Morale provisoire. Literarische Figuren der Treue

Der Held scheint in der Zeit nach der Moderne unwiederbringlich gestorben. Die Zeit der tragischen Helden der Moderne – von Kleists Michael Kohlhaas bis zum unbekannten Soldaten, von Jeanne d’Arc bis zum Arbeiter – scheint abgelaufen. Nicht nur treten damit in der Folge die Außenseiter und die Anti-Helden hervor, zugleich stellt sich die Frage, ob damit auch ein spezifischer Typus des heldenhaften Denkens und Handelns unmöglich geworden ist. Das Seminar will diese Unmöglichkeit befragen. Dabei wird es sich sowohl einer Auswahl klassischer Helden zuwenden als sich auch der Frage widmen, ob bestimmte Strategien des Heroismus unter bestimmten Bedingungen sowohl in der Literatur als auch für die Politik wieder denknotwendig werden. Dazu werden im Seminar literarische wie philosophische Texte u. a. von Kleist und Badiou, Descartes und Beckett, Schalamow und Kant gelesen. In diesen Lektüren die Relevanz des Heroismus für eine zeitgenössische morale provisoire skizziert werden.