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Hannah Schünemann

Hannah Schünemann
Bildquelle: Anneli von Klitzing

Ultrawelten. Radikale Formsprachen in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Hannah Schünemann studiert von 2010 bis 2014 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und in Paris an der Université Paris-Sorbonne IV. 2013 erhält sie ein Forschungsstipendium der LMU München, das sie ins Archiv des Philosophen Jaques Derrida am Institut mémoires de l’édition contemporaine in der nordfranzösischen Normandie führt. 2014 beginnt sie ihr Masterstudium am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität Berlin, das sie 2016 mit einer Arbeit über die Theorien des (Nicht-)Verstehens abschließt. Zuvor erhält sie ein Stipendium für einen Studien- und Rechercheaufenthalt an der Pariser Universität École normale supérieure, wo sie u. a. bei Frédéric Worms und Bertrand Badiou studiert. Während des Studiums arbeitet sie im journalistischen Bereich, u. a. für die taz und den ORF. Parallel übernimmt sie Recherche- und Übersetzungstätigkeiten für Theaterprojekte.

Ihre Tätigkeit an der Volksbühne Berlin ab Beginn 2017 führt sie mit Künstler*innen wie Boris Charmatz, Tino Sehgal, Mette Ingvartsen und Jérôme Bel zusammen. Als Dramaturgin arbeitet sie u. a. mit den Regisseur*innen Bonn Park, Marie Schleef, Pınar Karabulut, Lucia Bihler, Alexander Eisenach und Susanne Kennedy zusammen. Zudem kuratiert sie in der Spielzeit 2019/20 die queerfeministische Reihe FAM_presents mit dem gleichnamigen Kollektiv für den Grünen Salon und arbeitet an der Konzeption und Ausführung des POSTWEST Festivals (2020) mit.

2019 nimmt sie mit einem Beitrag zu Digitalität und Erinnerung in theatralen Kontexten am Symposium #wessenfreiheit  der Kunsthochschule Weißensee und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch teil. 2020 moderiert sie die Künstlerinnengespräche mit Florentina Holzinger und Marie Schleef im Rahmen des Symposiums Performances von [Weiblichkeit] an der Universität der Künste Berlin.

Seit Juni 2020 ist sie Projektstipendiatin an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule der Freien Universität Berlin und bereitet ihr Dissertationsprojekt bei Prof. Dr. Doris Kolesch zum Thema Dramaturgien des Bruchs. Aktualisierung durch Gesten in der zeitgenössischen Darstellenden Kunst vor.



2020 - Universität der Künste Berlin, Symposium Performances von [Weiblichkeit], Moderation Künstlerinnengespräche Florentina Holzinger u. Marie Schleef

2019-2020 - Volksbühne Berlin, Dramaturgin, Projekte: FINAL FANTASY, Regie: Lucia Bihler / FAM_presents, Konzert-Reihe Grüner Salon / ULTRAWORLD, Regie: Susanne Kennedy / Der Kaiser von Kalifornien, Regie: Alexander Eisenach / POSTWEST, Transkulturelles Festival / Iphigenie. TRAURIG UND GEIL IM TAURERLAND, Regie: Lucia Bihler

2019 - Kunsthochschule Weißensee & Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Symposium #wessenfreiheit, Podiumsbeitrag

2018-2019 - Volksbühne Berlin, Dramaturgieassistenz + Produktionsdramaturgie: Drei Milliarden Schwestern, Regie: Bonn Park / Die Hand ist ein einsamer Jäger, Regie: Pınar Karabulut

2017-2018 - Volksbühne Berlin, Assistentin der Programmdirektorin

2015-2016 - École Normale Supérieure Paris, Forschungssemester

2014-2016 - Freie Universität Berlin, Masterstudium Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Abschlussarbeit: Brüche im Verstehen. Nicht-Verstehen und Negation als produktive Momente – Die Celansche Spur zwischen Szondi und Schleiermacher, Derrida und Gadamer

2013 - Gefördertes Forschungsprojekt „Recherche zu Jacques Derrida“ im Archiv IMEC der Abbaye d’Ardenne, Frankreich

