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Art:Relations

Call for Papers

Art:Relations. Revisiting Crucial Concepts

Berlin, 30. Oktober – 1. November 2008

 

Vom 30. Oktober bis 1. November findet das dritte Joint Symposium der Copenhagen Doctoral School in Cultural Studies, Literature and the Arts, des Center for Cultural Studies, Goldsmiths College, London, der CréArt Doctoral School, Université de Paris X – Nanterre, der Norwegian Doctoral School in Cultural Studies, Oslo, und des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Stockholm in Berlin statt, organisiert vom Internationalen Graduiertenkolleg InterArt an der Freien Universität Berlin.

Die Veranstaltung wird diesmal als Workshop konzipiert sein, auf dessen Arbeitsform der Diskussion wir besonderen Wert legen wollen. Damit wünschen wir, den intensiven wissenschaftlichen Austausch der Teilnehmer der Partnerinstitutionen  zu ermöglichen.

Der Workshop ist eine Anregung sich mit Themenfeldern zu beschäftigen, die wir in einzelnen Arbeitsgruppen diskutieren und vertiefen wollen Themen, die einerseits individuellen Fragestellungen der Kollegiaten entspringen sowie andererseits in das theoretische Interessensfeld des Kollegs eingebettet sind.

Die fünf Themenfelder lauten:  Interaktion, Intermedialität, Über die Möglichkeiten historischer Forschung in den Kunstwissenschaften, The Politics of Art: Autonomy, Intervention and Transgression und  Schöpfung.

Wir laden die Teilnehmer ein Statements (max. 300 Wörter), die zugespitzt Fragen und Thesen zu den genannten Themen aufführen, bis spätesten 15. September 2008 einzureichen.

Der Moderator des jeweiligen Themenbereichs wertet die eingereichten Statements aus.

In einer zweiten Runde wird von den Teilnehmern ein schriftlicher Beitrag von 5-8 Seiten zur Ausformulierung seiner Statements erbeten. (bis 1. Oktober) Alternativ kann auch ein Fremdtext zum Thema mit dazugehöriger Fragestellung eingereicht werden. Anschließend werden die Beiträge an alle Teilnehmer des Workshops versendet.

Zu Beginn des Workshops werden die Moderatoren der jeweiligen Arbeitsgruppen die eingereichten Papers zu den fünf Themenbereichen als Anstoß für die Diskussion zusammenfassend vorstellen. Anschließend finden sich die Teilnehmer in den fünf thematischen Arbeitsgruppen zusammen, welche die Sektionen des Symposiums gestalten.

Wir verzichten auf die übliche Form des Vortrags zugunsten des gemeinsamen Dialoges zwischen den Teilnehmern der jeweiligen Gruppen.

 

Sektion I: Interaktion

Kiwi Menrath, Robert Sollich, Agnes Manier, Miu Lan Law

Als kleinster gemeinsamer kunstwissenschaftlicher Nenner galt über viele Jahrzehnte das Konzept des Werkes, das den Gegenstand der jeweiligen Betrachtung a priori als etwas (immer schon) Gemachtes definierte und den Akt der Betrachtung diesem in jeder Hinsicht nachordnete. Im Zuge der Abkehr von diesem Paradigma ist neben anderen auch der Begriff der Interaktion für ästhetischen Diskurse zentral geworden und sind mit ihm die Prozeßhaftigkeit, Medialität, Kontingenz, und der kommunikative Charakter ästhetischer Ereignisse in den Fokus des Interesses gerückt.

Abhängig vom je konkret bearbeiteten Medium und Kontext (von Theater, Installations- und Medienkunst, Literatur oder Musik etc.) sind dabei sehr unterschiedliche Akzente gesetzt und Konzepte von Interaktion entwickelt worden. Die Arbeitsgruppe möchte diesbezüglich in kunst-komparatistischer Perspektive nach Parallelen und Differenzen fragen sowie darüber hinaus diskutieren, wie anschlußfähig die verschiedenen ästhetischen Verständnisse von Interaktion an sozialwissenschaftliche Theoriebildung sind.

