M.A. Tanzwissenschaft

Tanz ist – über kulturelle und historische Grenzen hinweg und in unterschiedlichen sozialen und künstlerischen Kontexten – ein Träger praktischen Wissens von Körper und Bewegung. 

Zugleich stellt die Flüchtigkeit seiner Bewegung eine Herausforderung für die Methoden der Wissenschaften dar. Tanzwissenschaft bildet somit eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft und den Künsten in einer Zeit, in der  Bewegungs- und Körperdiskurse die wissenschaftliche Forschung prägen; Tanzwissenschaft ist in diesem Sinne immer transdisziplinär.

Der Masterstudiengang Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin bietet für diese Reflexion ein forschungsorientiertes Studium. Anhand der übergeordneten Themenfelder Körper, Bewegung, Verfahren eröffnet er unterschiedliche Perspektiven auf die historischen, künstlerischen und sozialen Aspekte des Tanzes. Dazu gehören Studien zur Geschichte und Ästhetik des Tanzes, die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Bewegungsanalyse und -aufzeichnung sowie praktische und szenische Übungen, die den Körper und dessen Erfahrbarkeit in Bewegung thematisieren und unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze reflektieren. Dabei wird eine Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Kunst angestrebt, die ihren Ausdruck in neuen Lehrformaten und in einer engen Kooperation mit nationalen und internationalen Institutionen findet.

Das Masterstudium Tanzwissenschaft baut auf einem Bachelorstudium z.B. der Theaterwissenschaft bzw. einem Bachelorstudium verwandter Art auf. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Das Studium wird mit einer Masterarbeit abgeschlossen.

Alle Informationen zum Masterstudiengang Tanzwissenschaft (M.A.) sind in der Studien- und Prüfungsordnung zu finden.

Gegenstände des Studiums

Der forschungsorientierte Masterstudiengang befasst sich mit der Geschichte und Ästhetik des Tanzes, die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Bewegungsanalyse und ‑aufzeichnung sowie praktische und szenische Übungen, die den Körper und dessen Erfahrbarkeit in Bewegung thematisieren und unter Berücksichtigung theoretischer Ansätze reflektieren. Dabei wird eine durchgehende Verflechtung von Theorie und Praxis angestrebt, die ihren Ausdruck in neuen Lehrformaten und in einer engen Kooperation mit nationalen und internationalen Institutionen findet.

Studienziele und Berufsqualifikation

Ziel des Masterstudiengangs ist die Vermittlung und Förderung eines komplexen historischen und theoretischen Fachwissens, transdisziplinären Denkes und wissenschaftlicher Reflexion choreographischer Verfahren sowie praktischer Tanz- und Körpertechniken. Das Studium ermöglicht Absolventen und Absolventinnen mit einem Bachalorabschluss oder einem gleichwertigem Abschluss – vor allem aus den Disziplinen der Tanz-, Theater-, Film- und Kulturwissenschaft – eine Vertiefung und Erweiterung ihrer Fachkenntnisse durch eine Spezialisierung auf ausgewählte Bereiche der Tanzforschung. Mit seiner forschungsorientierten Ausrichtung zielt der Studiengang darauf, die Studierenden zur kreativen Teilnahme an wissenschaftlichen und ästhetischen Diskursen im interdisziplinären und internationalen Kontext und zur Konzeption und Durchführung von größeren Forschungsvorhaben zu befähigen.

Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertiefte wissenschaftliche Kenntnisse und weiterführende berufsqualifizierende Kompetenzen.

Das Studium qualifiziert für Tätigkeiten mit einer Spezialisierung auf den Tanz in Theatern und anderen kulturellen Institutionen, Wissenschaft, Publizistik, Kulturmanagement, Dramaturgie, Produktion und Kommunikation, Archiven und Verlagen sowie für ein Promotionsstudium. Über die wissenschaftliche Qualifikation hinaus werden durch die Verbindung von theoretischer Reflexion und praxisorientiertem Arbeiten spezifische Kenntnisse vermittelt, die auf die oben genannten Studienziele ausgerichtet sind.

