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Antonia Murath

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Bildquelle: Lorenz Becker

Institut für deutsche und niederländische Philologie

Ältere deutsche Literatur und Sprache (Sekretariat Bräuer)

Cyborgs, Bildträgerinnen, Plot-Maschinen: Figur-Ding-Beziehungen in Constance-Erzählungen und Floreromanen (Arbeitstitel)

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Sprechstunde

Telefonisch oder über WebEx nach Vereinbarung. Anmeldung per Email erforderlich.

Akademischer Werdegang:

  • seit Juli 2019: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche und niederländische Philologie, ältere deutsche Literatur und Sprache (Lehrstuhl Prof. Dr. Jutta Eming); Mitglied des SFB 980 'Episteme in Bewegung', Teilprojekt B02
  • Juli 2018 – Juli 2019: Stipendiatin des Elsa-Neumann-Stipendiums des Landes Berlin (Promotionsförderung)
  • Juli 2017 – Februar 2018: Einstein-Projektstipendiatin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien, Freie Universität Berlin (Anschubfinanzierung/ Promotionsförderung)
  • April 2018: Aufnahme des Promotionsstudiums
  • Februar 2018: Abschluss des Studiums der Fächer Deutsch und Englisch für ein Lehramt am Gymnasium, Freie Universität Berlin; zuvor BA-Studium an der Freien Universität Berlin und University of Leeds; einjährige Beurlaubung für ein berufspraktisches Jahr als Fremdsprachenassistentin des pädagogischen Austauschdiensts/ Großbritannien

Wintersemester 2020: Mai und Beaflor // Die Königstochter von Frankreich

Sommersemester 2020: Mit Johannes Traulsen – Einführung in die ältere deutsche Literatur und Sprache / Nibelungenlied

Wintersemester 2019/2020: Körper und Geschlechterbeziehungen in mittelhochdeutschen Kurzerzählungen

Sommersemester 2019: Einführung in die ältere deutsche Literatur und Sprache / Gottfried von Straßburg: Tristan

Allgemeine Interessen:

  • Translation und Adaptation europäischer Erzählstoffe
  • Familienbeziehungen, Inzest, Gender
  • Objekte, Artefakte, materiale Kultur
  • Digital Humanities

Abstract Dissertationsprojekt (English Below)

Cyborgs, Bildträgerinnen, Plot-Maschinen: Figur-Ding-Beziehungen in Constance-Erzählungen und im Floreroman (Arbeitstitel)

Das Projekt erschließt die mittelhochdeutschen Versromane „Flore und Blantscheflur“ und „Mai und Beaflor“ im Kontext ihrer breiten Überlieferungstraditionen über die in ihnen verhandelten Figur-Ding-Beziehungen. Das dingtheoretische wird mit einem genderorientierten Interesse verbunden: Fluchtpunkt der Handlung ist jeweils eine Protagonistin, die durch Inzest, Exil, Verkauf oder Verschleppung marginalisiert ist, jedoch zugleich eine Wirkmacht entfaltet, die sich in Begehrensstrukturen, in Massenkonversionen oder in Revolten gegen die Autorität eines Herrschers äußert. Diese Wirkmacht ergibt sich, so die These, aus der Verbindung des marginalisierten, weiblich kodierten, exzeptionell tugendhaften Menschenkörpers mit Dingkörpern, die je mit eigenen Geschichten, Trajektorien oder Eigenzeiten ausgestattet sind. Die Protagonistin wird so Teil eines Akteur-Netzwerks (Latour) bzw. kann mit Donna Haraway als ein Cyborg gefasst werden. Dieser löst bestimmte Handlungsmomente erst aus (Plot-Maschine). Er trägt ferner visuell vermittelte Diskurse in die Texte (Bildträgerin), etwa transmediterrane Repräsentationen von Herrschaft und Macht über portable Objekte, oder Reliquiendiskurse. Diese Bildlichkeit kann an Konversionsnarrative oder imperiale Entwürfe rückgebunden werden. Schließlich stehen beide Versromane in einem transnationalen Kontext: Sie sind in nahezu allen europäischen Volkssprachen und einer Vielfalt von Gattungen überliefert. Hat die altgermanistische Forschung bisher überwiegend bilaterale Verhältnisse wie die Bocaccio-Rezeption oder deutsch-französische Kulturbeziehungen beleuchtet, dezentralisiert dieses Projekt die Analyse, indem es insbesondere nordwest-europäische Fassungen einbezieht. Vergleichend werden inselbritische, jiddische, skandinavische und niederdeutsche bzw. niederländische Versionen herangezogen.