 

Sektion II: Intermediality / InterArt: latest scores

Monika Lilleike, Felicia Rappe, Astrid Schönhagen, Brigitte Witzenhause

Leading scholars of media and art studies primarily working in Germany and Austria have discussed “intermediality” as a key concept since the early 90’s. Considered as an “umbrella term” a variety of approaches have been developed, making an effort to define the term by distinguishing it from the notion of “InterArt Studies” as well as generating a systematic matrix of subcategories such as “media change”, “media combination”, etc. (Irina Rajewsky).

Research on intermediality furthermore involves a spectrum of widely opposing perspectives on how the “inter” between media, life, and art constellations is determined. The condition of the in-between, as the prefix “inter” of the concept in discussion suggests, is either considered to be a property of art production in terms of procedures of generic and formal transformation among art works to follow Yvonne Spielmann, or but identified as an aspect of experience and reception on the side of the (male/female) observer of art as proposed by Juliane Rebentisch.

Considering this complex conceptual setting the goal of the workshop is to critically discuss these various strands of current approaches and related terminology concerning intermediality from an primarily aesthetic research interest, determining methodological boundaries as much as theoretical trajectories. The intermediality-workshop seeks to confront the current debates in question with problems related to the participants’ focal points of research and analysis concerned with specific empirical research material. What makes a phenomenon intermedial? How to specify markers of intermediality? Is intermediality restricted to art works that involve new media only? How to determine the relationship conceptually between intermediality and interArt phenomena? The question is whether intermediality as an analytical tool is applicable both to an analysis of current postmodern “Western” art and to artistic practices of so called non-Western performing arts.

Participants are invited to present particular research problems as part of a roundtable discussion reflecting upon the challenging concept of intermediality including the relationship to InterArt Studies and intercultural research perspectives.

 

Sektion III: Über die Möglichkeiten historischer Forschungen in den Kunstwissenschaften

Natalia Stüdemann

Wenn Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaftler sich mit Themen und Gegenständen vergangener Epochen beschäftigen, mit welchen Konzepten und Theorien von und über Geschichte arbeiten sie? Wird überhaupt mit ihnen gearbeitet? Und wenn nicht: Droht hier nicht ein Rückfall auf die Position Leopold von Rankes, die Aufgabe des Historikers bestünde darin, zu „sagen, wie es eigentlich gewesen sei“? Mehr noch: Schleicht sich somit nicht ein historischer Positivismus ein, der oftmals einer großen theoretischen Versiertheit in ästhetischen Fragen zuwiderläuft? Mit welchen Methoden und Theorien lässt sich dies umgehen? Mit Untersuchungen, die Materialarbeit und historische Abhandlung etwa in Form der neuen Kulturgeschichte unvermittelt nebeneinander stellen oder in eine Diskursgeschichte einschmelzen? Liegt nicht darüber hinaus ein weiterer Ansatzpunkt für eine neue, erweiterte theoretische Reflexion gerade in der Verbindung von ästhetischen und geschichtstheoretischen Fragen – in einer Verbindung, die das „Vetorecht der Quellen“ unter Berücksichtigung beider Perspektiven ernst nimmt und damit eine historische Auseinandersetzung impliziert, die an der jeweiligen Materialität und Medialität des Untersuchungsgegenstandes ansetzt?

 

Sektion IV: The Politics of Art: Autonomy, Intervention, and Transgression

Christian Tedjasukmana, Renate Wöhrer

This section discusses once more the relation of art in regards to politics: from art as a specific form of political intervention to the modernist defence of aesthetic autonomy. Since the last documenta-exhibitions at the latest, contemporary art seems to be interested in analysing economic and political processes of globalisation and addresses issues of identity politics. However, the promise of modern art to be political and critical can be traced throughout the history of modern culture.

