Tagung: "Das primitive Denken ist katathym". Literarischer Primitivismus im frühen 20. Jahrhundert

News vom 10.11.2010

Die Tagung wird gefördert durch den Cluster 'Languages of Emotion' und den Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften.

Leitung und Konzeption:

Ort und Zeit:

  • 19. und 20. November 2010
    Seminarzentrum der Freien Universität Berlin
    Raum L 115
    Otto-von-Simson-Straße 26
    14195 Berlin
  • Weitere Informationen zum Tagungsthema:

Zur ambivalenten Vorgeschichte der gegenwärtig viel diskutierten Territorialität von Sprache und kulturell-sozialer Praxis gehören die Konstruktionen des 'Fremden,' wie sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Ethnologie unternommen werden. Prägend für sie ist die Verschränkung von vermeintlichem Faktenwissen und Fiktionen, die oft genug auf literarische Verfahren zurückgreifen. Im Zentrum steht dabei ein Spiel der Projektionen, in dem prekäres 'Eigenes' ins 'Fremde' ausgelagert und von dort, nunmehr ver-fremdet, ins Eigene zurückgeholt wird.

In der Bildenden Kunst wird die Inspiration durch den so konstituierten fremden Kulturraum seit langem unter dem Begriff des 'Primitivismus' gefasst, dessen Geltung als terminus technicus in der Kunstgeschichte unumstritten ist. Anders sieht es jedoch in der Literaturwissenschaft aus. Ob überhaupt und, falls ja, inwiefern man auch für die moderne Literatur von einem Primitivismus sprechen kann, ist offen und wird gegenwärtig viel diskutiert. Das liegt nicht zuletzt an der Unterschiedlichkeit des Materials: scheinbar universal verständliche und exportier- oder reproduzierbare Skulpturen und Bilder lassen sich vermeintlich leichter nachahmen als orale Literatur in einer kaum übersetzbaren Sprache.

Trotzdem lässt sich, so die These des projektierten Workshops, ein literarischer Primitivismus ausmachen, auch und gerade in Abgrenzung von dem der Bildenden Kunst. Er nimmt seinen Ausgang von humanwissenschaftlichen Konstruktionen einer 'primitiven' Mentalität, die sich in Wahrnehmung, Denken und Weltauffassung der so genannten 'Primitiven' äußere und in der die Ersetzung logischer durch emotionale Zusammenhänge ("Katathymie") eine entscheidende Rolle spiele. Nicht nur als Gegenstand, sondern auch als Strukturprinzip sind diese emotionsorientierten Konstruktionen einer 'primitiven' Mentalität für die moderne Literatur von großer Bedeutung, ob in Form einer Affirmation, produktiven Weiterentwicklung oder kritischen Absetzung.

 

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