Robert Musil im Kontext von Ethnologie und Psychologie

Robert Musils Fragment gebliebener Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" zeichnet ein zeitgeschichtliches Panoptikum der österreichisch-ungarischen Monarchie kurz vor ihrem Untergang im zweiten Weltkrieg. Dabei nimmt er eine so differenzierte wie scharfzüngige Analyse der Moderne vor, die in vielen Aspekten bis heute aktuell ist. Im Zentrum stehen neben poetologischen Reflektionen über die (Un)möglichkeiten von Literatur in dieser Zeit das problematisch gewordene Verhältnis von Individuum und der der Aufklärung verpflichteten großbürgerlichen, sowie der der Irrationalität und Regression zuneigenden Massengesellschaft, und schließlich vor diesem Hintergrund die Suche nach und das Experimentieren mit alternativen Lebensentwürfen, die in dem vom Protagonisten Ulrich anvisierten und kritisch reflektieren "anderen Zustand" gipfeln. Im Seminar sollen alle drei Aspekte behandelt, der Schwerpunkt aber deutlich auf den letzten gelegt werden, dem vor dem Hintergrund von Musils Beschäftigung mit psychologischen und ethnologischen Theorien seiner Zeit ausführlich nachgegangen werden soll. Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die in den Semesterferien erfolgte Lektüre der von Musil selbst publizierten Teile des Romans, d.h. des ersten Bandes der zweibändigen Rowohlt-Taschenbuchausgabe, der 1040 Seiten umfasst. Auch im Seminar wird das Lektürepensum eher hoch sein (der zweite Band umfasst noch einmal gut 2000 Seiten, die wir aber nur in Auszügen lesen werden). Die genannte Ausgabe ist für das Seminar anzuschaffen.