Sprachtheorie und Sprachtherapie

16680 - Vertiefungsseminar

Koordination: Friedemann Pulvermüller

Ort: JK 28/130 (Habelschwerdter Allee 45)

Zeit: Mo 16:00-18:00

Erster Termin:  18.04.2016

 

Platzbeschränkung: Nein

Teilnahmepflicht: Ja

SWS: 2

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Kommentar:

Wozu nützen sprachwissenschaftliche Theorien? In diesem Seminar soll gezeigt werden, welchen praktischen Nutzen linguistische und sprachphilosophische Ansätze in der Praxis haben können bei der Behandlung von Patienten mit organischen Sprachstörungen (Aphasien).

Ausgehend von der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins werden Grundlagen der Sprachhandlungstheorie und der linguistischen Pragmatik erarbeitet. Die Teilnehmer sollen mit Methoden der Analyse von Dialogstrukturen und der Beschreibung stattgefundener Gespräche vertraut werden. Nach diesem ersten Teil des Seminars sollten Sie in der Lage sein, ein Gespräch mit Methoden der Linguistischen Dialoganalyse bzw. der Dynamischen Texttheorie zu beschreiben und verschiedene Verständnismöglichkeiten sprachlicher Äußerungen im Dialogzusammenhang zu diskutieren.

Im zweiten Teil des Seminars folgt eine Einführung in die Klinische und Neurolinguistik. Wichtige Formen organischer Sprachstörungen stehen ebenso auf dem Programm wie Methoden der klinischen Testung von Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten. Nach diesem Teil sollten Sie in der Lage sein, über Aphasien und andere Sprachstörungen Auskunft zu geben und einen klinisch-linguistischen Sprachtest selbständig durchzuführen und auszuwerten.

Im dritten Teil des Seminars werden schließlich Methoden der Sprachtherapie referiert und bewertet. Hierbei soll die klinische Forschung zur Aphasietherapie im Zentrum stehen. Hier wird Gelegenheit gegeben, verschiedene Verfahren kennenzulernen und Methoden der klinischen Sprachtherapie zu erproben. Im Fokus steht das Verfahren der Constraint-Induced Aphasia Therapy, das auch Intensive Language Action Therapy genannt wird. Sie sollen in diesem Seminarteil auch lernen, wie klinisch-linguistische Therapieforschung durchgeführt werden kann und insbesondere, wie Therapieverfahren auf ihre Wirksamkeit hin bewertet werden.

Dieses Seminar ist ein Forschungsseminar. In seinem Kontext werden wir uns bemühen, Vorträge von Praktikern und von Forschern zu den Themen Sprachtherapie und Neurowissenschaft der Sprache zu gewinnen. Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt zur Sprachtherapie nach Schlaganfall, das von Wissenschaftlern und Studenten des Brain Language Laboratory der Freien Universität Berlin durchgeführt wird (www.brainlang.fu-berlin.de/research/ Current-Research/ILAT_Sum_20160119.pdf). Mitarbeiter aus diesem Projekt werden zum Seminar beitragen und für engagierte Studenten besteht eventuell die Möglichkeit, an Sprachtestung und/oder -therapie teilzunehmen. Im Zusammenhang des Forschungsprojekts können auch wissenschaftliche Arbeiten angefertigt werden. Bei Interesse sprechen Sie bitte mit dem Seminarleiter in seiner Sprechstunde.

Literatur zur Vorbereitung

Pulvermüller, F. 1994. Sprachstörungen im Dialog - Analyse und Therapie. In G. Fritz & F. Hundsnurscher (Eds.), Handbuch der Dialoganalyse (pp. 393-409). Tübingen: Niemeyer.

Pulvermüller, F., & Berthier, M. L. (2008). Aphasia therapy on a neuroscience basis. Aphasiology, 22(6), 563-599.

Pulvermüller, F., Mohr, B., & Taub, E. (2016). Constraint-Induced Aphasia Therapy. In G. Hickok & S. Small (Eds.), Handbook of Neurobiology of Language, Elsevier, Amsterdam, 1025-1034.


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