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Pavlos Dimitriadis

Kinder (er-)finden: Eine Imaginationsgeschichte des Findlings 1749–1866

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Pavlos Dimitriadis studierte Germanistik und Internationale Literaturen an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Von März 2017 bis September 2018 war er wissenschaftliche Hilfskraft am DFG-Projekt Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne (SPP 1688) unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Gamper. Von Juni 2018 bis März 2019 bereitete er als Einstein-Projektstipendiat der Friedrich Schlegel Graduiertenschule ein Projekt zur Figur des Findlings um 1800 vor. Gefördert von einem Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin promoviert er seit Juli 2021 unter Betreuung von Prof. Dr. Michael Gamper und Prof. Dr. Irene Albers zu diesem Thema.

Das Promotionsprojekt fragt nach Bedeutung und Funktion der zahllosen Findelkinder, Waisen und Wolfskinder in der deutschsprachigen, englischen und französischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht das Vorhaben, poetologische und diskursgeschichtliche Entwicklungslinien eines Phänomens aufzuzeigen, das im untersuchten Zeitraum eine gesellschaftlich-institutionelle und literarische Konjunktur erlebte. Kindern, deren Aussetzen oder Überantworten an karitative Einrichtungen über Jahrhunderte eine sozioökonomische Notwendigkeit darstellte, kam im Zuge des ‚pädagogischen‘ 18. Jahrhunderts eine neue politische Aufmerksamkeit zugute. Sie mündete in den verstärkten Bau von Waisenhäusern und Stiftungen sowie in einer legislativen Differenzierung und Neubewertung des Kindes als gesellschaftlichem Partizipanten. In literarisierter Form hingegen stellt der Findling als freigestellte Figur unbekannter Herkunft und Vergangenheit die spätaufklärerische bürgerliche Gesellschaft notwendig vor Herausforderungen: Wie lässt sich das fremde Kind erziehen und integrieren? Mit welchen Mitteln und mit welchem anthropologischen, pädagogischen und gesellschaftlichen Erkenntnisinteresse lässt sich davon erzählen? Findlinge avancieren so regelmäßig zu imaginativen Problemkörpern, die sich gesellschaftlichen Organisationsformen und Narrativen widersetzen und die Literatur bisweilen zu einer Inventur ihrer eigenen Mittel nötigen. Auf Grundlage eines umfangreichen Korpus und exemplarischer Einzeltextanalysen widmet sich das Dissertationsvorhaben unterschiedlichen Formen alternativer Kindheiten von 1749 bis 1866 und damit der historischen Entwicklung literarischer Findlinge in ihrem prekären Status zwischen Gefundenen und Erfundenen, zwischen Schutzbefohlenen und radikalen Individualisten.

Aufsätze

‚Prosaisierung‘. Bürgerliche Verlusterfahrung in Adalbert Stifters ‚Kazensilber‘. In: Michael Gamper, Svetlana Efimova: Prosa. Geschichte, Poetik, Theorie. Berlin: De Gruyter 2021.

Zwischen Routine und (Un-)Lust: Absurde Vereinsamung bei Albert Camus und Raymond Carver. In: Esra Canpalat u.a. (Hg.): Literatur und Sexualität. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2014. Berlin: Bachmann 2015, S. 179–188.

Herausgaben

Literatur und Ritual. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2017. Berlin: Bachmann 2019.

Organisation

The Politics of Literature – Literature and Politics. Konzeption der 3. FSGS Summer School, Organisation des Panels Politics and Literature of the Vormärz (Experte: PD Dr. Patrick Eiden-Offe), 01.–04. Juli 2019.

Literatur + Ritual. 8. Studierendenkongress Komparatistik, 09–11. Juni 2017.

»Sandberg« Polen. Gespräch mit Joanna Bator und ihren Übersetzer:innen Ilay Halpern, Krum Krumov und Lisa Palmes, FU Berlin, 10. Februar 2016.

Vorträge

Irritationen des Alltags. Stifters Findlinge. Workshop: The Poetics and Practices of the Everyday. The Art of Prose. Columbia University New York, 29.–30. März 2019.

Zwischen Routine und (Un-)Lust. Absurde Vereinsamung bei Albert Camus und Raymond Carver. 5. Studierendenkongress Komparatistik: Literatur + Sexualität. Ruhr-Universität Bochum, 27–29. Juni 2014.

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