Springe direkt zu Inhalt

Thomas Lehr erhält den Berliner Literaturpreis 2011

News vom 30.09.2010

Thomas Lehr während eines Interviews beim Erlanger Poetenfest 2010
Foto: Don Manfredo

und nimmt die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an.

Der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis zeichnet Autoren aus, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben.

Thomas Lehr wurde 1957 in Speyer geboren und lebt seit 1979 in Berlin. Er studierte an der Freien Universität Berlin Biochemie/Naturwissenschaften und arbeitete als Programmierer an einer wissenschaftlichen Bibliothek.

Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Wolfgang-Koeppen-Preis (2000) und den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (2006).

Der Jury des Berliner Literaturpreises 2011 gehören Sigrid Löffler, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Norbert Miller und Winfried Menninghaus an. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es:

"Der Berliner Literaturpreis 2011 der Stiftung Preußische Seehandlung wird dem in Berlin lebenden Schriftsteller und gelernten Biochemiker Thomas Lehr für sein singuläres Prosawerk zugesprochen, in dem Naturwissenschaft und Literatur die eigentümlichsten Verbindungen eingehen. In jedem seiner erzählenden Werke – bisher fünf Romanen und einer Novelle – manifestiert sich Lehrs ausgeprägter und höchst wandlungsfreudiger Formwille, der ihn dazu bestimmt, seine Sprach- und Gedankenexperimente und sein Spiel mit technizistischen Weltbildern von Buch zu Buch immer artistischer aufzufächern und mit einer Vielzahl von Themen und zeitgenössischen Diskurs-Elementen zu unterfüttern. Stets geht Lehrs Schreiben von einer intellektuellen, emotionalen oder politischen Initialzündung aus, die dann eine komplexe und ästhetisch anspruchsvolle Erzählmaschine in Gang setzt – sei es das philosophische Gedankenexperiment eines Zeitstillstands (im Roman «42») oder sei es die Verschränkung von westlicher und östlicher Perspektive auf die New Yorker Attentate und auf den Irakkrieg (im Roman «September Fata Morgana»). Lehrs verfeinerte narrative Technik lässt den Erzähler inzwischen ganz verschwinden und löst ihn auf in einer genau komponierten Polyphonie der Stimmen. In der zwingenden Korrespondenz von Form und Inhalt und in der ambitionierten Suche nach immer neuen Darbietungsformen hat Thomas Lehr in der deutschsprachigen Literaturszene nicht seinesgleichen."

Der Berliner Literaturpreis wird Anfang 2011 in Berlin im Roten Rathaus vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit verliehen. Der Präsident der Freien Universität, Univ.-Prof. Dr. Peter-André Alt, wird die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur vornehmen.

Seit 2005 bietet der Preis mit der „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin den Preisträgern jeweils im Sommersemester ein Forum für Textarbeit mit Studierenden der Universitäten und Hochschulen in Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher und Sibylle Lewitscharoff

 

16 / 77