Dagmara Kraus-Cavaillès

Alumna der FSGS

„Von Kometenschwänzen auf Krieg“: Zur Poetik des Sprungs

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

Dagmara Kraus-Cavaillès, 1981 in Wrocław (Polen) geboren, hat Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris studiert. Sie schloss ihr Erststudium 2005 mit einer von Pierre Bayard und Tiphaine Samoyault betreuten Magisterarbeit zum Werk Ciorans ab. Sie veröffentlicht Gedichte und ist als Übersetzerin aus dem Polnischen, Französischen und Englischen tätig. Für ihre künstlerische Arbeit ist sie 2015 mit dem Karl-Sczuka-Förderpreis (zus. mit Marc Matter) und 2016 mit dem Heimrad-Bäcker-Förderpreis ausgezeichnet worden. Sie hat zwei Kinder. Die Promotion an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule hat Dagmara Kraus-Cavaillès im Juni 2019 mit der Arbeit "Von Kometenschwänzen auf Krieg": Zur Figur des "Sprungs" erfolgreich abgeschlossen.

Seit Jahrtausenden gilt der „Sprung“ als „Metapher für geistige Übergänge“ (Alois M. Haas), die mit radikalen Kontinuitätsbrüchen einhergehen. Wo sich anstatt eines graduellen Übergangs unvermittelte Differenz oder ein metaphysisches Vakuum einstellen, hilft nur ein „Sprung“. Ob als „Satz“ verstanden oder als „Kerbe“ wie bei Walter Benjamin, der ihm die Rettung aus der Katastrophe anverspricht, wirkt der Sprung in der Weltliteratur als wesentliches Element eines jeweils spezifischen Erlösungsgeschehens. So erlöst das Schreiben als Sprung bei Kafka von der Wiederholung der „Totschlägerreihe Tat-Beobachtung-Tat-Beobachtung“; Apollonios’ von Rhodos Held Butes wird in Pascal Quignards Auslegung der Argonautensage im Sprung vom Schiff ins Meer zu den Sirenen zeitgleich vom Verlangen sowie vom Sprung-Verbot erlöst; vor der Nacht und vor dem eigenen Körper rettet sich Alejandra Pizarnik mittels eines quasi-mystischen Sprungs, wenn sie, das Erlösungs- mit einem Ablösungsmoment vereinend, schreibt: „He dado el salto de mí al alba. / He dejado mi cuerpo junto a la luz / y he cantado la tristeza de lo que nace.“

Diesen und weiteren Sprüngen anhand ausgewählter Werke der Weltliteratur nachzugehen ist Anliegen meines Dissertationsprojekts.

Einzelveröffentlichungen:

kummerang, Berlin, kookbooks 2012. 

kleine grammaturgie, Solothurn, Urs Engeler / roughbooks 2013.

revolvers für flubis, Berlin, Sukultur 2013.

das vogelmot schlich mit geknickter schnute, Berlin, kookbooks 2016.

wehbuch, Berlin und Schupfart, Urs Engeler / roughbooks, 2016. 


Übersetzungen:

Miron Białoszewski, Wir Seesterne, Leipzig, Reinecke & Voß, 2012.

Edward Stachura, der punkt überm ypsilon, Berlin, hochroth 2013.

Edward Stachura, le point sur l'upsilon, ins Französische übersetzt zus. mit Nicolas Cavaillès, Paris, hochroth, 2013.

Miron Białoszewski, Das geheime Tagebuch, Berlin, Edition Fototapeta, 2014.

Frédéric Forte, Anthologie der bulgarischen Musik, vol. 2, Wiesenburg, hochroth, 2016.

(zus. m. Karolina Golimowska) Joanna Mueller, mystische musthaves, Wiesenburg, hochroth 2016.


Herausgeberschaft:

Miron Białoszewski, Vom Eischlupf. Nachdichtungen, Leipzig, Reinecke & Voß 2015.  


Aufsätze:

"Grammatickt mamal aus. Notizen zu Mutterschaft und Dichtung anlässllich der Übersetzung Joanna Muellers", in Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Heft 808, September 2016: 

https://www.klett-cotta.de/zeitschrift/MERKUR/7819

"On Pessoa's Involvement With The Birth Theme in Cioran's De l'inconvénient d'être né", in: Pessoa Plural,

http://www.brown.edu/Departments/Portuguese_Brazilian_Studies/ejph/pessoaplural/Issue7/PDF/I7A02.pdf


Literarische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien (2016 -):

- Beitrag in Sprache. Ein Lesebuch von A-Z. Perspektiven aus Literatur, Forschung und Gesellschaft, hg. für das Deutsche Hygiene-Museum Dresden und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung v. Colleen M. Schmitz und Judith E. Weiss, Dresden 2016, S. 205-212.

- "zeu eûl-'béhèl'teurchtuque..." in Gä weida Dada. 100 Jahre Dada und München, hrsg.v. Andreas Trojan, München, Black Ink (Buch 30)/ Stiftung Lyrik Kabinett München, Mai 2016, S. 8.

- Vier Collagen in randnummer. literaturhefte, hrsg. v. Peter Dietze, Simone Kornappel und Philipp Günzel,Nr. 6-7-8, Juni 2016, S. 80-83. www.randnummer.org

- "deutschyzno moja", in: Neue Rundschau, Frankfurt, S. Fischer, Heft 1/2016.


Sonstiges:

- Teilnahme mit zwei Collagen an der Sonderausstellung Sprache im Deutschen Hygiene Museum Dresden, 24.9.2016 - 20.8.2017, http://www.dhmd.de/index.php?id=2797

- (zus. mit Marc Matter) Entstehung dunkel. Ein lyrischer Geräuschtext, Koproduktion WDR/SWR 2014.

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/hoerspiele/ein-lyrischer-geraeuschtext-von-dagmara-kraus-und-marc-matter-entstehung-dunkel/-/id=660014/did=14751320/nid=660014/18uax9h/index.html

- Büchner, Mueller, Graham, Kraus: LENZ (2016): http://0x0a.li/wp-content/uploads/2016/04/Kraus_Lenz.pdf

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