Daniela Elsner, Positionen und Interpretationen von -(er)weise-Ableitungen

15.07.2016 | 12:00 c.t.

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Title: Positionen und Interpretationen von -(er)weise-Ableitungen

Presenter: Dr. Daniela Elsner, Universität Leipzig

Abstract:  Gegenstand des Vortrags ist eine formal gut abgrenzbare Gruppe von Adverbien, die sich durch das Suffix -(er)weise auszeichnen. Ausgehend von der in Elsner (2015) entwickelten Typologie der Ableitungen wird untersucht, (i) in welche Adverbialklassen (vgl. Frey/Pittner 1998, Frey 2003, Pittner 2004) die jeweiligen Suffigierungen einzuordnen sind und (ii) inwiefern Interpretationsunterschiede gleicher Adverbien mit verschiedenen Grundpositionen korrelieren. Zur Beantwortung der zweiten Frage werden unterstützend die Ergebnisse einer Akzeptabilitätsstudie hinzugezogen. In Bezug auf unseren Gegenstand zeigen sich verschiedene Ambiguitäten: 1. Ableitungen mit einer Partizip I-Form als Basis (z.B. liegenderweise, schnurrenderweise) können verschiedene Grundpositionen einnehmen. Als ereignisinterne Adverbiale spezifizieren sie das Ereignisargument des Verbs hinsichtlich des Begleitumstands (1) bzw. eines Instruments (2, 3). Wie Maienborn (2001) konstatiert, können diese Ableitungen nicht mit Verben kombiniert werden, die kein Ereignisargument haben (*Hans ähnelt laufenderweise seinem Bruder). Darüber hinaus ist auch das Auftreten als prozessbezogenes Adverbial möglich (4).

(1) Die Katze liegt schnurrenderweise auf dem Sofa.

(2) Die Katze fordert schnurrenderweise ihre Streicheleinheiten ein.

(3) Jetzt haben sich Ärzte aus ganz Deutschland rockenderweise diesem Problem gewidmet.

(4) Die Band „Cat Sun Flower“ hat die letzten 10 Jahre eher rockenderweise verbracht.

2. Bei einem spezifischen Typ von -(er)weise-Ableitungen kommt es zu Interpretations-unterschieden, wobei eine Gruppe keine der gängigen Adverbialklassen zugeordnet werden kann (vgl. 6). [N+weise]-Adverbien, die als Basis ein Maß- bzw. Containernomen haben (z.B. kistenweise, flaschenweise), können prinzipiell den prozessbezogenen Adverbialen zugeordnet werden. Wie in (5) referiert die -weise-Ableitung auf den als Basis fungierenden Container; der Wein kann in Kisten erworben werden. Wir zeigen, dass sie jedoch auch als Determinatoren mit einer graduierenden Lesart (eine große Menge denotierend) fungieren können (vgl. 6).

(5) Im Großhandel kannst du den Wein kistenweise kaufen.

(6) Ermittler stießen in seiner Wohnung auf kistenweise Waffen, Munition und Schwarzpulver.

Es stellt sich die Frage, ob diese -weise-Ableitungen ebenfalls als Determinatoren aufzufassen sind, wenn sie vor einer (nicht eingebetteten) indefiniten DP stehen (flaschenweise Wein trinken), oder ob eine Analyse als Modifikator der DP adäquater ist. 

Literatur :

Elsner, Daniela (2015): Adverbial morphology in German: Formations with -weise/-erweise. In: Pittner, Karin et al. (Hgg.): Adverbs. Functional and diachronic aspects. Amsterdam: John Benjamins, 101-132.

Frey, Werner (2003): Syntactic conditions on adjunct classes. In: Lang, Ewald et al. (Hgg.): Modifying Adjuncts. Berlin:       de Gruyter, 163-209.

Frey, Werner/Pittner, Karin (1998): Zur Positionierung der Adverbiale im deutschen Mittelfeld. In: Linguistische Berichte 176, 489-534.

Maienborn, Claudia (2001): On the position and interpretation of Locative Modifiers. In: Natural Language Semantics 9, 191-240.

Pittner, Karin (2004): Where syntax and semantics meet: Adverbial positions in the German middle field. In: Austin, Jennifer R. et al. (Hgg.): Adverbials. The interplay between meaning, context, and syntactic structure. Amsterdam: John Benjamins, 253-287.

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Zeit & Ort

15.07.2016 | 12:00 c.t.

FU Berlin
Habelschwerdter Allee 45

RAUM: JK 31/ 122