Prof. Dr. Johannes Niehoff-Panagiotidis

Institut / Einrichtungen:

Fachgebiet / Arbeitsbereich:

Byzantinistik

Professor

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Fax
+49 30 838 4529 44

Sprechstunde

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Vita

Persönliche Daten:

  • Geburtsdatum: 04.05.1963
  • Geburtsort: Recklinghausen
  • Staatsangehörigkeit: deutsch/ griechisch

Studium/ Ausbildung:

  • 1973–82 Humboldt-Gymnasium Ulm. Abitur (Gesamtnote: 1,0)
  • 1982–1986 Studium an der Universität Tübingen (Klassische Philologie, Vergleichende Sprachwissenschaft, Byzantinistik)
  • Abschluss: M.A. Universität Tübingen, Kulturwissenschaftliche Fakultät: „Geschichte und Funktionen von Eigennamen“ (ausgezeichnet).
  • 1984/85 Studium an der Scuola Normale/ Pisa
  • 1986–1992 Promotion
  • Dezember 1992 Abschluss mit der Dissertation: „Koine und Diglossie“, Universität Tübingen, Kulturwissenschaftliche Fakultät (summa cum laude)
  • Dezember 1998 Habilitation für das Fach „Byzantinische und Neugriechische Philologie“ an der Freien Universität Berlin mit der Habilitationsschrift „Übersetzung und Rezeption. Die byzantinischen, neugriechischen und altspanischen Versionen von ‚Kalila wa-Dimna‘“

Berufspraxis:

  • 1986–1991 Wissenschaftlicher Angestellter am Seminar für Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Tübingen (Lehrstuhl de Simone)
  • 1994–2000 Hochschulassistent am Seminar für Romanische Sprachwissenschaft der Universität Freiburg (Lehrstuhl Raible)
  • Seit Sept. 2004 Associate Professor, Department of Medieval Studies (Schwerpunkt: Byzanz), CEU, Budapest
  • Seit 1. August 2007 Professor für Byzantinistik an der Freien Universität Berlin

Stipendien, Fellowships

  • 1982–1986 Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 1984/85 Scuola Normale (Pisa)
  • 2000–2004 Heisenbergstipendium (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
  • 2001 University of Cambridge, Cambridge University Library (Genizah research on Judeo-Byzantine relations)
  • 01.9.–01.11.2003 Princeton University. Fellowship. Program in Hellenic Studies.
  • Akad. Jahr 2006/7 Wissenschaftskolleg zu Berlin. Projekt über „Byzantinische Geschichtswissenschaft nach der ‚nationalen‘ Katastrophe von 1204“

Gastprofessuren

  • Universität Mainz/ Germersheim
    Gastprofessur. Fachbereich 23: Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft
    Institut für Allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaft,
    Arbeitsbereich Neugriechisch. November 2003 – Februar 2004.
  • Freie Universität Berlin
    Gastprofessur. Seminar für Byzantinistik/ Neogräzistik SS 2002 – SS 2003.
  • University of Jerusalem, Kurs über „Byzantine Jewish history“, 03.–15. April 2005

Unterrichtserfahrung

Byzantinische Literatur und Geschichte; Literatur und Geschichte des Balkans (MA und Frühe Neuzeit); Islamisch-Christlich-Jüdische Beziehungen im MA; Kulturkontakte in Sizilien und Süditalien; Geschichte der gr. Sprache; Geschichte der griechischen volkssprachlichen Literatur des MA; Juden und andere Minderheiten in Byzanz; Beziehungen zw. Venedig, Byzanz und dem Balkan; Osmanische Geschichte in SO-Europa; Akkulturation in SO-Europa.

Preise

  • Druckkostenbeihilfe der Verwertungsgesellschaft Wort für die Publikation der Dissertation
  • Druckkostenbeihilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Publikation der Habilitationsschrift

Sprachkenntnisse

  • Neugriechisch (Mutterspr.), Deutsch (Mutterspr.)
  • Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, klassisches/ byzantinisches Griechisch, Latein (sehr gut)
  • Russisch, Bulgarisch, Türkisch, Arabisch, Hebräisch (gut)
  • Kroatisch/ Serbisch, Rumänisch, Syrisch (Grundkenntnisse)

