letzten Kapitel meiner Arbeit nehme ich kritisch Bezug auf themenrelevante medientheoretischen Ansätze und versuche das Phänomen „Konvergenzen und Grenzüberschreitungen der Künste“ und die neuen Bedeutungsdimensionen, die es eröffnen kann, zu beschreiben.

Deutsche Forschungsgemeinschaft