The relation seems to be determined by the underlying conflict between formal design and political content: While for instance art-activists criticise the political economy of art or the artistic lack of political relevance, art critics and aesthetic judgment consider some broadly discussed works to be ‘good politics, but bad art’. If we leave out the clear-cut cases of art for reasons of propaganda or forms of applied politics, the politics of art is at some point always a politics of form. This minimal definition still leaves us with a wide range of aesthetic strategies and theoretical reflections, with attempts of provocation and self-reflection: from aesthetic realisms to the numerous avant-garde traditions and site-specific or recent appropriation art; from Adorno’s definition of the artwork as both autonomous and “fait social” over Brecht’s “Verfremdung” to Rancière’s recent neo-romanticist invocation for transgressing the distribution of the sensible.

We would like to elaborate on these constellations of art and politics to discuss broader attempts of blurring the distinction between art and life. Finally, if we analyse these relationships: How can we specify the politics of the different art forms? And what consequences does it have for art research and aesthetic theory?

 

Sektion V: Schöpfung

Marta Jecu

Die SektionSchöpfung im Symposium „Art:Relations. Revisiting Crucial Concepts“ ist ein Vorschlag, schöpferische Prozesse in der aktuellen  Kunst zu erforschen angesichts von Kunstformen, die sich nicht mehr anhand auktorialer Werke behaupten. Ausgehend von neueren Tendenzen, in denen Künstler weniger eine persönliche Position durch ihre Werke behaupten, sondern eher Denkweisen in neuere Bahnen zu leiten trachten, entstehen Kunstwerke aus denen sich der Autor entzieht. Das Kunstwerk als Produkt (ob Handlung, Event, Objekt)  verliert seine Bedeutung. Die Vermeidung  eines Produktes, verstanden als Ziel und Ergebnis einer bestimmten künstlerischen Problemstellung, entspringt der Auffassung, dass  Kunst nur durch Beziehungskonstitution entsteht und reformulierbar ist in anderen Beziehungskonfigurationen.

Die somit entstandenen Werke sind nicht offene Werke – im Sinne von Werken, die durch die Rezeption in einem „interaktiven“ Verhältnis vollendet werden, in dem die Besucher das Werk mit aufbauen.  Es geht eher um temporäre, verwandelbare Manifestationen,  die ihre Bedeutung als Produkt verlieren und nicht mehr überdauern können. Das Werk ist nicht mehr Träger eines subjektiven Ideengehalts. Die Werke sind nicht die Ausformulierung eines definitiven Statements und können somit ihre Form beliebig verändern. Der Sinn der Werke entsteht relational, in der Konstitution von Beziehungen zwischen unterschiedlichen Kontexten oder Einstellungen. Es geht eher um einen Entzug der Künstler aus einer bestimmten Situation und um die Schaffung von Verbindung zwischen möglichen Situationen. Das somit entstandene Werk ist eher eine Provokation zur Umschaltung zu weiteren, möglichen Konzeptualisierungen als eine definitive Aussage.

Wie kann Schöpfung in einer derartigen relationalen Kunst verortet werden?

Künstler wie Tino Sehgal, Philippe Parreno, der Architekt Rafael Lozano-Hemmer, Projekte wie The Mobile Academy entfalten nicht nur eine neue Methode mit Kunst umzugehen, sondern behaupten diese Problematiken als kunstimmanent. Ihre Werke, unabhängig von der jeweiligen Form (Tanz, Konstruktion, Dialog etc), existieren dadurch, dass sie die Möglichkeit unvorhersehbarer Kontextualisierungen als intern behaupten.

Wie kann Schöpfung verstanden und theoretisiert werden in Werken, die eher sequentiell konstruiert sind und nicht eine lineare Kontinuität ihrer Manifestation voraussetzen? Wie kann die schöpferische Beteiligung des Publikums angesichts einer Kunst, die nicht mehr über ihre Produkte erfasst werden kann, theoretisiert werden?

Deutsche Forschungsgemeinschaft