Arbeitsschwerpunkte

Byzantinistik ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Literatur, Sprache, Kunst und Kultur des oströmischen Reiches, also jenes Teils des imperium Romanum, der 476 nicht unterging, sondern bis 1453 eine wechselvolle Geschichte erlebte, bis die Nova Roma Constantinupolis (archaisierend Byzantion genannt) von den Osmanen erobert wurde. Die Teilbereiche des Faches werden in Forschung und Lehre umfassend vertreten, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Literaturwissenschaft. Byzantinistik kann demnach als ein Bindeglied zwischen der Altgräzistik und der Neogräzistik beschrieben werden. Aber auch die Beziehungen der mittelalterlichen griechischen Kultur zu den Arabern, den christlichen Orientalen (wie den Armeniern und Kopten), den Juden und den orthodoxen Slawen stehen im Zentrum von Forschung und Lehre. Das Fach ist deutschlandweit nur an wenigen Universitäten vertreten, und an der FU Berlin besteht die singuläre Möglichkeit, alle Phasen der griechischen Literatur- und Sprachgeschichte von der Antike bis heute kennenzulernen. Brückenwissenschaft – so lässt sich der Anspruch am besten beschreiben.

Forschungsschwerpunkte der Berliner Byzantinistik sind zum einen die byzantinische Historiografie und ihre jüdisch-hellenistischen Vorbilder, die vor allem literaturwissenschaftlich betrieben wird, und die Beziehungen zwischen Juden und Christen seit der Spätantike. Dazu gehört die Bibel im Spannungsfeld beider Religionen und ihrer Textwelten, die antijüdische Polemik der Kirchenväter, aber auch interkulturelle Übersetzungswissenschaft (etwa griechische Texte in hebräischer Schrift).

Aktuelle Forschungsvorhaben

Laufende Projekte:

[gemeinsam mit Prof. Dr. Daniel Lasker (Ben Gurion University of the Negev)]

“Editing Theology at a Crossroad: A Preliminary Edition of Judah Hadassi’s Eshkol ha kofer, First Commandment, and Studies of the Book’s Judaeo-Arabic and Byzantine Contexts” gefördert von der German-Israeli Foundation

  1. Koine und Diglossie, Wiesbaden 1994 (zugleich Tübinger Diss. 1992) als Bd. 10 der Mediterranean Language and Culture Monographs, hrsg. von der Universität Tel Aviv
  2. Übersetzung und Rezeption. Die byzantinische-neugriechischen und altspanischen Versionen von ‚Kalîla wa Dimna‘, Wiesbaden 2003, „Serta Graeca“ 18. 310 S. (Dr. L. Reichert Verlag).

