Eva Murasov

Murasov_Eva_Foto19
Bildquelle: privat

Freie Universität Berlin

Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Alumna der FSGS

Rhetorik und Semantik des Rests im postindustriellen Erzählen

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Eva Murasov hat in Freiburg und Sankt Petersburg Französisch und Russisch studiert, im Anschluss Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Von 2012 bis 2014 war sie studentische Hilfskraft am SFB „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“. Daneben hat sie in verschiedenen Redaktionen und Lektoraten hospitiert, unter anderem bei der Lettre International, dem Suhrkamp Verlag und Actes Sud, und Aufträge als freie Lektorin übernommen. Seit Oktober 2017 assoziiertes Mitglied des PhD-Net "Das Wissen der Literatur" an der Humboldt Universität.
Von Oktober 2016 bis September 2019 war sie Stipendiatin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule.

 

WS 2016/2017 Seminar "Wegwerfen/Aneignen: Rest-Fiktionen in modernen Erzähltexten"
(für das Modul Vergleichende Literaturgeschichte, Bachelor AVL)

Rhetorik und Semantik des Rests im postindustriellen Erzählen.
Poetiken der Aneignung bei E.L. Doctorow, Don DeLillo, Tom McCarthy und Leif Randt

Die Dissertation widmet sich literarischen Verhandlungen der postindustriellen Gesellschaft, die permanent Obsolenz und Überfluss produziert – an materiellen Gütern wie an Zeichen, Symbolen, Theoremen und Hybriden (Bruno Latour).

Das postindustrielle Erzählen reflektiert die ökologischen, kulturellen, semiotischen und wissenstheoretischen Konsequenzen von Verbraucherkulturen (Flusser). Erstens steht das Anthropozän mit Atommüll, Plastikinseln im Ozean und Ölkatastrophen exemplarisch für den irreversiblen Rest; es entstehen immer mehr Abfälle und Spuren. Zweitens wirken sich die beschleunigte Zeichenproduktion und die digitalen Speichermöglichkeiten auf Ästhetiken und Wissensbegriffe aus. Seit den 1970er Jahren führen ubiquitäre Praktiken der Entgrenzung und Aneignung – in der Kunst wie im Zuge kapitalistischer Marktexpansion und Kommunikationsstrategien – immer deutlicher vor Augen, dass das Konzept des Rests eine willkürliche Setzung, d.h. in (wandelbare) Zeichenprozesse und Wertordnungen eingebunden ist.

 Am Beispiel von Romanen von E.L. Doctorow (Homer and Langley), Don DeLillo (Underworld) und Tom McCarthy (Satin Island) und Leif Randt (Planet Magnon) werden zum einen verschiedene Semantiken des Rests herausgearbeitet. Zum anderen wird der neue Materialismus ihrer Erzählperspektiven genauer betrachtet, den eine besondere Aufmerksamkeit für stoffliche Qualitäten, die hardware des Digitalen und die Infrastrukturen der Kommunikation und des Verkehrs kennzeichnet.

Zudem wird vor dem Hintergrund (post)moderner Kulturtheorien (Vilém Flusser, Boris Groys, Hartmut Böhme, Michail Epstein) untersucht, inwiefern sich gesellschaftliche Praktiken der Aneignung, Rekontextualisierung und Neubewertung auch auf die Erzählverfahren und Bildsprachen übertragen. In welchem Verhältnis stehen die Leitdifferenzen, Wertordnungen und Geschichtsbegriffe, die die verschiedenen Rest-Begriffe voraussetzen bzw. verfestigen, zur Poetologie der Texte? Wo werden homogenisierende Modelle der total(itär)en Inklusion vorgeführt? Wo findet ein 'selbstreinigendes' Erzählen statt? Wo wird die ewige Wiederkehr der Dinge, Zeichen und Ideen beschworen, wo ein (inter)textuelles Recycling als metasprachliches Verfremdungsmittel eingesetzt?

"Zeit für einen 'conscious turn'?" (März 2017) - politischer Kommentar auf dem FSGS-Blog
http://literaturwissenschaft-berlin.de/zeit-fuer-einen-conscious-turn/

"Roger Caillois' Pierres - natürliche Strukturen und poetisches Schreiben", in: Anwesenheitsnotiz. Studentische Zeitschrift für Geistes- und Kulturwissenschaften. Heft 5 (Winter 2013)
https://anwesenheitsnotizen.wordpress.com/heft-5-winter-2013/roger-caillois-pierres-naturliche-strukturen-und-poetisches-schreiben/  

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
GeschKultLogo
Dahlem Research School
Deutsche Forschungsgemeinschaft
logo einstein grau