Caio Yurgel

Die Rache der Landschaft: Landschaft als Funktion von Sprache und Erzählung in den Werken von Robert Walser (1878–1956) und Bernardo Carvalho (1960– )

Alumnus der FSGS

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Caio Yurgel (Pelotas, Brasilien) hat mehrere Jahre im Kulturbereich gearbeitet, ehe er erfolgreich ein B.A.-Studium der Philosophie sowie ein M.A.-Studium der Literatur absolvierte (beide an der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul, Brasilien) Er ist ebenso Inhaber des Diploms „Arts Management and Culture Policies” der Universität Girona (Spanien). Für seine Forschung über Walter Benjamin bekam er den Mario-Pedrosa-Award (2010) sowie drei weitere Auszeichnungen für seine Erzählungen. Zuletzt absolvierte er ein Stipendium über 6 Monate des Programms Wertewelten an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Caio Yurgel hat von 2013 bis 2016 an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien studiert und mit der Dissertation Die Landschaft des Exils, das Exil der Landschaft abgeschlossen.

Die Art und Weise, wie Landschaft in den Werken von Bernardo Carvalho und Robert Walser erscheint und beschrieben wird, bietet einen ausgezeichneten und noch nicht erschöpfend untersuchten Einstiegspunkt in das Oeuvre der beiden Autoren. Im Zuge ihres Umgangs mit Landschaft eröffnen beide Autoren nicht nur ihre ästhetischen Konzepte und stilistischen Vorlieben, sondern auch ihre literarische Stoßrichtung insgesamt sowie – bei Carvalho – das Ausmaß von Walsers Einfluss auf das eigene Schaffen.

Die vorliegende Arbeit stellt daher die Landschaft als dasjenige Element heraus, das nicht nur das Werk der beiden Autoren verbindet, sondern das auch ihre literarischen Projekte in toto enthüllt. Landschaft fungiert hierbei als synthetisierende und vereinigende Figur, die, zunächst bei der Analyse der Landschaftsbeschreibungen per se, die offensichtlichsten Hauptelemente des Werks der beiden Autoren zeigt; darunter ihre Vorlieben in Sachen Setting und Motive, ihre sprachlichen wie narrativen „Ticks“, romantische Einflüsse und Bodensätze, ihre Vorliebe für Bewegung und Höhen. Nimmt man Landschaft allerdings als methodologische Figur über ihre bloße Beschreibung hinaus, so offenbart sie eine dunklere, weit spannendere und wenig erforschte Seite von Walsers und Carvalhos Werk: Eine rachsüchtige scheinbar defätistische und kaum verborgene Abneigung gegen den Status quo, die latent harscheren Elementen wie Ironie, dem Unheimlichen, der apokalyptischen Ästhetik einer fiktionalen Katastrophenprosa, der obsessiven Verwendung von Wahnsinns- und Krankheitsmotiven, einem Geschichts- und Literaturverständnis, das auf Scheitern und Marginalität basiert, sowie einer antiheroischen Agenda weicht, welche das romantische Erbe, aus dem beide Autoren doch auf den ersten Blick ihre Kräfte schöpfen, nachhaltig untergräbt. Landschaft hat hier folglich eine vereinigende Funktion, die nicht nur offensichtliche wie verborgene Elemente der Werke dieser beiden Autoren zum Vorschein bringt, sondern die auch eine solide analytische Schlussfolgerung ermöglicht. Kurz gefasst ist die Landschaft hier eine Funktion der Sprache und der erzählerischen Agenda der Autoren, das heißt, sie trägt fundamental zur erzählerischen Entwicklung eines Textes bei und ist somit eine literarischer Akt (Landschaft), die einem größeren literarischen Akt (Sprache und Erzählung) dient.

Die vorliegende Arbeit stellt letztlich die Hypothese auf, die Beunruhigung in Walsers und Carvalhos Texten entstehe durch die Sprache selbst, wobei die Landschaft die offenbarendste und umfassendste Funktion derselben darstellt. Erst wenn die Landschaft in Abhängigkeit von Sprache und erzählerischem Projekt betrachtet wird, kann die fiktionale Bühne, auf der Walsers und Carvalhos selbstreflexive Ich-Erzähler mit ersterbendem Atem erzählen, in all ihrer Komplexität und Reichweite erfasst werden: Eine Welt, die sich allmählich selbst zunichtemacht.

 

"Things fall apart". In: Benjamin Zuber. (Org.). Things fall apart. 1ed.Hamburg: textem Verlag, 2015, v. 1, p. 78-81.

"Um projeto civilizatório no romance brasileiro contemporâneo: o estudo de dois casos." Anais do VI Simpósio GELBC, v. 4, p. 197-208, 2015. 

"Robert Walser: Contra o grão do Zeitgeist." Revista Versalete, v. 3, p. 391-400, 2015. 

"Roberto Bolaño, Cildo Meireles e Immanuel Kant: Um percurso literário." Revista de Literatura, História e Memória, v. 10, p. 65-76, 2014. 

"Zadie Smith." In: Léa Masina; Daniela Langer; Rafael Bán Jacobsen; Rodrigo Rosp. (Org.). Por que ler os contemporâneos?. Porto Alegre: Dublinense, 2014, v. 1, p. 210-211. 

"Uma vida para se instalar: O discurso autobiográfico na obra de Vergílio Ferreira." In: Paulo Ricardo Kralik Angelini. (Org.). A criação da memória: Rastros autobiográficos na literatura portuguesa. Porto Alegre: Edipucrs, 2014, v. 1.

"Entre o excesso e a concisão: os estilos de Saramago e Cardoso Pires." Revista Desassossego, v. 9, p. 62-73, 2013. 

"Exílio doméstico: A margem e o centro em Junot Díaz." Estação Literária, v. 10B, p. 166-177, 2013. 

"O uso de cores em textos literários: Três casos." Revista Litteris, v. 11, p. 413-432, 2013. 

"O realismo literário e a síntese de Bernardo Carvalho." SOLETRAS (UERJ), v. 25, p. 191-204, 2013. 

"A região do profundo silêncio: Wittgenstein lê Esterházy." Darandina Revisteletrônica, v. 6, p. 1-14, 2013. 

"Uma valsa para Bergson." Rapsódia (USP), v. 6, p. 71-87, 2012. 

"A estética do espetáculo: Walter Benjamin: Fragmentos." Revista da Graduação, v. 5, p. 18, 2012. 

"Apaguem os rastros: Walter Benjamin, arquitetura, história e literatura." Terra Roxa e Outras Terras, v. 24, p. 140-150, 2012. 

"Você está aqui: o turismo de Stendhal a Houellebecq." Revista Non-Plus, v. 1, p. 4-11, 2012. 

"Walter Benjamin e o pintor da praça: Arte e ideologia." Revista Valise, v. 1, p. 75-86, 2011. 

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
GeschKultLogo
Dahlem Research School
Deutsche Forschungsgemeinschaft
logo einstein grau