Aufbau des Studiums - Module - Bewerbung


Das Masterstudium ist projektorientiert aufgebaut: Die Studierenden entwickeln Forschungsvorhaben und führen diese selbstständig unter der Begleitung von Dozent*innen durch und lernen ihre Ergebnisse innerhalb von Fachdiskursen, Präsentationen und Vorträgen darzustellen und auch einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Anliegen des Masterstudiengangs ist somit, Kompetenzen zur Problemlösung auch in anderen Wissensgebieten an die Hand zu geben wie auch eigenständiges und fachübergreifendes Denken und Kritikfähigkeit zu fördern.


Einführung in die Tanzwissenschaft
Den Studentinnen und Studenten werden Kenntnisse über historische und zeitgenössische Tanzformen, Körper- und Bewegungskonzepte, Aufführungs- und Bewegungsanalyse, Methodenfragen und aktuelle tanzwissenschaftliche Forschungsansätze vermittelt. In praktischen Übungen erhalten sie einen Einblick in die konkrete Arbeit im Bereich Tanz (u. a. verschiedene Körpertechniken und choreographische Ansätze) und werden dazu aufgefordert, sie unter Berücksichtigung verschiedenster theoretischer Ansätze zu analysieren und zu reflektieren.

Theorie / Ästhetik
Das Modul legt einen Schwerpunkt auf die transdisziplinäre Reflexion tanzwissenschaftlicher Wissensfelder. Im Mittelpunkt stehen die für die Tanzwissenschaft besonders relevanten Theoriediskurse zu Performativität, Verkörperung, Medientheorie, Gender, Queer und Postkolonialismus. Das Forschungsseminar gibt den Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, aktuelle theoretische Diskurse zu diskutieren und innerhalb komplexer Fragestellungen zu analysieren. Ziel ist es, eigene Positionen zu diesen Diskursen zu formulieren, um daraus eigene Forschungsprojekte zu entwickeln. Die Vorlesung gibt einen Einblick in einen der relevanten Theoriediskurse und ihre Kontexte. Die Übung dient dazu, anhand der kritischen Reflexion tanzwissenschaftlicher Theorien eigene Forschungsansätze im wissenschaftlichen oder künstlerischen Bereich zu konzipieren und auszuprobieren, beispielsweise in der Auseinandersetzung mit neuen medialen Formen der Bewegungsanalyse, Methoden und Techniken des wissenschaftlichen Schreibens, der Erarbeitung von Notationskonzepten und ihrer Reflexion.

Historizität / Historiographie
Das Modul vermittelt anhand ausgesuchter historischer Beispiele und Stilepochen Konzepte und Methoden der Tanzgeschichtsschreibung (u. a. kritisches und vergleichendes Quellenstudium, Rekonstruktion) sowie der Theorie und Geschichte von Körper- und Bewegungskonzepten aus kulturwissenschaftlichen, anthropologischen oder sozialgeschichtlichen Perspektiven. Im Forschungsseminar werden Methoden der Tanzgeschichtsschreibung diskutiert und kritisch reflektiert. Es dient ebenfalls der Vorstellung und Diskussion eigenständiger tanzgeschichtlicher Forschungsansätze. Die Vorlesung gibt einen Einblick in einen aktuellen Forschungsgegenstand der Tanzgeschichtsschreibung. Die Übung zielt darauf, die Methoden der Tanzgeschichtsschreibung praktisch zu erproben und weiterzuentwickeln. Themenfelder sind hier Formen der Rekonstruktion, historische Notationsmodelle, Archive der Tanzwissenschaft und Methoden der Archivierung.

