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Lukas Bärfuss

© Beatrice Künzi, Wallstein

© Beatrice Künzi, Wallstein

Heiner Müller-Gastprofessor im Sommersemester 2013

Lukas Bärfuss, 1971 in Thun geboren, arbeitet seit 1997 als Schriftsteller in Zürich. Er schreibt Prosatexte, Hörspiele und vor allem Theaterstücke. Seit der Spielzeit 2009/10 arbeitet er als Autor und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich. Bärfuss gehört zu den bedeutendsten Dramatikern der Gegenwart. Seine Stücke („Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“, „Der Bus“, „Die Probe“, „Öl“, „Malaga“, „Zwanzigtausend Seiten“ u.a.) wurden in Basel, Bochum, Zürich, am Thalia Theater Hamburg, an den Münchner Kammerspielen und am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Einige seiner Texte wurden bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2008 erschien Bärfuss’ erster Roman „Hundert Tage“, eine Erzählung zum Völkermord in Ruanda und zur Rolle der westlichen Entwicklungshilfe.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2013 Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung in Verbindung mit der Heiner Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin
  • 2005 Mülheimer Dramatikerpreis, Gerrit-Engelke-Literaturpreis der Stadt Hannover
  • 2003 Einladung der Basler Produktion von "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern" zu den Mülheimer Theatertagen
  • 2003 Nachwuchsdramatiker des Jahres 2003 bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater Heute"
  • 2002 Kulturelle Auszeichnung der Stadt Zürich (Anerkennungsgabe)
  • 2002 Literarische Auszeichnung der Stadt Bern
  • 2001 Kulturpreis der Stadt Thun
  • 2000 ZKB-Förderpreis für das Stück: Medeää. 214 Bildbeschreibungen.
  • 1998 Stipendium der Stiftung Lydia Eymann, Langenthal

Publikationen (Auswahl)

  • Malaga – Parzival – Zwanzigtausend Seiten. Stücke. Wallstein 2012
  • Öl. Schauspiel. Wallstein 2009
  • Hundert Tage. Roman. Wallstein 2008
  • Alices Reise in die Schweiz – Die Probe – Amygdala. Stücke. Wallstein 2007
  • Meienbergs Tod – Die sexuellen Neurosen unserer Eltern – Der Bus. Stücke. Wallstein 2005
  • Die toten Männer. Novelle. Suhrkamp 2002

Die Jury des Berliner Literaturpreises 2013

Jens Bisky, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Winfried Menninghaus und Kristin Schulz – begründete die Zuerkennung der Auszeichnung mit den Worten:

"Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss erhält den Berliner Literaturpreis 2013 für sein Werk, in dem die Freaks und Träumer, die Schlafwandler und Fremdlinge den Ton angeben. Lukas Bärfuss wurde 1971 in Thun geboren und lebt als freier Schriftsteller, Dramaturg und Autor von Prosatexten, Hörspielen und Theatertexten in Zürich. Seine Figuren sind geprägt und bewegt von einer Welt, die sie ihrerseits kaum zu beeinflussen vermögen. Dennoch geht von ihnen, ähnlich wie von den Figuren Robert Walsers, eine stille Hartnäckigkeit und ein unmerkliches Nein-Sagen aus. In seinem Ruanda-Buch 'Hundert Tage' nimmt der junge Entwicklungshelfer David Hohl sein Land und die stubenreinen Werte des Westens mit sich nach Afrika und wird, als die Konflikte blutig aufbrechen, zum hilflosen Beobachter einer sich selbst zerstörenden Gesellschaft. In 'Der Bus. (Das Zeug einer Heiligen)' trifft die labile Pilgerin Erika auf eine egomane und geschwätzige Reisegruppe. Sie verstört und bedroht diese Gesellschaft ebenso, wie das geistig behinderte Mädchen Dora in Bärfuss‘ frühem Erfolgsstück 'Die sexuellen Neurosen unserer Eltern'. Und in seinem jüngsten Stück fallen dem Tagträumer und Gelegenheitsarbeiter Toni '20.000 Seiten' historische Schweiz-Recherche auf den Kopf, deren Inhalt ihn und die erinnerungsunwillige Umgebung hartnäckig begleiten wird. Lukas Bärfuss‘ Geschichten sind Störfälle. Nicht weil sie Änderungen postulieren, sondern durch ihre Besonderheit, durch das Anderssein ihrer zentralen Figuren."

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