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Amevi Akpaglo

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Bildquelle: Privat

Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Postkoloniale Gastfeinschaft und Narrative des Nicht-Ankommens in der deutschsprachigen und afrikanisch-französischsprachigen Literatur

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Amevi Akpaglo hat Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft an der Universität Lome in Togo studiert. Seinen Master hat er, gefördert durch den DAAD, 2016 mit einem Auslandssemester an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg mit dem Thema "Massenemotionen im revolutionären Kontext" absolviert. Seit Oktober hat er seine Promotion an der FSGS begonnen dank einer DAAD-Förderung 

Gehört Feindschaft zum Umgang mit dem fremden Gast, etwa wie von Jacques Derrida[1] vorgeschlagen wurde? Kommt der Geflüchtete als Schutzsuchender oder als Feind zu „uns“? Was passiert, wenn er, im Gegensatz zu Kants „Recht eines Fremdlings“[2], feindselig behandelt und ihm das Ankommen in der Gastgebergesellschaft unmöglich gemacht wird? Ist ein friedliches Zusammenleben mit dem zum Feind konstruierten Gast-Migranten überhaupt verhandelbar?

In unserem neuen Zeitalter der Mauern und Grenzen rücken diese Fragestellungen seit dem Sommer 2015, wo Millionen flüchtende Menschen anderer Länder in europäische Staaten gekommen sind, vermehrt ins Zentrum der soziopolitischen Aktualität sowie der wissenschaftlichen Forschung. Unter anderem in der Theologie, Philosophie, Soziologie und Politik tritt die Figur des fremden Gastfreundschaft-Suchenden und das Phänomen des Ankommens in vielen Debatten immer wieder auf, wobei über „die problematische, in unseren Tagen politisch hochbrisante Nähe von Fremdheit und Feindschaft“[3] nachgedacht wird. Auch in der Literatur ist das Thema en vogue. Unzählbare Bücher und Erzählungen sind zum Thema veröffentlicht worden. Im Hinblick darauf lässt sich das Anliegen der vorliegenden Arbeit wie folgt ausdrücken: Wie reflektiert die Literatur die Problematik der Gastfeindschaft und des Nicht-Ankommens? Wie wirken diese Phänomene  auf die Identitätsbildung der Gastakteure sowie auf die gesellschaftliche Harmonie?

Die Literatur zeigt, dass das Nicht-Ankommen des schutzsuchenden Gast-Migranten in den erzählten Gesellschaften mit besonderen Dispositiven verbunden ist, welches von Fremdenfeindbildern besetzt ist. Der Akt des Aufnehmens verwandelt sich dann in eine „Gastfeindschaft“ und führt zu einer konfliktträchtigen Gemeinschaft, die die Entfaltung der Gastakteure und die soziale Kohäsion beeinträchtigt. Aus diesen Umständen entwickelt die Literatur gastliche Gemeinschaftsoasen, die als Modelle eines möglichen harmonischen Zusammenlebens zwischen „uns“ und den „Anderen“ gelten.

 


[1] Jacques Derrida: Von der Gastfreundschaft, 2001.

[2] Immanuel Kant: Zum Ewigen Frieden, S. 357

[3] Christian Geulen / Anne von der Heiden / Burkhard Liebsch „Einleitung: Vom Sinn der Feindschaft“, in: Dies. (hrsg.): Vom Sinn der Feindschaft, Akademie Verlag GmbH, Berlin 2002, S. 7-15, hier S. 11.

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