Methoden / Praxis
Im szenischen Projekt erarbeiten die Studentinnen und Studenten gemeinsam mit einer Dozentin oder einem Dozenten aus der wissenschaftlichen oder künstlerischen Praxis ein Projekt. Sie entwickeln eigenständig Ideen und setzen diese um, erarbeiten eine gemeinsame Präsentation und reflektieren die Ergebnisse auf wissenschaftlicher Ebene. Diskutiert werden Fragen der Inszenierungspraxis, der Dramaturgie, zu Körper-, Musik- oder Raumkonzepten. Die Übung untersucht ein Gebiet der ästhetischen Praxis (Tanzdramaturgie, Tanzpublizistik, Tanzpädagogik, Bewegungstechniken, mediale Techniken) und reflektiert die Ergebnisse aus tanzwissenschaftlicher Perspektive. Untersucht werden die Bedeutung und Potenziale tanzwissenschaftlicher Verfahren im Kontext der Kunstpraxis. Einen Schwerpunkt wird dabei die Kooperation mit verschiedenen kulturellen Institutionen und Forschungseinrichtungen bilden. Die Reflexion der Verfahren und Methoden fließt wiederum in die Arbeit am szenischen Projekt ein.

Tanz / Künste / Medien
Das Modul behandelt die Bezüge des Tanzes zu anderen Künsten und Medien. Tanzwissenschaft wird als wissenschaftliche Disziplin an der Schnittstelle verschiedener Wissenschaften (Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft, Kunstwissenschaft) sowie verschiedener Künste (Musik, Theater, Bildende Kunst) untersucht. Diskutiert wird die historische Schlüsselstellung des Tanzes für Fragen des Performativen wie auch dessen Bedeutung für die anderen Künste und Medien. Die Vorlesung gibt einen Einblick in aktuelle Forschungsansätze aus dem Bereich der Tanzwissenschaft, der Theaterwissenschaft, der bildenden Kunst, der Musikwissenschaft oder der Filmwissenschaft. Im Forschungsseminar werden anhand exemplarischer Forschungsfragen grundlegende Probleme und Potenziale vergleichender Forschungsstrategien erörtert. In der Übung werden diese Methoden anhand des Vergleichs kompositorischer und dramaturgischer Verfahren in verschiedenen künstlerischen Kontexten erprobt und reflektiert. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Auseinandersetzung mit medialen Darstellungsweisen sowie ihre Erprobung und kritische Reflexion.

Forschungspraxis
Das von Dozentinnen oder Dozenten betreute Forschungsprojekt gibt den Studentinnen und Studenten die Möglichkeit zu eigenständiger Forschung. Es sollen die im bisherigen Studium erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen angewendet und erprobt werden. Die Forschungsprojekte der Studentinnen und Studenten können sich gemäß der Ausrichtung des Studiengangs über ein breites Spektrum erstrecken: von der wissenschaftlichen Untersuchung über die anwendungsorientierte Forschung bis zum Praxisprojekt. Im Projektkolloquium werden die verschiedenen Konzepte vorgestellt und aufgrund von schriftlich formulierten Forschungskonzepten diskutiert. Die begleitende Übung untersucht, vergleicht und reflektiert Methoden der wissenschaftlichen und künstlerischen Dokumentation von Forschungsergebnissen.

Exemplarischer Studienverlaufsplan (PDF)

Allgemeine Informationen zu Modulen und Leistungspunkten (LP)


Das Bewerbungs- und Zulassungsverfahren wird von der Freien Universität Berlin zentral organisiert.

Alle Informationen finden Sie hier: Bewerbung und Zulassung

Für den Zugang zum Masterstudiengang müssen Bewerberinnen und Bewerber die folgenden Voraussetzungen nachweisen:

  • Bachelorabschluss oder gleichwertiger anderer Hochschulabschluss.

Der Studiengang ist zulassungsbeschränkt.

Weitere Informationen finden Sie in der Zugangssatzung für den Masterstudiengang Tanzwissenschaft.


Für die Bewerbung zum Masterstudiengang Tanzwissenschaft gelten folgende Fristen:

Für das 1. Fachsemester:    

  • 15.04.-31.05. (Studienbeginn im Wintersemester)

Für höhere Fachsemester:  

  • 01.07.-15.08. (3. Semester, Studienbeginn im Wintersemester)
  • 01.01.-15.02. (2. und 4. Semester, Studienbeginn im Sommersemester)

Bitte beachten Sie die Informationen zur Bewerbung auf ein höheres Fachsemester.