Springe direkt zu Inhalt

Tina Turnheim

Institut / Einrichtungen:

Fachgebiet / Arbeitsbereich:

AUF DER SUCHE NACH DEM VERLORENEN REALEN – Performative Experimente mit Zeit- und Geschichtsabläufen zwischen Spekulation und Beschwörung

Doktorandin

Adresse
Grunewaldstraße 34
12165 Berlin

AUF DER SUCHE NACH DEM VERLORENEN REALEN –
Performative Experimente mit Zeit- und Geschichtsabläufen zwischen Spekulation und Beschwörung

„Wie Geister früher kamen aus Vergangenheit, so jetzt aus Zukunft ebenso“
(Brecht: Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer)
 
Aktuell lassen sich wieder vermehrt diskursive und künstlerische Rückbezüge auf das Konzept der Zukunft feststellen, welche zwischen den vermeintlichen Gegenpolen von Spekulation und Beschwörung wandernd der diagnostizierten Abschaffung der Zukunft trotzen und sich einer unendlich prolongierten Gegenwart nicht fügen wollen, die Zukunft zur Nachhaltigkeit degradiert. Dieses theoretische und künstlerische Anrufen, Beschwören, Insistieren, Imaginieren und Spekulieren von/auf Alternativen drückt nicht nur einen wiedergekehrten Willen zur Zukunft aus, sondern fordert auch die Rückkehr einer ungezähmten Zukunft, welche tatsächlich offen und gestaltbar, und nicht - wie die „Futures“ des Finanzkapitalismus - bloß aus Mittelwerten von Vergangenem errechnetet sein könnte. Von daher zielen diese performativen (Ver-)Suche in Theorie und Praxis also nicht darauf ab, dogmatische Zukunftsarchitekturen und Programme zu entwerfen, sondern wollen viel eher auf die Kontingenz der Zukunft insistieren, um die Möglichkeit von alternativer Zukunft wieder denk- und vorstellbar zu machen. Diese Experimente mit Zeit- und Geschichtsabläufen könnten somit ein präfiguratives Wissen um die Zukunft ersprechen und erproben, welches maßgeblich dazu beitragen könnte zu demonstrieren, dass das Durchdringen von Zukunft, Performativität und Kapital keineswegs zwangsläufig so wechselseitig sein müsste, wie es unter den gegenwärtigen Bedingungen den Anschein macht: Zukunft und Performativität könnten von daher womöglich auch ohne Kapital denkbar sein, währenddessen letzteres zwangsläufig auf Zukunft und Performativität angewiesen wäre.

 

Deutsche Forschungsgemeinschaft