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7. – 9. Juli 2022: Internationale Konferenz "Matters of Difference"

News vom 19.02.2022

Internationale Konferenz, 7. bis 9. Juli 2022, Freie Universität Berlin

Matters of Difference. Filmische, mediale und diskursive Differenzverflechtungen

Call for Papers

Die Konferenz fragt nach Verflechtungen von Differenz in Geschichte und Gegenwart sowie hinsichtlich ästhetischer, theoretischer und gesellschaftlicher Implikationen. Ausgehend von der Analyse spezifischer medialer und sozialer Konstellationen, in denen Differenzen ausgehandelt werden, soll diskutiert werden, inwiefern eine Orientierung an komplexen Beziehungen von Differenz politisch produktiv ist, aber auch, welche anderen Theorieangebote und Analysestrategien sich als hilfreich erweisen.

Die Wendung „differences that matter“, mit der unter anderem Donna Haraway (1992), Sara Ahmed (1998) und Karen Barad (2007) argumentieren, gibt einen zentralen Impuls für die Tagung. Aufgerufen sind damit vor allem zwei Bedeutungsebenen: zum einen die Relevanz einer Vielheit unterschiedlicher Unterscheidungsmechanismen; zum anderen die materiellen Bedingungen und Effekte von Differenzierungen, ungeachtet ihrer diskursiven Konstruiertheit und Kritikwürdigkeit. Die Variation des auf Gender bezogenen „bodies that matter“ (Butler 1993) kann als Vervielfältigung von Differenz verstanden werden – hier: der Einzeldifferenz Geschlecht. ‚Unterschiede von materieller Bedeutung‘ beziehen sich auf entsprechende Forderungen nach Ausdifferenzierung durch kapitalismus- und rassismuskritische Feministinnen of Color bereits seit dem 19. Jahrhundert (Truth 1851, Combahee River Collective 1977, Lorde 1980, Trinh 1989, Crenshaw 1991). Gleichzeitig klingt in Matters of Difference die Verschiedenheit der Kategorisierungen selbst an: In einer konkreten Figuration (Haraway 1997) sind bestimmte Differenzen von größerem Gewicht als andere, und auch diese Unterscheidung ist sowohl hergestellt als auch mit materiellen und politischen Implikationen verbunden.

Diese Fluchtlinien verweisen auf die grundlegende Verwobenheit – Relationalität – von Differenzen, die demnach in Verhältnissen begriffen werden müssen. Ein Anliegen der Konferenz ist es, hier auch filmische und mediale Differenzen als prozessuale, performative, co-konstitutive Aspekte einzubringen. Diese These geht mit methodischen Herausforderungen einher. Ihr Prinzip einer radikalen Gleichzeitigkeit von Materialität und Medialität unterläuft die Trennung von Repräsentation und Konstruktion, von Affirmation und Kritik sowie von Konkretion und Abstraktion. Dies erfordert ein Changieren zwischen analytischen Close Readings (Ahmed 1998) und nicht-unschuldigen Theoretisierungen (Haraway 1988).

Die Konferenz ist als Plattform für film- und medienwissenschaftliche sowie fächerübergreifende Dialoge zu vielfältigen Matters of Difference angelegt. Folgende Fragen erscheinen uns besonders relevant:

  • Welche spezifischen relationalen Figurationen vermeintlich separater Differenzdimensionen wie Klasse, Alter, Dis-/Ability, Mensch/Tier etc. sind ästhetisch und theoretisch (wann) von Belang? Welche werden gerade vernachlässigt?
  • Inwieweit sind differente Konzepte von Relationalität zu unterscheiden?
  • Welche Einzeldifferenzen sind ästhetisch und theoretisch weiterhin persistent? Warum?
  • Wie können (film)ästhetische Unterscheidungsmechanismen analytisch beschrieben werden? Gibt es mediale bzw. wissenschaftliche Konjunkturen?
  • Welche Differenzverhältnisse werden beispielsweise im klassischen Hollywoodkino oder Women’s Film, im Tierdokumentarfilm oder in Sportdarstellungen verhandelt? Wo finden sich an anderer Stelle verdichtete filmische/mediale Differenzfigurationen?
  • Inwiefern lassen sich filmische Differenzverflechtungen in kritische oder produktive Verhältnisse zu benachbarten ästhetischen und theoretischen Feldern setzen?
  • Welche progressiven oder auch problematischen Verschränkungen ästhetischer und politischer Sphären lassen sich beobachten?

Herangehensweisen, die methodisch, historisch oder theoretisch argumentieren, sind ebenso willkommen wie solche, die sich konkreten audiovisuellen Materialien widmen. Auch transdisziplinäre Interventionen innerhalb des skizzierten Problemfeldes Differenz/Ästhetik/Relationalität sind erwünscht. Wir freuen uns über Beitragsvorschläge zu Matters of Difference insbesondere aus folgenden Bereichen:

  • Filmwissenschaft/Medienwissenschaft
  • Differenzgeschichte und feministische Filmtheorie
  • Queer/Gender Media Studies
  • Postcolonial/Critical Race Studies
  • Forschung zu Medien und Sport bzw. Mediensport
  • Critical/Cultural Animal Studies

Neben zwei Keynotes wird es Kurzvorträge mit Schwerpunkt auf deren anschließende Diskussion geben. Wir planen die Tagung als Präsenzveranstaltung in Berlin mit kurzfristig angepasstem Infektionsschutzkonzept. Eine Publikation der Beiträge als Sammelband ist vorgesehen.

Einreichungen mit halbseitigem Abstract und kurzem CV bitte bis zum 1. April 2022 an t.richter-hansen@fu-berlin.de.

Organisation: Natalie Lettenewitsch, Sabine Nessel, Tullio Richter-Hansen, Paula Ziegler

Call for Papers in deutsch und englisch

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