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Hannah Schünemann

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Bildquelle: Elif Sözer

Ultrawelten. Radikale Formsprachen in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/136
14195 Berlin

Hannah Schünemann ist Dramaturgin, Literatur- und Theaterwissenschaftlerin und seit Oktober 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster "Temporal Communities" tätig, wo sie bei Prof. Dr. Doris Kolesch zu radikalen Formsprachen im Gegenwartstheater promoviert.

Sie studierte im Bachelor Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft in München (LMU) und in Paris (Université Paris-Sorbonne IV). Ihr Masterstudium an der FU Berlin und École normale supérieure Paris schließt sie 2016 mit einer Arbeit über Brüche im Verstehen bei Szondi, Derrida und Celan ab.

Von 2017 bis 2020 arbeitete sie an der Volksbühne Berlin, zuletzt als Dramaturgin, u.a. mit Mette Ingvartsen, Tim Etchells, Trajal Harrell, Bonn Park, Pınar Karabulut, Lucia Bihler und Susanne Kennedy. Ab Ende 2020 freischaffende Tätigkeit für das Performing Arts Festival Berlin und den Stückemarkt des Berliner Theatertreffens, sowie Zusammenarbeit mit der Regisseurin Marie Schleef.

Von Juni 2020 bis März 2021 zudem Vorbereitung der Dissertation im Rahmen des Projektstipendiums der Friedrich Schlegel Graduiertenschule (FU Berlin).

Sommersemester 2021: Proseminar Theorie und Geschichte zusammen mit Prof. Dr. Gabriele Werner "Dekolonisieren" / "Mein Zimmer, meine Heimat, meine Welt" (kunsthochschule weißensee, Kulturwissenschaft)

Dissertationsprojekt

Ultrawelten. Radikale Formsprachen in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger (Arbeitstitel)

Ausgehend von den Arbeiten der Regisseurinnen Susanne Kennedy und Lucia Bihler, sowie der Choreographin Florentina Holzinger fokussiert das Dissertationsprojekt die Beschreibung und begriffliche Theoretisierung bisher unerforschter, radikaler Formsprachen in der Darstellenden Kunst der Gegenwart. Vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Brüchen mit unserer gewohnten Perspektive in der globalisierten, digitalisierten Welt des 21. Jahrhunderts zeigen sich neue und andere Formen des Erzählens, die auch zunehmend in der Darstellenden Kunst an Bedeutung gewinnen: Die drei Künstlerinnen bilden eine Generation, die die multiplen und widersprüchlichen Eindrücke der Gegenwart als Grundlage für eine entscheidend neue Ästhetik nimmt. Sie integrieren gezielt Brüche in neue, illusionsstarke Weltentwürfe – Ultrawelten – und stehen damit paradigmatisch für einen formalen Wandel der 2010er Jahre, der ihre Inszenierungen von den Ästhetiken der vorausgegangenen Jahrzehnte abhebt. Im Zusammenhang mit wieder erstarkenden feministischen Diskursen und Fragen der Identitätspolitik ermöglichen die Inszenierungen der drei Künstlerinnen nach Jahrzehnten des Diskurstheaters und der Postdramatik, so die Hypothese des Forschungsprojekts, eine Aktualisierung der Darstellenden Kunst. Vor dem Hintergrund ihrer jeweils hohen Relevanz für die aktuelle Kulturlandschaft gilt es nun diese neuen theatralen Formsprachen in den wissenschaftlichen Diskurs zu überführen. Die Verknüpfung der Künstlerinnen innerhalb dieses Forschungsprojekts ist dabei insofern von besonderer Bedeutung, da theaterästhetische Betrachtungen mit Fragen des Posthumanismus und Zusammenspiels von Mensch und Natur nach dem Anthropozän, der Genderperformativität und Handlungsermächtigung, der Medienkonkurrenz und der Dissoziation des Individuums im Zeitalter der Digitalisierung zusammenfinden. Alle drei künstlerischen Positionen sind durch feministische Lesarten, Fragen nach der Verortung des weiblichen Körpers und der Verfremdung von ‚natürlicher‘ Menschlichkeit, aber auch durch die formale Kombination verschiedener Medien und technischer Strategien geprägt. Innerhalb dieser thematischen Verknüpfungen lotet die zentrale Forschungsfrage das kritische Potential einer theatralen Ästhetik des 21. Jahrhunderts aus: Inwiefern befähigen hier gezielte Brüche die Entstehung neuer Illusionswelten auf der Bühne, deren Konstitution herkömmliche Strategien bewusst unterläuft? Und inwieweit ist wiederum die Entstehung neuer Illusionswelten konstitutiv für die Erprobung von Brüchen mit bekannten Strukturen?


Weitere Forschungsschwerpunkte

Dramatik der Gegenwart

Französische Avantgarde des 20. Jahrhunderts

Literaturtheorien der Dekonstruktion und des Poststrukturalismus

Philologisches Denken bei Peter Szondi und Paul Celan

Zäsuren und Negation in Verstehenstheorie und literarischer Hermeneutik

Gendertheorie und intersektionaler Feminismus

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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