2013 - Université de Paris (Sorbonne IV), Auslandssemester

2010-14 - Ludwig-Maximilians-Universität München, Bachelorstudium Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft, Abschlussarbeit: Konstruktion und Dekonstruktion: Eine Begegnung von Surrealismus und Jacques Derrida

Dissertationsprojekt

Ultrawelten. Radikale Formsprachen in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, Lucia Bihler und Florentina Holzinger (Arbeitstitel)

Das Promotionsprojekt widmet sich ausgehend von den Künstlerinnen Susanne Kennedy, Florentina Holzinger und Lucia Bihler dem Bruch als dramaturgische Form in der darstellenden Kunst der Gegenwart: Anhand des Theorems der Geste soll analysiert werden, inwiefern eine Dramaturgie des Bruchs innerhalb illusionsstarker Ästhetiken zur Aktualisierung des gegenwärtigen Theaters beiträgt. Die in den Feuilletons vielbesprochenen Inszenierungen Kennedys, Holzingers und Bihlers heben sich von der künstlerischen Praxis der vorausgegangen Jahrzehnte ab und stehen paradigmatisch für einen formalen Wandel der 2010er Jahre. Ihre Arbeiten entfalten sich vor dem Hintergrund einer digitalisierten und krisenreichen Komplexität der Welt, sowie erstarkender feministischer Themen und identitätspolitischer Diskurse. Bei allen drei Künstlerinnen finden sich spezifische Motive in der Auseinandersetzung mit Subjekten, Körpern und Situationen, die ein formales Element eint: Der Bruch mit tradierten Darstellungsweisen. Daraus folgt die grundlegende These des Dissertationsprojekts, die eine Dramaturgie des Bruchs als Forschungsdesiderat aufweist: Die Aktualisierung wird zuallererst möglich, da neue Formsprachen in Bezug zu vorherigen kontextuellen Strategien entstehen. Die Aktualisierung muss demnach als Dekonstruktion, nicht als Destruktion gedacht werden. Um den Bruch als prägendes Element gegenwärtiger Kunst in Begriffe und Beschreibungsformen zu überführen, gilt es, die den neuen theatralen Formsprachen vorausgehenden Kontexte zu erschließen. Besonders das Brechtsche Theater, so die weiterführende These, ist ein bestimmendes Signum der besprochenen Formsprachen. Gleichzeitig zeichnet sich eine Rückkehr zum Illusionstheater ab, einem geschlossenen dramatischen Gefüge, das durch eine spezifisch räumliche, ästhetische und inhaltliche Hermetik bestimmt wird. Diese Widersprüche, die aus den Inszenierungsästhetiken sprechen, erfordern eine theoretische Betrachtung. Da sich eine Dramaturgie des Bruchs immer anhand des performativen Körpers auf der Bühne vollzieht, ist ein weiterführendes Theorem für deren Betrachtung ausschlaggebend: die Geste. Diese wird, ausgehend von Judith Butlers Begriff des Brechtschen Theaters, selbst als Form des Bruchs herangezogen. Die Gesate fungiert aufgrund ihrer zitathaften Materialität als diskursive Figur zwischen Körperlichkeit und Zeitlichkeit. Als theoretisches Instrument kann die Geste folglich helfen, die neuen Formsprachen in der darstellenden Kunst zu vorherigen theatralen Strategien in Bezug zu setzen und mit aktuellen theaterästhetischen Überlegungen eng zu führen. Mit Brecht wird der gestische Bruch dabei als gesellschaftlich orientiertes Äußeres gedacht und nicht als an ein Subjekt gekoppelte Erzählstruktur: es handelt sich also nicht zuletzt um die Betrachtung der potentiell kritischen Leistung des aktuellen Theaters.


Weitere Forschungsschwerpunkte

Französische Avantgarde des 20. Jahrhunderts

Literaturtheorien der Dekonstruktion und des Poststrukturalismus

Philologisches Denken bei Peter Szondi und Paul Celan

Zäsuren und Negation in Verstehenstheorie und literarischer Hermeneutik

Gendertheorie und intersektionaler Feminismus

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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