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Kosuke Endo

E-Mail: kosuke[at] schriftbildlichkeit.de

 

Dissertationsvorhaben

Semiotisierung der Handschrift
 Zur Graphologie von 1875 bis 1968

 

Projektbeschreibung

In dem Projekt wird die Graphologie nicht nur als ein Teil der physiognomischen Tradition aufgefasst; vielmehr wird ihre Eigentümlichkeit darin gesehen, die graphische Dimension der Handschrift zum primären Gegenstand zu machen und (implizit und explizit) zu reflektieren. Von diesem Verständnis ausgehend, versucht das vorliegende Projekt die Graphologie als ein von der „Schriftbildlichkeit“ getragenes Bildwissen der Handschrift herauszuarbeiten.

Die Handschrift ist im doppelten Sinne individuell geprägt: Die Handschrift bezieht sich traditionell auf ein schreibendes Individuum; jeder Schreibzug erscheint aber auch als iterables Gestalt, so dass er in mikrologischer Hinsicht bei der Wiederholung der Schriftformen eine Singularität darstellt. Die Graphologie trägt diesem Chrakteristikum Rechnung und schafft einen Deutungsrahmen, indem sie die graphische Oberfläche der Handschrift in kleine Teile zerlegt, mit verschiedenen Bedeutungen  (der Psychologie, Kriminalistik und Charakterologie) belädt und damit ein Repräsentationsverhältnis schafft – kurzum: sie zum semiotischen Gegenstand macht.

Um diesen Semiotisierungsprozess nachzuzeichnen, wird in diesem Projekt die Geschichte der Graphologie in drei Phasen dargestellt: Die erste Phase ist die Zeit ihrer Entstehung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; in die zweite Phase fallen die theoretischen und institutionellen Konvergierungen in den ersten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts; die dritte Phase schließlich stellt die Popularisierung und Differenzierung ihrer Methode und Theorie seit der Weimarer Zeit dar. Dabei wird durch Analyse der Methoden und Theorien der Graphologie danach gefragt: (1) Wie die Handschrift in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der mikrologischen Analyse unterzogen wurde. (2) Wie die Graphologie winzige Bestandteile der Handschrift mit Bedeutung auflud und dadurch interpretierbar machte. (3) Wie die Divergierung der graphologischen Theorien zur Pluralisierung der Bedeutungen führte.

 

 

Curriculum Vitae

Seit 4/2012

Doktorand im Graduiertenkolleg „Schriftbildlichkeit“ an der Freien Universität Berlin (DFG–Stipendium)

4/2009-3/2012

Assistant Professor an der Gakushuin University Tokyo, Faculty of Letters, Department of German Studies

4/2008-3/2009

Arbeit als freier Übersetzer

10/2005-9/2007

Auslandsstudium an der Freien Universität Berlin, Institut für Philosophie, mit einem DAAD-Stipendium

4/2002-3/2008

Doktorstudium der Germanistik an der Gakushuin University Tokyo /Japan

4/2003-3/2004

Lehrbeauftragter für Deutsch als Fremdsprache an der Keio Shiki Senior High School, Saitama / Japan

4/2000-3/2002

Magisterstudium der Germanstik an der Gakushuin University Tokyo /Japan

10/1998-9/1999

Auslandsstudium der Germanistik an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg

4/1995-3/2000

B.A.-Studium der German Studies an der Dokkyo University, Saitama /Japan

 

 

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dahlem Research School