Medieval Cyborgs: Human-Thing-Relations in European Floris- and Constance-Adaptations (preliminary title)

I analyse two Middle High German Floris- and Constance-adaptations (Flore und Blantscheflur; Mai und Beaflor) via their exposure of human-thing relations, taking into account their broad transmission horizons. I combine two areas of inquiry, thing-theory and gender. In both texts, a female protagonist is marginalized to the extreme by incest, slavery, displacement or exile. Simultaneously, she is at the centre of action and develops an agentic force of her own, eliciting desire, fascination or fear, stirring mass conversion or prompting peasant revolts. This kind of agency, I suggest, emerges from the enmeshment of a marginalized, female, and exceptionally virtuous human body with various material bodies bearing their own histories, trajectories and temporalities. Thus, the protagonist becomes part of a larger actor-network (Latour) and can be conceived of as a cyborg, in Donna Haraway’s sense of a material-semiotic actor not contained by the boundaries of the skin. As such, she triggers certain plot developments (plot-machine). She further taps into contemporary, visually mediated discourses, such as that of a trans-Mediterranean culture of representation via portable objects, or that of relics and reliquaries. Such imagery links the texts with imperial settings or conversion narratives. Finally, the German romances are part of a transnational narrative tradition: they are known in almost all European vernaculars and adapted across a wide variety of genres. My project aims to decentralise and widen the scope against a northern European backdrop by considering insular British (Middle English / Anglo-Norman), Yiddish, Scandinavian, Low German and Dutch versions.

Zeitschriftenaufsätze/ Beiträge in Sammelbänden:

Invisible Kingship – Liminality and the Maiden King in Nítíða Saga, European Journal of Scandinavian Studies, Vol. 50. 2 (2020), 257–274

Mitarbeit in:

Hall, Alaric; Lavender, Phil: Jarlmanns saga og Hermanns: A Translation. In: Scandinavian-Canadian Studies / Études Scandinaves au Canada, Vol. 27 (2020), S. 50–104. Open Access Zugriff hier

wissenschaftliche Vorträge (nicht auch als Beiträge veröffentlicht):

Cyborg and Reliquary Discourse in Konrad Fleck's Flore und Blanscheflur

(Stanford University, Lunch Talk, 08.10.2019)

Asynchrone Assemblagen: Multitemporalität, Polychronie und Linearität in Mai und Beaflor und Emaré

(26. Germanistentag des DGV, im Panel 'Asynchronien in der Literatur des Mittelalters', Universität des Saarlandes, 22.-25.09.2019)

Of Milk and Blood: Changing the Lovers' Relationship in Two German Adaptations of Floire et Blanchefleur

(International Medieval Congress Leeds, im Panel 'Medieval Romance Relationships IV: Incest and Adultery' [1310], University of Leeds, 01.-04.07.2019)

‘Flata kunde reden wol / Als ein mensch reden soll’: (female) voice, horror, and narrative agency in Apollonius von Tyrland

(Workshop Female Voices, Freie Universität Berlin, 11.05.2019)

Imploded Entities : The Courtly Heroines’ Cyborg Bodies and Reliquary Discourse in Constance-Narratives

(mediävistisches Kolloquium Anglistik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 08.01.2019)

The Collective Female Body in the Medieval Constance-Narratives Mai und Beaflor and Emaré

(Tagung Medieval Bodies Ignored: Politics, Culture, and Flesh, University of Leeds, 04.-06.05.2018

Pilger der Liebe: Geschwisterliebe in Floire und Blancheflor als Mittler religiöser Erfahrung

(60. Tateshina-Symposium der japanischen Gesellschaft für Germanistik, 11.-16.03.2018)

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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