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Paul Wolff

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Bildquelle: Lorenz Brandtner

Schreibgemeinschaften auf digitalen Plattformen

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/137
14195 Berlin

Paul Wolff, geboren 1993 in Hanau, studierte von 2014 bis 2020 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin, der Boğaziçi Üniversitesi Istanbul und der École normale supérieure Paris. Sein Studium wurde von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit Oktober 2020 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Digital Constructions of Authorship des Exzellenzclusters Temporal Communities.

Dissertationsprojekt: Schreibgemeinschaften auf digitalen Plattformen (Arbeitstitel)

Gemeinschaftlichkeit ist ein prägendes Merkmal der »Kultur der Digitalität« (Felix Stalder). In den sozialen Medien äußert sich dies in kollektiven Schreibweisen, Praktiken und Performanzen, die nicht auf die Produktion abgeschlossener ›Werke‹ abzielen und sich damit auch klassischen Konzepten von ›Autorschaft‹ entziehen. Das Projekt entwirft eine Typologie dieser gemeinschaftlichen und damit auch gemeinschaftsstiftenden Praktiken im Digitalen: von Prozessen der Inklusion und Exklusion, über Medienrituale, Spiele, und memetische Schreibverfahren, bis zu den geteilten Gefühlen, Stilen, Wissensbeständen, Werten und Normen, die dadurch hervorgebracht werden.

Methodisch verfolgt das Projekt einen medien- und plattformkomparatistischen Ansatz: Einzelne Schreibgemeinschaften werden im Hinblick auf ihre präferierten Plattformen und deren technische Affordanzen analysiert, die jeweils spezifische Schreibweisen begünstigen. Drei kontrastierende Fallstudien rücken dabei je unterschiedliche Aspekte von Gemeinschaftlichkeit in den Blick: 1. In einer literarischen Stilgemeinschaft auf Twitter wird ausgehend von der Verlegerin Christiane Frohmann das Verhältnis von Gemeinschaft und Singularität verhandelt. 2. Auf Instagram hat sich mit der Instapoetry eine Affektgemeinschaft herausgebildet in deren Zentrum eine kollektive Sprache der Gefühle steht. Die Fallstudie untersucht diese affektiven Bindungen und ihre Verstrickung mit der Influencer-Industrie anhand der Rezeptionsgemeinschaft um die Star-Autorin Rupi Kaur sowie anhand des Kollektivprojekts Amours solitaires. 3. Auf der Social-Coding-Plattform GitHub hat sich eine literarische ›Community of Practice‹ entwickelt, die sich durch die Erprobung, Entwicklung und Weiterverbreitung von praktischem Code-Wissen auszeichnet. Das Kapitel analysiert, wie dieses Praxiswissen gemeinsam in avantgardistischen Schreibexperimenten wie dem ›National Novel Generation Month‹ erprobt wird.

Als Herausgeber: 

  • Kollektive Autor:innenschaft: Analog/digital, Stuttgart (zusammen mit Michael Gamper, Anna Luhn, Nina Tolksdorf, im Erscheinen).
  • Literatur & Ritual. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2017, Berlin 2019 (zusammen mit Pavlos Dimitriadis, Serafin Dinges, Jonathan Frisch, Agatha Frischmuth, Chanah Kempin, Julian Maresch und Jonas Skell).

Aufsätze:

  • Alone Together? Social-Media-Autor:innenschaft zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft, in: Michael Gamper, Anna Luhn, Nina Tolksdorf, Paul Wolff (Hg.): Kollektive Autor:innenschaft: Analog/digital, Stuttgart (im Erscheinen).
  • »Die Roboter sind unter uns«. Automation in den Fünfzigerjahren, in: AG »Die Zukunft der fünfziger Jahre« des Geisteswissenschaftlichen Kollegs der Studienstiftung des deutschen Volkes (Hg.): Faszinosum fünfziger Jahre, Berlin/Basel (zusammen mit Christoph Jakubowsky und Zoe Zobrist, im Erscheinen).
  • Tombola, Schlagerfilm, Autogewinn (und was meine Oma damit zu tun hat), in: Faszinosum fünfziger Jahre, Berlin/Basel (im Erscheinen).
  • Geklaute Tweets. Über Zirkulation und Autor:innenschaft auf Twitter, in: Michael Gamper, Jutta Müller-Tamm, David Wachter, Jasmin Wrobel (Hg.): Der Wert der literarischen Zirkulation, Stuttgart (im Erscheinen).
  • Kulturkritik fingierter Exoten und das linksalternative Milieu der 1970er und 80er Jahre. Zur Rezeption von Hans Paasches Lukanga Mukara und Erich Scheurmanns Der Papalagi, in: Meike S. Baader, Alfons Kenkmann (Hg.): Jugendbewegung im Kalten Krieg. Zwischen Vereinnahmung, Interessenvertretung und Eigensinn (= Jugendbewegung und Jugendkulturen. Jahrbuch 16), Göttingen 2021, S. 235–263.
  • Von der Forschung zum Roman. Transferbewegungen in Hubert Fichtes Auseinandersetzung mit der Ethnografie, in: Erika Unterpertinger, Julia Pascal, Ariane Fiala (Hg.): Literatur + Transfer. Tagungsband des 9. Studierendenkongresses der Komparatistik, Wien 2020, S. 41–58 (zusammen mit Jonas Skell).
  • Litanei und »tägliches Textgebet« im Internet. Zum Schriftritual in Rainald Goetz’ Abfall für alle, in: Pavlos Dimitriadis u.a. (Hg.): Literatur & Ritual. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2017, Berlin 2019, S. 129–143. 

Rezensionen, Berichte, kleinere Arbeiten:

  • Buchvorstellungen: Theodor Plievier: Moskau (1952); Heinrich Schirmbeck: Ärgert dich dein rechtes Auge (1957) (zusamen mit Zoe Zobrist), in: Faszinosum fünfziger Jahre, Berlin/Basel (im Erscheinen).
  • »Kalendersprüche oder Kunst?« Rezension zu Niels Penkes Instapoetry. Digitale Bild-Texte, in: Neues Deutschland (27.11.2022).
  • Tagungsbericht: Lektüre und Geschlecht im 18. Jahrhundert. Zur Situativität des Lesens zwischen Einsamkeit und Geselligkeit (organisiert von Luisa Banki und Kathrin Wittler, FU Berlin, 21.–22.2.2019), in: Zeitschrift für Germanistik 66 (3/2019), S. 617–619 (zusammen mit Lena Hein und Jonas Skell).

Veranstaltungsorganisation:

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