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Carla Dalbeck

Portrait Dalbeck
Bildquelle: Lorenz Brandtner

Nationale Schriftsteller übersetzen. Transtemporale und -kulturelle Dimensionen einer Symbolfigur der Nationalliteraturen

Carla Dalbeck ist seit Oktober 2022 Doktorandin an der Friedrich Schlegel Graudiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Temporal Communities“ (RA 4: Literary Currencies), wo sie bei Prof. Ulrike Schneider zur Figur des nationalen Schriftstellers im Nexus seiner Übersetzung promoviert.

Nach ihrem Bachelorstudium der Deutsch-Französischen Studien an den Universitäten Bonn und Paris Sorbonne IV, schloss sie ihren Master an den Universitäten des Saarlandes, Lorraine und Luxemburg mit einer Arbeit zur Herausbildung des neuzeitlichen Nationsbegriffs in deutschen und französischen enzyklopädischen Wörterbüchern der Sattelzeit ab. Für ihre Studienleistungen erhielt sie 2022 den durch die Max Weber Stiftung geförderten Prix d'excellence der Deutsch-Französischen Hochschule. 

Seit 2019 ist sie als Wissenschaftliche Hilfskraft bei Sen.-Prof. Hans-Jürgen Lüsebrink im DFG-Projekt „Übersetzungsdimensionen des Französischen Enzyklopädismus im Aufklärungszeitalter (1680-1800)“ an der Universität des Saarlandes tätig. Von Januar bis September 2022 war sie außerdem Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Patricia Oster-Stierle am Lehrstuhl für Französische Literaturwissenschaft der Universität des Saarlandes.

Littérature et engagement aux XVIIIè et XIXè siècles. [SS 2022, Proseminar an der Universität des Saarlandes].

Dissertationsprojekt

Der nationale Schriftsteller ist die literarische Währung par excellence zur Legitimation nationaler Identität im internationalen Raum. Als ‚einzigartig und zugleich universell‘ (Thiesse 2019) entzieht sich die Figur des nationalen Schriftstellers ihrer räumlichen und zeitlichen Bedingtheit. In ihrem Projekt „Nationale Schriftsteller übersetzen“ hinterfragt Carla Dalbeck kulturelle und literarische Praktiken nationalen Schreibens im Nexus ihrer Übersetzung. Am Beispiel Alessandro Manzonis und Victor Hugos, zweier als national geltender Schriftsteller des europäischen Raums, sollen die komplexen transkulturellen und transtemporalen Verflechtungen literarischer Auf- und Entwertung seziert werden.

Durch den Fokus auf Übersetzungs- und Resemantisierungsprozessen orientiert sich das Projekt um drei Achsen: Erstens wird die Genese des nationalen Schriftstellers in seiner Zeitlichkeit erfasst, insofern synchronen und asynchronen Rezeptionsprozessen seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart gleichermaßen Rechnung getragen wird; zweitens werden kultur- und sprachbedingte, räumliche (A-)Symmetrien der Rezeption offengelegt; drittens werden Akteur-Netzwerk-Relationen, welche die Konstruktion und Tradierung des nationalen Schriftstellers im transkulturellen Raum favorisieren (oder auch devalorisieren) nachvollzogen. Der Schwerpunkt liegt somit gleichermaßen auf übersetzungspraktischen und literaturästhetischen Fragestellungen wie auch auf den soziokulturellen Verknüpfungen, die den literarischen Wert der Figur und seines Werks festlegen. 

  • Thiesse, Anne-Marie. 2019. La fabrique de l’écrivain national: entre littérature et politique. Bibliothèque des histoires. Paris: Gallimard.

Weitere Forschungsschwerpunkte

  • nation building in transkultureller Perspektive
  • Enzyklopädismus und Wissensgeschichte
  • Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit
  • Begriffsgeschichte und Historische Semantik 
  • Kulturtransferstudien
  • Erzähltheoretische Verfahren im 20. Jahrhundert

Monographien

  • Die Herausbildung des neuzeitlichen Nationsbegriffs. Begriffswandel und Transferprozesse in deutschen und französischen enzyklopädischen Wörterbüchern der Sattelzeit, Berlin: Peter Lang (Zivilisationen und Geschichte, hrsg. v. Ina Ulrike Paul und Uwe Puschner), 2022. https://doi.org/10.3726/b19942

Aufsätze

  • "Kranke Stimme(n)? Kollektive und individuelle Krankheitserfahrungen in Susan Sontags The Way We Live Now (1986) und Hervé Guiberts A l’ami qui ne m’a pas sauvé la vie (1990)", in: Milan Herold/Karin Schulz/Hannah Steurer (Hrsg.): Mengen und Krankheiten. Narrative Strukturen, Paderborn: Fink. [eingereicht; erscheint voraussichtlich 2022].


Vorträge

  • „Poetik(en) der Fabel : Ästhetisch-theoretische Überlegungen zwischen Transkulturalität und nationalem Anspruch am Beispiel von G.E. Lessings Fabeln“, Workshop „Übersetzungsprozesse und Wissensräume. Zwischen Transkulturalität und nationalen Diskursen (1680-1830), Universität des Saarlandes, 18-19 November 2022.
  •  „L’esthétique du 'frisson sacré’ : Potentiel narratif de la transgression à travers le regard chez Georges Bataille“, Frankoromanistentag Wien, 21-24 September 2022.
  •  „La genèse interculturelle de Nation. Transformations et transferts culturels d’un concept clé à l’exemple des dictionnaires encyclopédiques 1750-1850“, Internationale Konferenz: Traduire l’encyclopédisme: appropriations transculturelles et figures de traducteurs au XVIIIè siècle, Universität Regensburg, 15-16 Oktober 2021.
Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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