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Paul Wolff

Wolff_Privat
Bildquelle: Privat

Freie Universität Berlin

Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Autorschaft und Gemeinschaft auf digitalen Plattformen

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/137
14195 Berlin

Paul Wolff, geboren 1993 in Hanau, studierte von 2014 bis 2020 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin, der Boğaziçi Üniversitesi Istanbul und der École normale supérieure Paris. Sein Studium wurde von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Seit Oktober 2020 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Digital Constructions of Authorship des Exzellenzclusters Temporal Communities.

Dissertationsprojekt: Autorschaft und Gemeinschaft auf digitalen Plattformen

Das Projekt fragt nach den unterschiedlichen und teilweise konträren Autorschaftspraktiken und Schreibweisen, die sich im Umfeld populärer digitaler Plattformen herausbilden. In der Kontrastierung von Plattformen wie Wikipedia, 4chan oder Reddit mit sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram lässt sich ein Personalisierungs-Trend nachzeichnen, der bezeichnend für die ›Rückkehr des Autors‹ im digitalen Zeitalter ist. Die jeweils dominanten Modelle singulärer, kollektiver, anonymer, pseudonymer oder marginalisierter Autorschaft bestimmen nicht nur die Subjektivierungsbedingungen, sondern, so die These, auch Prozesse der Gemeinschaftsbildung auf digitalen Plattformen. Neben historischen Tendenzen untersucht das Projekt die Koexistenz und Durchdringung verschiedener Autormodelle: Auch Kollektivität kann Inszenierungsstrategien unterliegen, die privative Praktiken gezielt marginalisieren; auch in Kollektiven und Communities mit betont gemeinsamen Interessen sind singuläre Positionen möglich. Es gilt somit immer zu unterscheiden zwischen diskursiv mitunter stark aufgeladenen Konzepten von Autorschaft und den Praktiken, die tatsächlich realisiert werden. Dabei fragt das Projekt nicht zuletzt, wie die Zirkulation von Texten auf und zwischen digitalen Plattformen sowie Transfers in analoge Dispositive neue Zuschreibungen von Autorschaft und literarischem Wert erzeugen können.

Dissertation Project: Authorship and Community on Digital Platforms

In my project, I am investigating the different and sometimes contrary writing styles and practices of authorship that emerge on popular digital platforms. By contrasting platforms such as Wikipedia, 4chan or Reddit with social networks such as Facebook, Twitter and Instagram, a trend towards personalization becomes apparent. This speaks to the ›return of the author‹ in the digital age. Different models of singular, collective, anonymous, pseudonymous or marginalized authorship determine not only the conditions of subjectivation but also processes of community building on digital platforms. My research probes historical tendencies as well as the synchronous coexistence and mutual influence of different author models: Collectivity can be subject to strategies of staging that marginalize singular practices; singular positions also leave their mark on digital collectives and communities. Thus, it is always necessary to distinguish between concepts of authorship and the practices that are in use. Last but not least, I am exploring how the circulation of texts on and between digital platforms as well as transfers to analogue formats generate new attributions of authorship and literary value.

Als Herausgeber: 

  • Literatur & Ritual. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2017, Berlin 2019 (zusammen mit Pavlos Dimitriadis, Serafin Dinges, Jonathan Frisch, Agatha Frischmuth, Chanah Kempin, Julian Maresch und Jonas Skell).

Aufsätze:

  • »Kulturkritik fingierter Exoten und das linksalternative Milieu der 1970er und 80er Jahre. Zur Rezeption von Hans Paasches ›Lukanga Mukara‹ und Erich Scheurmanns ›Der Papalagi‹«, in: Meike S. Baader, Alfons Kenkmann (Hg.): Jugendbewegung im Kalten Krieg (= Jugendbewegung und Jugendkulturen. Jahrbuch 16), Göttingen 2020 (zur Publikation angenommen).
  • »Von der Forschung zum Roman. Transferbewegungen in Hubert Fichtes Auseinandersetzung mit der Ethnografie«, in: Erika Unterpertinger, Julia Pascal, Ariane Fiala (Hg.): Literatur + Transfer. Tagungsband des 9. Studierendenkongresses der Komparatistik, Wien 2020, S. 41–58 (zusammen mit Jonas Skell).
  • »Litanei und ›tägliches Textgebet‹ im Internet. Zum Schriftritual in Rainald Goetz’ ›Abfall für alle‹«, in: Pavlos Dimitriadis u.a. (Hg.): Literatur & Ritual. Beiträge zum Studierendenkongress Komparatistik 2017, Berlin 2019, S. 129–143. 

Tagungsbericht:

  • »Lektüre und Geschlecht im 18. Jahrhundert. Zur Situativität des Lesens zwischen Einsamkeit und Geselligkeit (organisiert von Luisa Banki und Kathrin Wittler, FU Berlin, 21.–22.2.2019)«, in: Zeitschrift für Germanistik 66 (3/2019), S. 617–619 (zusammen mit Lena Hein und Jonas Skell).

Vorträge:

  • »Theorie und Praxis des neuzeitlichen Individuums. Korrespondenzen zwischen Substanzlehre und Autobiografik bei Leibniz«, In glücklicher Ehe vereinigt? Leibniz und die Wissenschaften des Barock, Symposium an der Freien Universität Berlin, 19.–20. September 2020.
Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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