4: Blutige Worte

Blutige Worte. Internationales und interdisziplinäres Kolloquium zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Mittelalter und Früher Neuzeit, hg. v. Jutta Eming und Claudia Jarzebowski

Der vorliegende Band geht auf das Symposium Blutige Worte. Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Mittelalter und Früher Neuzeit zurück, das im September 2006 an der Freien Universität Berlin veranstaltet wurde. Ausgangspunkt der interdisziplinären Tagung war die Beobachtung, dass Literaturwissenschaftler/innen und Historiker/innen nicht nur primär mit dem gleichen Material, nämlich sprachlich verfassten Quellen, sondern vielfach auch mit ähnlichen Textsorten und Gattungen arbeiten. Es schien deshalb vielversprechend, die jeweiligen Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Das Verhältnis von Sprache und Gewalt wurde in den Mittelpunkt gerückt, weil es die disziplinären Prämissen in besonderer Weise herausfordert und dabei unter anderem die Frage tangiert, welcher Realitätsgehalt, welche historische Funktion und welche Bedeutung Quellentexten in der wissenschaftlichen Analyse zugestanden wird. Die Formel ›Blutige Worte‹, die, indem sie Inkompatibles miteinander verbindet, auf den ersten Blick widersinnig erscheinen muss, verweist vor diesem Hintergrund auf die grundlegende gemeinsame Arbeitshypothese des Symposiums, dass Sprache in historischen Kontexten als gewalttätig wahrgenommen und erfahren wurde und dass Gewalt sprachlich ausgeübt und dargestellt werden konnte. Es wurde auβerdem davon ausgegangen, dass die Auffassungen über den performativen Charakter von Sprache und Gewalt in den jeweiligen Disziplinen deutlich voneinander abweichen.

Diese Prämissen wurden, um es vorwegzunehmen, vom Symposium nicht widerlegt. Wohl aber, und hierin liegt sein Ertrag, konnten unterschiedliche Formen des Verhältnisses von Sprache und Gewalt für die historische Analyse produktiv gemacht, konturiert und diskutiert werden. Dabei ist unter anderem deutlich geworden, dass es nicht ›die‹ historische oder ›die‹ literaturwissenschaftliche Perspektive gibt, sondern dass auch innerhalb der Disziplinen unterschiedliche Ansätze verfolgt werden. Die Geltungsbereiche von verbaler und physischer Gewalt sind in Abhängigkeit von Textsorte, Fragestellung und Erkenntnisinteresse je neu gegeneinander abzugrenzen, und dies auch und gerade dort, wo sie ineinander wirken.


232 Seiten, gebunden
38,90 € [D]
ISBN 978-3-89971-400-5
Göttingen: V&R unipress 2008

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