Luisa Drews

Der Kriegsblinde und das Hörspiel. Ästhetiken und Politiken der Blindheit im deutschsprachigen Rundfunk (1920er-1960er)

Luisa Drews

Freie Universität Berlin

Friedrich Schlegel-Graduiertenschule

Alumna der FSGS

Adresse
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 33/115
14195 Berlin

Luisa Drews, geboren 1988 in Merseburg, hat Germanistik und Romanistik mit dem Schwerpunkt Französisch an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Wien studiert. Während des Studiums war sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und arbeitete als studentische Hilfskraft für Prof. Dr. Ernst Osterkamp und Prof. Dr. Stefan Willer. Sie schloss ihren Master im Jahr 2015 mit einer Arbeit über "Sirenengesänge und Wellenrauschen. Hörszenen und akustische Störungen in den Hörspielen Ingeborg Bachmanns" ab.

Im Anschluss an ihr Studium erhielt Luisa Drews das Research Track Scholarship der Humboldt Graduate School zur Promotionsvorbereitung und war Lehrbeauftragte am Institut für Kulturwissenschaft und am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität. Mit ihrem Promotionsprojekt "Der Kriegsblinde und das Hörspiel. Ästhetiken und Politiken der Blindheit im deutschsprachigen Rundfunk (1920er-1960er)" wurde sie im Frühjahr 2016 Fellow der Vienna Doctoral Academy "Theory and Methodology in the Humanities".

Luisa Drews war von Oktober 2016 bis Februar 2017 im Promotionsstudiengang Literaturwissenschaftliche Studien - Literary Studies der Friedrich Schlegel Graduiertenschule immatrikuliert. Zum März 2017 wechselte sie an die Universität Wien, wo sie ihr Promotionsvorhaben als Universitätsassistentin (PraeDoc) im Rahmen des Uni:docs-Förderprogramms am Lehrstuhl von Prof. Dr. Eva Horn weiterverfolgt.

Ihre weiteren Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Mediengeschichte der Literatur, Theorien und Methoden der Kulturwissenschaften, Literatur und Wissen sowie Literatur, (Inter-)Medialität und Künste. Sie ist Redaktionsmitglied der Radio-Sendereihe "Philosophische Brocken" im Wiener Freien Radio Orange und der Philosophischen Audiothek, für die sie Beiträge zu kulturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen produziert.

SoSe 2016: "Hörspiele, Hörkunst, Hörkulturen", Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kulturwissenschaft, BA-Modul: Wahrnehmung - Imagination - Körper

WS 2016/2017: "Hörspiele, Hörkünste, Hörkulturen", Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur, BA-Modul: Text- und Medienanalyse II

Promotion

Ausgangspunkt des Promotionsprojektes sind Bedeutungsverschiebungen im deutschsprachigen Rundfunkdiskurs des 20. Jahrhunderts, die sich am Begriff der Blindheit festmachen lassen: Während das Radio 1924 euphorisch als „Erlösung für Blinde“ begrüßt wurde, fungierte die Rede von Blindheit in den Folgejahren der Weimarer Republik und zu Beginn des Nationalsozialismus vor allem zur metaphorischen Erschließung der Funktionsweise und Ästhetik des neuen Mediums. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog sich der Begriff der Blindheit auch und vor allem auf kriegsbedingt Erblindete, wie der seit 1952 verliehene ‚Hörspielpreis der Kriegsblinden’ verdeutlicht. Diesem noch heute jährlich überreichten Ehrenpreis kam in der deutschsprachigen Hörspielkultur der 1950er Jahre eine in der Folgezeit niemals wieder eingeholte politische Macht sowie ästhetische und diskursive Produktivität zu. Obwohl die Bedeutung des Hörspielpreises für die Hörspielproduktion, die Verankerung des Hörspiels in der Medienkultur der Nachkriegszeit und die Aufwertung des radiophonen Genres im Gattungskanon der Literatur von der Forschung flächendeckend anerkannt wird, ist das Verhältnis von Institutionen, Politiken, Theorien und Ästhetiken bislang weitgehend unerforscht geblieben. Das Promotionsprojekt möchte diese Forschungslücke schließen und eine radiophone Mediengeschichte der Literatur erforschen, die unmittelbar an die beiden Weltkriege und komplexe Relationen von Hören und Sehen gebunden ist.

Vorträge

Der Kriegsblinde und das Hörspiel. Ästhetiken und Politiken der Blindheit im deutschsprachigen Rundfunk (1920er-1960er). 28.-29.10.2016, Medienhistorisches Forum für Absolventen und Forschungsnachwuchs 2016, Lutherstadt Wittenberg.

„Sprich, damit ich dich sehe“. Radio Play and Blindness in the 1950s. 29.09.-02.10.2016, GSA Conference 2016, Panel „Blindness and Deafness from the Middle Ages to the Present“, San Diego, Kalifornien. (Paper accepted)

The Aesthetics and Politics of Blindness in West German Radio Broadcasting of the 1950s. The „Hörspielpreis der Kriegsblinden“. 05.-08.07.2016, The Radio Conference 2016 „Transnational Radio Encounters“, Utrecht University.

Raum und Körper in frühen deutschsprachigen Hörspieltheorien (Rudolf Arnheim und Richard Kolb). 26.-27.11.2015, 6. Graduiertenkonferenz der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft zum Thema „Raumirritationen – Wieso nach dem Raum fragen?“, Universität Wien in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Publikationen

Angestelltendiskurse und Versicherungsdispositive. Schreiben als Versicherungspraxis (Kafka, Kracauer, Steinaecker). In: Alexandra Tacke und Ulrike Vedder (Hrsg.): Arbeitswelten in Literatur und Film. Perspektiven der 1920er Jahre und der Gegenwart. Springer VS: Wiesbaden 2017 (Reihe „Kulturelle Figurationen: Artefakte, Praktiken, Fiktionen“). (in Vorbereitung)

(gemeinsam mit Kathrin Wittler und Annika Hildebrandt) „Poeta philologus. Eine Schwellenfigur im 19. Jahrhundert“. Tagung vom 16.-18.04.2009 an der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Geschichte der Germanistik 35/36 (2009), S. 133-136.

Radiosendungen

„Distant Reading und Diskursanalyse" (IWK Wien, 14.11.2015). Eine Hörcollage zum Workshop für Radio Orange (Wien) in der Reihe "Philosophische Brocken" (Sendetermin: 25.01.2017).

„Ulrich Bröckling: Gesteigerte Tauglichkeit, vertiefte Unterwerfung. Transformationen des Regierbarmachens.“ (IWK Wien, 18.06.2015). Gebauter Beitrag für Radio Orange (Wien) in der Reihe „Philosophische Brocken“ (Sendetermin: 05.10.2016).

„Joseph Vogl: Zum Begriff einer seignioralen Macht“ (IWK Wien, 19.06.2015). Gebauter Beitrag für Radio Orange (Wien) in der Reihe „Philosophische Brocken“ (Sendetermin: 02.12.2015).

„Benno Wagner: Kafka in Frankenstein. Volkskraft, Wehrmacht und der Kampf um die Kriegsheimkehrerfürsorge“ (IWK Wien, 10.01.2009). Gebauter Beitrag für Radio Orange (Wien) in der Reihe „Philosophische Brocken“ (Sendetermin: 23.09.2015).

Zur Website Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
GeschKultLogo
Dahlem Research School
Deutsche Forschungsgemeinschaft
logo einstein grau