Zoo und Kino. Mit Beiträgen zu Bernhard und Michael Grzimeks Film- und Fernseharbeit

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Sabine Nessel, Heide Schlüpmann – 2012

Das Kino hat sich im Kontext anderer Schauanordnungen entwickelt. Diese Erkenntnis ist längst Anstoß und Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Doch wurden bisher vor ­allem Jahrmarkt, Zirkus, Varieté als Seitenphänomene beachtet, und zwar deswegen, weil sie vielfach auch Orte erster Filmvorführungen gewesen sind. Im Rahmen der Publika­tion werden Zoo und Kino als Schauanordnungen der Moderne in den Fokus film- und kulturwissenschaftlicher Forschung gerückt. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie bewegte Bilder, das »lebende Bild«, wie der Film in der frühen Filmpublizistik auch genannt wurde, ­zugänglich machen. Dies unterscheidet sie von den paläontologischen Abteilungen der Museen, die sterbliche Überreste wie Knochen, Felle oder ausgestopfte Tiere in Vitrinen präsentieren, oder aber den klassischen Kunstmuseen, die statische Bilder zeigen. Historisch verweisen Zoo und Kino auf unterschied­liche Traditionen. Die Anfänge des Kinos führen in die Welt der Massenkultur, des Varietés, des Jahrmarkts und der Schaustellerei. Die Vorläufer des Zoos dagegen sind die fürstlichen Menagerien, die der Repräsentation der absolutistischen Macht dienen, aber auch die Wandermenagerien mit ihren ambulanten Schauanordnungen. Auf der anderen Seite haben Zoo und Kino auch ihr Publikum. Davon künden die Kinopaläste der 1920er Jahre ebenso wie die prächtigen Tierhäuser des 19. Jahrhunderts. Heute sind Zoo und Kino mit ihren je spezifischen Funktionen und Aufgaben ein selbstverständlicher Teil des städtischen Alltags und Teil einer Medien- und Ereigniskultur. Im Film sind Tiere zu unterschiedlichen historischen Zeiten und über Genre- und Kulturgrenzen hinaus vertreten. Im Zoo-Film, einem Subgenre des Tierfilms, werden Tiere, Gehege und Betrachter gleichermaßen in Szene gesetzt. Ob in Lehr- und Kulturfilmen, im Fiction Film oder Non-Fiction Film oder im frühen Stummfilm – der Zoo ist Vergnügungsstätte oder Tatort, attraktive Kulisse oder Forschungseinrichtung und nicht zuletzt ein Ort der Begegnung von Mensch und Tier. Die Publikation umfaßt Beiträge der 2008/2009 in Frank­furt am Main durchgeführten Veranstaltungen zum Thema, ergänzt durch einige ausgewählte neue bzw. neu übersetzte Aufsätze. Zoo und Kino als Schauanordnungen der Moderne werden aus ­verschiedenen Disziplinen betrachtet, darunter Filmwissenschaft, Fern­sehwissenschaft, Kunst- und Kulturwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte, Zoologie, Architektur.

Titel
Zoo und Kino. Mit Beiträgen zu Bernhard und Michael Grzimeks Film- und Fernseharbeit
Verfasser
Sabine Nessel, Heide Schlüpmann
Verlag
Stroemfeld Verlag
Ort
Frankfurt a.M.
Schlagwörter
Filmwissenschaft, Geschichte
Datum
2012
Zitierweise
ISBN 978-3-86109-188-2
Sprache
ger
Art
Text
Größe oder Länge
257 S.