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Manuel Scheidegger

Institut / Einrichtungen:

Fachgebiet / Arbeitsbereich:

Das Medium des Szenischen. Entwurf zu einer Theorie der Theatralität

Doktorand

Adresse
Grunewaldstraße 34
12165 Berlin

Das Medium des Szenischen – Entwurf zu einer Theorie der Theatralität (Arbeitstitel)

Unter allen ästhetischen Medien und Verfahren zeichnen sich theatrale Praktiken durch ihre Nähe zur alltäglichen Welt aus: Während in anderen Medien nur indirekt auf Handlungen Bezug genommen werden kann, wird in theatralen Praktiken direkt gehandelt. Offenbar ist das, was in ihnen dargestellt wird, identisch mit der Struktur seiner Darstellung: Theatrale Praktiken thematisieren Handlungen, in dem sie selbst Handlungen vollziehen. Theatrale Ereignisse bestehen so wesentlich darin, dass in ihnen echte Lebenszeit aller Teilnehmer vergeht.

Diese Feststellung hat zu der wirkmächtigen These des theatrum mundi geführt, der Annahme einer Gleichförmigkeit von Theater und sozialem Leben. Sowohl seitens der modernen Subjekttheorie wie auch der Theatertheorie wird bis heute geltend gemacht, dass das Modell des Theatralen die Konstitution von Subjektivität überhaupt erläutern könne: Theatrales Handeln und alltägliches Handeln bestünden beide im performativen Vollzug von institutionalisierten Rollen und diskursiven Regeln.

Die Annahme einer Totalität des Theatralen ist aber problematisch: Sie führt dazu, dass das ästhetische Phänomen theatraler Praxis entdifferenziert wird. Theaterpraktiken müssen so als bloße Verdopplung, resp. nahtlose Verlängerung alltäglichen Handelns gelten. Damit wird unverständlich, inwiefern die Auseinandersetzung mit theatralem Handeln für uns von spezifischem Wert ist, warum wir also überhaupt Theater machen.

Ausgehend von dieser Diagnose will das Projekt eine grundlegende Revision vorschlagen: Theatralität soll nicht als Eigenschaft des Handelns, sondern als Medialisierung von Handeln rekonstruiert werden. Subjekte vermögen das Handeln anderer (und ihr eigenes) figurativ zu distanzieren und so die eigene soziale Position in ihrer leiblichen, affektiven und diskursiven Performanz zu reflektieren. Die Arbeit stellt szenische Figuration als den zentralen Aspekt theatraler Medialisierung vor. Mit dem Theorem des szenischen Mediums möchte sie zeigen, dass eine so verstandene Theatralität als Grundmoment medialer Praxis überhaupt begriffen werden kann, das über Kunsttheater hinaus in vielen anderen, nicht-künstlerischen Theaterpraktiken wie Therapietheater oder Rollenspieltraining sowie interaktiven Medien wie Computergames, 3-D-Kino oder Internet wirksam ist. Das Projekt möchte dazu beitragen, den interdisziplinär diskutierten Zusammenhang von Medien und Subjektformung grundbegrifflich weiter zu klären.

Deutsche Forschungsgemeinschaft