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Rahel Stennes

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Bildquelle: Lorenz Becker

Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien

Projektstipendium-Alumna

Erzählweisen des Volkes. Die Herstellung einer deutschen Gemeinschaft bei Achim von Arnim und Berthold Auerbach

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Akademischer Werdegang

seit März 2021: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-geförderten Projekt Deutschsprachig-jüdische Literatur vom Zeitalter der Aufklärung bis zur Gegenwart – Neue Forschungszugänge in Paradigmen an der Universität Basel https://jewishstudies.unibas.ch/de/personen/rahel-stennes/

seit März 2021: Doktorandin der Friedrich Schlegel Graduiertebschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin (assoziiertes Mitglied der Kohorte 2021)

Juni 2020 – Februar 2021: Projektstipendiatin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin (Anschubfinanzierung Promotionsförderung)

Juni 2020: Aufnahme des Promotionsstudiums an der Freien Universität Berlin

2018 – 2019: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Samuel Salzborn am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin

2017 – 2020: Masterstudium der Neueren deutschen Literatur an der Freien Universität Berlin

2017 – 2020: Masterstudium der Interdisziplinären Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin

2013 – 2017: Bachelorstudium der Deutschen Philologie und Jüdischen Geschichte an der Freien Universität Berlin


Eingeworbene Stipendien

Projektstipendium der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin (Anschubfinanzierung Promotionsförderung)


Mitgliedschaften

Gesellschaft für europäisch-jüdische Literaturstudien

Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften

Dissertationsprojekt

Erzählweisen des Volkes. Die Herstellung einer deutschen Gemeinschaft bei Achim von Arnim und Berthold Auerbach (Arbeitstitel)

Die Dissertation kontrastiert zwei erzählerische Modelle des Volkes aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und entwickelt aus ihnen heraus ein Panorama des deutschen Volkes als Projekt zur Gemeinschaftsbildung.

Im Fokus der Untersuchung stehen dabei Erzähltexte und Essays von Achim von Arnim und Berthold Auerbach aus den Jahren 1800 bis 1848. Mithilfe eines kulturwissenschaftlich grundierten close reading soll gezeigt werden, inwiefern sich in der Literatur (verstanden als ästhetischer Verhandlungsraum von Gesellschaft) Fragen der Gemeinschaftsbildung und des solidarischen Miteinander in ihren ästhetischen Imaginationen und Abwandlungen in eigener Weise konstellieren. In der Konstruktion ‚Volk‘ kulminieren gesellschaftliche und politische Debatten und Konflikte über die Rolle von regionaler wie konfessioneller Zugehörigkeit, insbesondere im Kontext mit der deutschen Nationenwerdung und der ihr eingeschriebenen Herstellung von Gemeinschaft.

Einen Untersuchungsschwerpunkt meiner Arbeit werden Achim von Arnims Figurationen des Weiblichen und des Jüdischen bilden. Hier soll insbesondere seine Novellensammlung von 1811 inkl. der ursprünglich geplanten, aber nur fragmentarisch überlieferten Rahmenerzählung Versöhnung in der Sommerfrische in den Blick genommen werden. Dabei soll herausgearbeitet werden, inwiefern bei Arnim die Schöpfungskraft zur Herstellung des deutschen Volkes als Zusammenhang von orientalisch und christlich-frommen Frauenfiguren ausgeht, während den als jüdisch markierten männlichen Figuren ein bedrohliches Zerstörungspotenzial eingeschrieben ist.

Der zweite Teil wird sich, komplementär zum ersten, dem Stellenwert jüdischer Identitäten und Perspektiven im Hinblick auf Fragen der Emanzipation und der Herausbildung der deutschen Nation bei Berthold Auerbach widmen. Auerbach ist mit seinen Schwarzwälder Dorfgeschichten nicht nur der Begründer der deutschen Dorfgeschichte als Gattung. Vielmehr tat er sich durch seine literaturkritischen und theoretischen Arbeiten hervor, indem er ausführliche Betrachtungen sowohl zum Volk als auch zur Nation anstellte. Besonders seine Schriften Das Judenthum und die neueste Literatur und Schrift und Volk aus den 1830er und -40er Jahren verbinden Themen wie die Situation der jüdischen Minorität in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft mit der Frage von regionalen Identitätskonzepten in einem kosmopolitisch ausgerichteten Nationalstaat.

Weitere Forschungsschwerpunkte

Antisemitismus in der deutschsprachigen Literatur

Sozialwissenschaftliche Antisemitismustheorien

Deutschsprachige Literatur jüdischer Autor*innen des 19. und 20. Jahrhunderts

Aufsätze

Strategien jüdischer Selbstermächtigung im völkisch-antisemitischen Diskurs der 1920er Jahre. Ein Einblick in "An den Wassern von Babylon. Ein fast heiteres Judenbüchlein". In: Yearbook for European-Jewish Literature Studies 8,1 (2021). S. 105–117.

Nation durch Emanzipation. Jüdische Identität und deutsche Nationalismus bei Berthold Auerbach. In: Identitätskonzepte in der Literatur. Hg. von Hermann Gätje/Sikander Singh. Tübingen 2021. S. 167–178.   

Der Jude und der Philister. Die Konstruktion komplementärer Feindbilder bei Clemens Brentano. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 27 (2018). S. 13–39.

Redaktion   

Jan Erik Schulte / Michael Wildt (Hg.): Die SS nach 1945. Entschuldungsnarrative, populäre Mythen, europäische Erinnerungsdiskurse. Göttingen 2018.

Wissenschaftliche Vorträge

2022 – Verkörperung des Bösen. Achim von Arnims Golem Bella als Bedrohung für das deutsche ‚Volk‘. Im Rahmen der Tagung „Figurationen des Bösen“ an der Universität Koblenz-Landau, Juni 2022. (Beitrag zur Publikation angenommen.)

2019 – Strategien der jüdischen Selbstermächtigung im völkisch-antisemitischen Diskurs der 1920er Jahre. Mit einem Einblick in „An den Wassern von Babylon. Ein fast heiteres Judenbüchlein". Im Rahmen der Tagung „Gegenwart und Zukunft europäisch-jüdischer Literaturstudien in einem veränderten Europa / Presence an future of European Jewish Literature Studies in changing Europe“ der Gesellschaft für europäisch-jüdische Literaturstudien in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Europäisch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte der RWTH Aachen.

2019 – Nation durch Emanzipation. Jüdische Identität und deutscher Nationalismus bei Berthold Auerbach. Im Rahmen der Tagung des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes „Identitätskonzepte in der Literatur“.

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