Herausgeberschaft

  • [Koautor:] The Book of Nestor ha-Komer, ed. by D. Lasker / S. Stroumsa with two contributions by J.N.-P. [mein Beitrag die Ed. und Kommentierung eines umfangreichen judengriechischen Textes], 2 Bde., Jerusalem 1996.
  • [Koautor:] „Zwischen Anthropologie und Geschichtswissenschaft: Makedonien als Herausforderung für die griechische Ethnologie und Historiographie“ in: Südostforschungen 59/60, 2000 /2001, p. 462–484. [Artikel]
  1. Mitherausgeber der Zeitschrift „Mediterranean Language Review“, zus. mit Marcel Erdal, Werner Arnold und Victor Friedman. Wiesbaden: Harrassowitz. 1997–2002.
  2. Seit Beginn des Unternehmens war ich Fachgebietsherausgeber für den altertumswissenschaftlichen Teil des Neuen Pauly (FG 19: Hellenismus im Osten, gr. Patristik, byz. Kultur und hell. Judentum). Im Dezember 2002 erschien der letzte Band 12/2; das Unternehmen ist abgeschlossen. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich u.a. folgende längere Artikel verfasst:
  1. Athenai [1] III, Byzantinische Zeit
  2. Byzantion, Byzanz [II, Kultur]
  3. Chios II
  4. Dalmatae, Dalmatia [II, Byz. Zeit]
  5. Diglossie (zus. Mit Vera Binder)
  6. Eleusis [1 II]
  7. Epeiros [II, Byz. Zeit]
  8. Geoponika I, Sammelbegriff
  9. Italia [Ib, Spätantike
  10. Judentum II*
  11. Kleinasien [X, Byz. Zeit]
  12. Kreta [II, Byz. Zeit]
  13. Mauropus, Iohannes
  14. Megara [2 II, Byz. Zeit]
  15. Melkiten
  16. Menologion
  17. Messana, Messene [II, Byz. Zeit]
  18. Nauplia [2, III.Byz. Zeit]
  19. Panormos [3 II, Byz. Zeit]
  20. Paphos [II, Byz. Zeit]
  21. Patrai [II, Byz.]
  22. Peloponnesos [II, Byz.]
  23. Philippopolis [II, Byz.]
  24. Ragusa
  25. Rhodos [2, Spätant. und byz. Zeit]
  26. Serben
  27. Serdica [II, byz. Zeit]
  28. Skupoi [II, Byz.]
  29. Slaven, Slavisierung
  30. Thrakes, Thrake, Thraci [II, byz.]
  31. Venetia.
  32. Vlachoi
    In der Abteilung „Wirkungs- und Wissenschaftsgeschichte“:
  33. Griechenland (I) (1453 bis Gegenwart),
  34. Griechisch I (byz. und Neuzeit).
  35. Neugriechische Literatur
  1. „Archäologie und Sprachwissenschaft. Byzantinische, Neogräzistische und sprachwissenschaftliche Bemerkungen zu H. Lohmanns ‚Atene‘ “, in: Klio 1995, S. 339–353
  2. „Altgriechisch und Neugriechisch: Zur Methode ngr. Etymologie am Beispiel. von uit. ‚skjèro‘ “, Balkanarchiv N.F. 1994/95, S.
  3. „Polyglottes Mittelalter. Mediterrane Volksreligion und christlicher Rahmenbezug in den Übersetzungen von Kalila wa-Dimna“, in: Mittel-lateinisches Jahrbuch 1995, S. 77–97
  4. „Original árabe y adaptación neogriega: El caso de Calila y Dimna“, in: Prosa y verso en griego medieval, hrsg. von J.M. Egea, J. Lalonso, Amsterdam 1996, S. 267ff
  5. „Algérie – France – Islam“, in: actes du colloque organisé par le Centre Français de l'Université de Fribourg en Br. le 27 et 28 octobre 1995/ textes rassemblés par Joseph Jurt. Paris 1997
  6. „Landwirtschaft und ihre Fachsprache im Altertum: eine Übersicht“, in:  L. Hoffmann, H. Kalverkämper, H.E. Wiegand (Hg.), Fachsprachen. Ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. 2. Halbband, Berlin/ New York 1999, S. 2292–2304
  7. Neogräzistik – eine Brückenwissenschaft“, in: Südosteuropa Mitteilungen 1 (1998), S. 39–45
  8. „Literatur im Grenzbereich: Ali Pascha von Jannina und sein Hofdichter“, in: Südostforschungen 58 (1999), S. 81–101
  9. „Der Paradigmenwechsel in der neugriechischen Volksliedforschung“, in: Ztschr. für Volksliedforschung 4 (1999), S. 138–145 [zugleich Rez. von W. Puchner, „Studien zum griechischen Volkslied“. Wien 1996 (Raabser Märchenreihe Bd.10)]
  10. „La contribuzione di Eugenio da Palermo alla letteratura ΔΗΜΟΤΙΚΗ in ambito Italiota“, in: N. Oikonomides (Hg.): O italiotes ellenismos apo ton 7 ston 12 aiona. Mneme Nikou Panagiotaki. (L' ellenismo italiota dal VII al XII secolo. Alla memoria di Nikos Panagiotakis), Athen 2001, S. 43–55

  11. „Byzantinische Lebenswelt und ngr. Hermeneutik. Die byzantinischen Juden in der Kairoer Genizah“, in: Byzantion 74, 1 (2004), S. 51109
  12. Conceptualizing Byzantine Judaism“, in: Bulletin of Judaeo-Greek Studies 38 (2006), S. 26–32

  13. Towards a history of Communication in Byzantium: the Greek church and the vernacular(s)“, in: E. Bremer, J. Jarnut, M. Richter, D. Wasserstein (Hg.), Language of Religion, Language of the People: Medieval Judaism, Christianity, and Islam, München 2006, S. 25–36
  14. „Narrative Bewältigungsstrategien von Katastrophenerfahrungen: Das Geschichtswerk des Nikitas Honiatis“, in: Klio 92.1 (2010), S. 170–210
  15. The Earliest Texts in Modern Greek among Jews“, in: C.C. Caragounis (Hg.), Greek: A Language in Evolution : Essays in honour of Antonios N. Jannaris, Hildesheim 2010, S. 209–223

