Paradigmen autobiographischen Schreibens: Augustinus, Rousseau, Sartre

Autobiographien − retrospektive Erzählungen des Lebenslaufs und der Persönlichkeitsentwicklung eines Protagonisten, der zugleich als Erzähler auftritt und dazu als identisch mit dem Autor des Textes zu denken ist − treten als nicht-fiktionale Texte auf. Autobiographien sind zugleich Medien des Selbstbezugs und Selbstentwurfs, Konstruktionen, die Bedeutung aus den Wechselfällen und vielleicht disparaten Fakten eines Lebens schaffen. Der referentielle Anspruch des autobiographischen Textes und sein Konstruktcharakter stehen in einer Spannungsbeziehung zueinander, deren Form und Bewertung historisch variieren. Ausgehend zum einen von der Frage nach der ‚Literarizität‘ des autobiographischen Textes, zum anderen von Michel Foucaults Konzept der „Selbsttechniken“ sollen im Rahmen des Proseminars drei wesentliche Beispiele aus der abendländischen Gattungsgeschichte zum Thema werden: Die Confessiones des Augustinus (um 400), die Confessions Jean-Jacques Rousseaus (1782) und Jean-Paul Sartres Les mots (1964). Das Ziel der Seminardiskussion sind Skizzen zu einer historischen Typologie der Formen und Möglichkeiten autobiographischen Schreibens.

Textgrundlage und anzuschaffen sind die Ausgaben Augustinus: Bekenntnisse, hg. u. übers. v. Kurt Flasch und Burghart Mojsisch, Stuttgart: Reclam 1989; Jean-Jacques Rousseau: Les Confessions, hg. v. Bernard Gagnebin, mit einem Vorwort von J.-B. Pontalis, Paris: Gallimard 1995 [folio classique 2776]; Jean-Paul Sartre: Les mots, Paris: Gallimard 1964 [folio 607].

Zur Vorbereitung empfohlen seien die Augustinus und Rousseau gewidmeten Kapitel in Jochen Fritz: Ruinen des Selbst. Autobiographisches Schreiben bei Augustinus, Rousseau und Proust, München 2007; die Beiträge in Michel Contat (Hg.): Pourquoi et comment Sartre a écrit "Les Mots". Genèse d’une autobiographie, Paris 1996 sowie Philippe Lejeune: Le Pacte autobiographique, Paris 1975.