Ehrenpromotion von Marcel Reich-Ranicki am 9. Januar 2006

Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki
Bildquelle: Ausserhofer

Der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften hat am 9. Januar 2006 Marcel Reich-Ranicki mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Der Fachbereich würdigt mit dem Ehrendoktortitel Reich-Ranickis langjähriges Engagement für das literarische Leben in Deutschland, das er als wortgewaltiger und streitbarer Kritiker bis heute maßgeblich bestimmt hat. Nachdem Reich-Ranicki wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 nicht zum Germanistik-Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin zugelassen wurde, ehrt ihn sieben Jahrzehnte später die Freie Universität Berlin für sein Lebenswerk.

In der Begründung zur Vergabe der Ehrenpromotion heißt es:
... "Polemik ist also im Spiel, wenn es um die Literaturkritik geht, also um Ihren Hauptberuf, und zu Recht verweisen Sie auf Lessing, den Sie einmal den „Vater der Literaturkritik“ genannt haben. Ihr Lessing-Portrait hebt vor allem drei Züge hervor: Er hat darauf bestanden, daß Literaturkritik ohne Polemik nicht zu haben ist, er hat zur Institutionalisierung der Kritik in Deutschland erheblich beigetragen, und es ist ihm gelungen, Journalismus und Kritik ins rechte Verhältnis zu setzen."
"Kritik als Beruf, das heißt für Sie, eine Vielzahl von Rollen gleichzeitig zu übernehmen, gleich ob Sie sie selbst gewählt haben oder ob sie Ihnen aufgedrängt worden sind. „Zwei Seelen wohnen [...] in des Kritikers Brust“, haben Sie 1963 in Ihrer „Selbstkritik des ‚Blechtrommel’-Kritikers“ angemerkt, in zwei Rollen tritt er gleichzeitig auf: als Rechtsanwalt und als Staatsanwalt.“

Der Festakt der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Bild, Ton und Text:

Mit Schumanns Vertonung der "Dichterliebe" von Heinrich Heine, vortragen von Peter Schoene und Elzbieta Sternlicht, klang die Festveranstaltung für den "wortgewaltigen und streitbaren Kritiker" Marcel Reich-Ranicki aus.