  16. Telling the Unthinkable: Niketas Choniates Account of the Fourth Crusade“, in: T. Breyer; D. Creutz (Hg.), Erfahrung und Geschichte: Historische Sinnbildung im Pränarrativen, Berlin, New York 2010, S. 277–300

  17. „Mahzor Romania and the Judeo-Greek Hymn ἕνας ὁ κύριος. Introduction, Critical Edition, and Commentary“, Revue des Ètudes Juives 170,1-2 (2011), S. 117–171 [gemeinsam mit E. Hollender]
  18. „εχομε rosh hodesh: The Announcement of the New Moon in Romaniote Synagogues“, Byzantinische Zeitschrift 103.1 (2010), S. 99–126 [gemeinsam mit mit E. Hollender]
  19. „To whom does Byzantium belong? Greeks, Turks and the Present of the Medieval Balkans“, in: R.J.W. Evans, G.P. Marchal (Hg.), The uses of the Middle Ages in Modern European States: History, Nationhood and the Search for Origins, Basingstoke 2011, S. 139151

  20. Jenseits des Heiligen Augustinus: Vom Sündenverständnis der Ostkirche“, in: A. Middelbeck-Varwick (Hg.), "So lauert die Sünde vor der Tür" (Gen 4,17) Nachdenken über das Phänomen der Fehlbarkeit, Frankfurt am Main, Berlin 2011, S. 43–71.

  21. „Byzanz und der Islam: Von der Kontingenzbewältigung zur aneignenden Übersetzung“, in: Andreas Speer (Hg.), Knotenpunkt Byzanz: Wissensformen und kulturelle Wechselbeziehungen, Berlin 2012, S. 123–144
  22. Wie wurde die Welt des Mittelmeers islamisch?“, in: Pedro Barceló, Peter Eich, Eike Faber (Hg.), Religiöser Alltag in der Spätantike, Stuttgart 2013, S. 257275
  23. Von dem Umbau einer Tradition: Die Orthodoxe Kirche in Griechenland“, in: A. Hölscher, A. Middlebeck-Varwick, M. Thurau (Hg.): Kirche in Welt: Christentum im Zeichen kultureller Vielfalt, Frankfurt a. M. 2013, S. 207228

  24. „Byzantinisch-jüdische Interaktion im östlichen Mittelmeerraum“, in: Dean Sakel (Hg.), Byzantine Culture. Papers from the conference ‚Byzantine Days of Istanbul‘, May 2123 2010, Ankara 2014, S. 235248

  25. „Byzantium and the Eastern Frontier“, in: Ana de Francisco Heredero, David Hernandez de la Fuente, Susana Torres Prieto (Hg.), New Perspectives on Late Antiquity in the Eastern Roman Empire, Cambridge 2014, S. 102115

  26. „Avoiding History's Teleology: Orthodox and Islamic Political Philosophy“, in: Regula Forster, Neguin Yavari (Hg.), Global Medieval-Mirrors for Princes Reconsidered, Cambridge 2015, S. 112121

  27. „From one Imperial Historiography to the other“, in: J. Renn, S. Brentjes (Hg.), Globalization of Knowledge in the Post-Antique Mediterranean 700–1500. London 2015 (in press)


Rezensionen

  1. zu: A.Asbaghi, Persische Lehnwörter im Arabischen (Wiesbaden 1990), in: Die Welt des Orients 1991
  2. zu: F.Biville, Les emprunts du latin au grec. Approche phonétique. Tome I, Introduction et consonantisme (Louvain-Paris 1990), in: Kratylos 1993
  3. zu: Nicholas de Lange, Greek-Jewish Texts from the Cairo Genizah, in: Südostforschungen 58, 1999. S.474–480
  4. zu: Vera Binder: Sprachkontakt und Diglossie. Lateinische Wörter im Griechischen als Quellen für die lateinische Sprachgeschichte und das Vulgärlatein. Hamburg 2000, (Tübinger Diss. 1997), in: Byzantinische Zeitschrift 2003, Heft 2.
  5. zu: Vasilis K.Gounaris: Στις όχθες του Υδραγόρα: Οικογένεια, οικονομία και αστική κοινωνία στο Μοναστήρι,1897-1911, Athen (Staxy) 2000, in: Südostforschungen 61/62, 2002/03, 657–660
  6. zu: Johannes Pahlitzsch: Graeci und Suriani im Palästina der Kreuzfahrerzeit. Beiträge und Quellen zur Geschichte des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem. Berlin 2001, in: International Journal of Middle Eastern Studies 36, 2004