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Dominik Erdmann

Dominik Erdmann

 

E-Mail: erdmann [at] grako-schrift.fu-berlin.de

 

Dissertationsvorhaben

"Totalansichten aus dem Zettelkasten - Die Schriftbildlichkeit des Entwurfs als Basis der visuellen Poetologien in Alexander von Humboldts Kosmos"

 

Projektbeschreibung

Das Promotionsvorhaben beabsichtigt, die Herstellung von Humboldts letztem groß angelegten Text 'Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung' zu untersuchen. Die Absicht der Arbeit ist, sowohl die epistemologische Grundlagen des Textes, wie auch die zu seiner Vermittlung entworfenen visuellen Poetologien auf die überlieferten Spuren und Strukturen der Entwurfshandschriften, die dem Kosmos zu Grunde lagen, zurückzuführen. Hierzu werden vor allem die handschriftlichen Aufzeichnungen aus Humboldts Zettelkasten, den sog. Kollektaneen zum Kosmos, die heute in der Staatsbibliothek zu Berlin PK liegen ausgewertet und auf den Kosmos bezogen. Es soll untersucht werden, inwiefern sie konstitutiv für die Umsetzung und Vermittlung von Humboldts Totalansicht der Welt sind.

Diese Entwurfshandschriften – so die übergreifende These – eröffnen für die Schreibarbeit am Kosmos einen materiellen Möglichkeitsraum. In diesem entfalten die Papiere jenseits ihrer Funktion als Externalisierung des Gedächtnisses ein operatives Potential. Sie haben „an der Hervorbringung dessen, was (im Kosmos) vor Augen gestellt wird“ eminenten Anteil. Damit sind sie zugleich Tiefenstruktur und Möglichkeitsbedingung derjenigen visuellen Poetologien, die an der ‚Oberfläche’ des (Druck)Textes ablesbar sind.

Humboldts Absicht war es, mit dem Kosmos einen Text hervorzubringen, der die Gesamtheit der materiellen Erscheinungen im Himmel und auf der Erde in ihrem allgemeinen Zusammenhang darlegt. Zugleich wollte er das historische Werden dieses Wissens um die Welt, sowie die mehr subjektiven Artikulationen dieses Wissens in der (Natur)Dichtung, der Landschaftsplanung und der Landschaftsmalerei schildern. Diese Gesamtschau auf die Natur beabsichtigte Humboldt in ein textuelles Gewand zu kleiden, das ein Bild der Natur „nicht in einfacher linearer Anordnung, sondern in Netzartig verschlungener Weise“ wiedergibt. Es geht ihm daher nicht darum, ein mimetisches Abbild der Natur zu entwerfen, sondern deren Struktur auf den Text zu übertragen und diese dem Leser vor Augen zu führen. Die Umsetzung dieser Absicht ist eminent an die Möglichkeiten der Handschrift gebunden, wie die genaue Auswertung des Zettelkastens zeigt. Die hier in den Handschriften erhalten gebliebenen Spuren zeigen deutlich, dass zwischen der Epistemologie des Naturraumes – der allseitigen Vernetzung und des allgemeinen Zusammenhangs – der Poetologie – in nicht-linearer sondern vernetzender Verknüpfung – und der Anordnung und Bearbeitung der Papiere im Zettelkasten eine strukturähnliche Beziehung besteht. Das operative Potential des Zettelkastens ist damit als die Basis des Schreibens des Kosmos und der mit ihm beabsichtigten Totalansicht der Natur zu betrachten.

 

Curriculum Vitae

Seit 10/2008

 

Doktorand im Graduiertenkolleg „Schriftbildlichkeit“ an der Freien Universität Berlin (DFG–Stipendium)

 

2010

 

Erlangung des Akad. Grades Magister Artium an der HU Berlin im Fach Neuere Deutsche Literatur und Neuere und Neueste Geschichte sowie an der TU Berlin im Fach Wissenschafts- und Technikgeschichte (Gesamtbewertung „sehr gut“)

 

10/2009-3/2010

 

Durchführung des Projektutoriums „Das moderne Original – Vorbereitung von Manuskripten Alexander von Humboldts zur Präsentation im Rahmen des HU-Jubiläums“ (HU Berlin)

 
8/2009-10/2009 Mitarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung „Literatur im Foyer: Alexander von Humboldt zum Geburtstag. Autographe aus dem Nachlass in der Staatsbibliothek zu Berlin“.

3/2008-9/2010

 

Studentische Hilfskraft am Zentrum für Literatur und Kulturforschung Berlin (ZfL) bei PD Dr. Ernst Müller (Projekt: „Theorie und Konzept einer interdisziplinären Begriffsgeschichte").

 

4/2007-12/2008

 

Praktikum in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin PK. Digitale Erschließung des Nachlasses Alexander von Humboldt sowie des Nachlasses Erik Ernst Schwabach im Datenbanksystem Kalliope.

 

Seit 1/2008

 

Mitarbeit an der digitalen Edition der Vorlesungsmanuskripte und Nachschriften der Kosmos-Vorlesungen Alexander von Humboldts.

 

Seit 10/2006

 

 

Mitarbeit an der digitalen Edition des lexikographischen Nachlasses Franz Brümmer.

 

 

 

Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dahlem Research School