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Catherine Marten

Catherine Marten

 

E-Mail: marten [at] schriftbildlichkeit.de

 

Dissertationsvorhaben

»[...] nichts [...], nichts unterstrichen.« – Zum Verhältnis von Fetischismus und Schriftbildlichkeit in der Prosa Thomas Bernhards

 

Projektbeschreibung

Das Dissertationsprojekt fragt nach der Möglichkeit schriftbildlicher Phänomene in Prosatexten. Die exemplarische Analyse Bernhard’scher Texte soll zeigen, durch welche Verfahren die „klassische“ Prosa-Rezeption – nämlich die sukzessive Lektüre – in eine simultane Betrachtung des Schriftbildes kippen kann. Generell untersucht das Projekt dabei das Wechselspiel zwischen den beiden Aspekten der Referenz und der aisthetischen Präsenz von Schrift – und dies innerhalb eines Mediums, in dem die operative Funktion von Schrift sich traditionellerweise im Transport von „Sinn“ erschöpft.

Bernhards Prosa-Texte, deren typographische Gestaltung (Blocksatz, Schrifttype, Schriftgröße usw.) auf den ersten Blick als typisch für diese Gattung erscheint, inaugurieren verschiedene Verfahren, die diesen Kipp-Effekt erzeugen. Eines dieser Verfahren wäre beispielsweise die extensive Wortwiederholung, die – so die These der Arbeit – einerseits eine semantische Entleerung der Signifikanten und ihre gleichzeitige (visuelle) Materialisierung provoziert: Die aisthetische Präsenz der Schrift wird durch ein Uneindeutigwerden von Referenz simultan hervorgehoben, um sich sodann im sukzessiven Lesevorgang wieder zum Verschwinden zu bringen und so weiter und so fort.

Was sich als Substitution von Referenz durch Materialität erweist, möchte ich als fetischistische Strategie beschreiben. Der Fetischismus stellt eine Strategie zum Umgang mit der Erfahrung identitätsbedrohender Differenz dar, wobei ein Fetisch nur unter der Bedingung der Annerkennung dieser Differenz gebildet werden kann.

Semiotisch gewendet bedeutet dies, dass der Bruch des sprachlichen Zeichens einerseits anerkannt werden muss, um ihn dann mithilfe eines Fetischs verfugen zu können. Durch die Anerkennung der Differenz zerfällt das Zeichen in seine beiden Bestandteile – den Zeichenkörper und die Vorstellung. Verfugt wird der Bruch durch die fetischisierten Signifikanten, denen jedoch durch die paradoxe Struktur des Fetischs eine Instabilität inhärent ist. Durch diese Instabilität und wechselseitige Betonung von Signifikant und Signifikat kommt der oben beschriebene Kippvorgang zwischen den Rezeptionsebenen zustande.

 

Curriculum Vitae

Seit 10/2011

Doktorandin im Graduiertenkolleg „Schriftbildlichkeit“ an der Freien Universität Berlin (DFG–Stipendium)

02/2011-10/2011

Freie redaktionelle Mitarbeit bei „tagesschau.de“ und der Architekturzeitschrift „Bauwelt“

04/2010-10/2010

Vertretung einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn am Lehrstuhl von Prof. Dr. Eva Geulen; Lehrveranstaltung zum Thema „Fetischismus und Literatur“

10/2009-10/2010

Doktorandin im Promotionsprogramm „Das Wissen der Literatur“ an der Humboldt Universität Berlin

2008-2010

Wissenschaftliche Hilfskraft für die internationalen Studiengänge „Deutsch-Französische Studien“ und „Deutsch Italienische Studien“ der Universität Bonn

2008

M.A. der Universität Bonn mit der Bewertung: „sehr gut“, Thema: „Melancholie und Fetischismus in der Prosa Thomas Bernhards“

2006-2008

Studentische Hilfskraft am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn

2002-2008

Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, Deutschen Sprache und Älteren Literatur und Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

 

 

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dahlem Research School