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Ökologische Diskurse im Fremdsprachenunterricht (Dissertationsprojekt)

Institution:

Institut für Deutsche und Niederländische Philologie - Deutsch als Fremdsprache

Projektleitung:
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Dr. Cynthia Freudenthal

Vor dem Hintergrund, dass auch der Fremdsprachenunterricht auf die komplexer werdende Welt reagieren und ökologische und globale Herausforderungen und Fragestellungen miteinbeziehen muss, verfolgt die vorliegende Dissertation die Absicht, die Förderung von Umweltkompetenz als Zielsetzung im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht zu verankern und Anregungen für Lehr- und Lernarrangements zu geben. Da sich die Beschäftigung mit Erinnerungsorten im Kontext der Förderung einer Diskurskompetenz (vgl. Altmayer 2016; Hallet 2006) und der Arbeit mit einem bedeutungs- und wissensorientierten Kulturbegriff (vgl. Reckwitz 2006) im Fremdsprachenunterricht in den letzten Jahren immer wieder als fruchtbar erwiesen hat, wurden neben Unterrichtsreihen zu ausgewählten ökologischen Themen auch eine Unterrichtsreihe zu einem ökologischen Erinnerungsort entwickelt, einzelne Unterrichtseinheiten detailliert geplant und anschließend in mehreren Deutsch-als-Fremdsprache-Kursen an Universitäten und Sprachschulen in Deutschland erprobt. Die vorliegende Arbeit zielt außerdem darauf, einen Beitrag zur Fundierung der Kompetenzdiskussion der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und des Globalen Lernens zu leisten, die Auseinandersetzung mit global issues als Lehr- und Lerngegenstände im Unterricht Deutsch als Fremdsprache weiter voranzubringen und den bisher in der deutschsprachigen DaF-Forschung kaum etablierten Begriff ‚Umweltkompetenz‘ weiter zu konkretisieren und zu verankern.

Zur Beantwortung der Fragestellung wurde eine mehrmethodische Herangehensweise zur Datenerhebung gewählt, um der Komplexität des Prozesses der Förderung von Umweltkompetenz im Fremdsprachenunterricht gerecht zu werden und gleichzeitig eine differenzierte Untersuchung gewährleisten zu können. Neben den von teilnehmenden Studierenden während der Unterrichtsstunden verfassten Texten (Lernertexte) sowie den Antworten aus einem im Anschluss an die Einheiten ausgefüllten Fragebogen (schriftliche Befragung) bildete zusätzlich die Unterrichtsbeobachtung (Videographie) einzelner Unterrichtssequenzen den Ausgangspunkt für eine reflektierende Analyse und weitergehende Handlungsempfehlungen. Zusätzlich zur Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2015), die zur Auswertung des aus der schriftlichen Befragung und den selbst formulierten Texten hervorgehenden Materials angewendet wurde, kam zur Analyse der videographischen Daten das Verfahren der Sequenzanalyse zum Einsatz.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ökologische Diskurse im Fremdsprachenunterricht gewinnbringend zur Förderung von Umweltkompetenz und somit zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Weltgesellschaft beitragen kann. Neben der Vermittlung von Faktenwissen zu Umweltthemen und Umweltgeschichte kann die Auseinandersetzung mit ökologischen Thematiken zu einem Erkennen der (globalen) Konsequenzen individuellen Handelns und zu einer Erweiterung von einer lokalen zu einer globalen Perspektive führen. Eigene Interessen und individuelle Standpunkte können gleichzeitig hinterfragt und relativiert werden. Aus den Auswertungsergebnissen geht hervor, dass die Beschäftigung mit ökologischen Themen im Allgemeinen und (ökologischen) Erinnerungsorten im Besonderen nicht nur wichtige Anforderungen einer kulturwissenschaftlich orientierten Landeskunde, sondern auch eines Globalen Lernens anstoßen kann. Deshalb ist es wichtig, dass ökologische Problematiken und Fragestellungen speziell im Fremdsprachenunterricht thematisiert werden, um Studierende dazu zu ermutigen, an der Gestaltung der Weltgesellschaft mitzuwirken. Die Förderung von Umweltkompetenz muss ein wichtiger Bestandteil des Erziehungs- bzw. Bildungssystems und auch des Fremdsprachenunterrichts werden, damit zukünftige Generationen nicht massiv unter den Folgen des ständigen Überschreitens der natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leiden haben. Denn gerade in einer internationalen Lernumgebung wie dem Fremdsprachenunterricht an Hochschulen bzw. vorrangig der Erwachsenenbildung verpflichteten Sprachschulen in Deutschland können so interessante Ansätze für produktive Gespräche, individuelle Betrachtungen und gemeinsame Aushandlungsprozesse entstehen.