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SoSe 2021: Forschungsseminar "Szondi heute"

Digi-Szondi, Abbildung: Stefanie Messner

Digi-Szondi, Abbildung: Stefanie Messner

Anlässlich des 50. Todesjahrs von Peter Szondi haben wir uns im Sommersemester 2021 in einem Forschungsseminar mit dem Thema „Szondi heute“ befasst. In Essays und Vorträgen haben sich insgesamt neun Masterstudierende die Frage gestellt, inwiefern Szondis Schriften der Literaturwissenschaft noch heute als Anstoß und Orientierung dienen können.

Peter Szondi ist weiterhin eine der prägenden Figuren einer Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Mit Blick auf Szondis ebenso grundlegende wie beispielhafte Arbeiten zu Literatur und Literaturwissenschaft und sein institutspolitisches und öffentliches Wirken mag dies zunächst als nicht weiter erstaunlich erscheinen. Im fünfzigsten Jahr nach Szondis Tod kann eine solche fortwährende Aktualität jedoch auch nicht als gegeben und selbstverständlich hingenommen werden – zu sehr verdanken sich Szondis Werk und Wirken selbst dem Widerstand gegen ein solches Hinnehmen, zu groß sind die Umbrüche, die Universität, Literatur, Literaturwissenschaft wie überhaupt Öffentlichkeit und Gesellschaft seither erfahren haben.

 

Aus diesem Grund haben wir im Sommersemester 2021 in einem Forschungsseminar versucht, uns Szondi aus einer dezidiert gegenwärtigen Perspektive nähern. Das Seminar war dreigeteilt. Zunächst haben wir uns in einer ersten Seminarphase gemeinsam mit der Lektüre und Diskussion von ausgewählten Szondi-Texten befasst: Nach Auszügen aus der 1956 veröffentlichten Dissertation zur Theorie des modernen Dramas und der 1961 publizierten Habilitationsschrift Versuch über das Tragische haben wir den Grundlagenaufsatz Über philologische Erkenntnis von 1962 besprochen und uns am Beispiel der Essays Poetry of Constancy – Poetik der Beständigkeit und Durch die Enge geführt von 1971 zuletzt Szondis späten Celan-Lektüren genähert. Auf diese Lektürephase folgte eine Forschungs- und Schreibphase, in der die Studierenden eigene Essays zu Szondi und ihren Szondi-Lektüren verfasst haben, die in der abschließenden dritten Seminarphase gemeinsam gelesen, kommentiert und besprochen wurden.

 

Nachdem sechs dieser Essays am 21. Januar 2021 beim Szondi-Tag des Peter Szondi-Instituts vorgestellt wurden, sollen vier von ihnen nun auch hier dokumentiert werden. Mit Blick auf die Theorie des modernen Dramas und den Versuch über das Tragische stellt Julius Böhm in „Dramatische Temporalitäten bei uns nach Szondi“ Überlegungen zur Zeitlichkeit des Dramatischen an. In „Auswahl auf weitem Feld“ wirft Vincent Sauer im Anschluss an den Traktat Über philologische Erkenntnis hingegen die Frage nach der Kritik aus gegenwärtiger Perspektive auf, wogegen Stefanie Messer in „Mit Szondi zu Szondi. Über digitale Perspektiven“ den Traktat zum Ausgangspunkt für Betrachtungen aus Sicht der Digital Humanities vornimmt und mit Digi-Szondi ein Tool zur Gegenüberstellung von Textvarianten präsentiert und auf Über philologische Erkenntnis anwendet. In „1, 2, 3 – Das muss ein Paradigma sein“ schließlich befasst Ansgar Riedißer sich in einer Lektüre von Poetry of Constancy – Poetik der Beständigkeit mit der sprachlichen Anverwandlung und damit auch der Performanz von Szondis Schreiben.

 

Seminarleitung: PD Dr. Michael Bies


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