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Bernhard Metz

Bernhard Metz

Alumnus

Synkrisis/Comparatio – Kulturen und Praktiken des Vergleichs in literarischen Inszenierungen rhetorischer Überbietung

[Stand 2017]

Synkrisis/Comparatio – Kulturen und Praktiken des Vergleichs in literarischen Inszenierungen rhetorischer Überbietung

Bernhard Metz untersucht die literarische Synkrisis/Comparatio in den westeuropäischen Literaturen mit Schwerpunkt auf deren Formen und Wandlungen seit dem 17. Jahrhundert. Synkrisis/Comparatio bezeichnet den wertenden Vergleich, die vergleichende agonistische Gegenüberstellung von Personen, Argumenten und Sachverhalten bei strikter Entscheidung für eine Seite. Literaturhistorisch werden darunter aber auch Streitgedicht, Streitrede, Streitgespräch und Streitgesang verstanden. Synkrisis/Comparatio kann als Schnittstelle von Rhetorik und Poetik, Argumentation und Repräsentation aufgefasst werden. Es steht die Inszenierung rhetorischer Agone und der Ausstellung von Beredsamkeit in literarischen Texten im Fokus, aber auch das Scheitern und Misslingen von Kommunikation. Der inszenierte Dialog in epischen, dramatischen und lyrischen Texten (seltener in Prosa) lässt zwei Kontrahenten häufig als Antagonisten vor einer Schiedsinstanz auftreten, die zu entscheiden hat, welcher Behauptung, Position, Rede oder auch Figur der Sieg zukommt. Nach dem 17. Jahrhundert verlieren die traditionellen Ausformungen der Synkrisis/Comparatio wie Rangstreitgedicht und Streitgesang an Bedeutung und nehmen ab; das synkritische und nie auf ausgleichender Gerechtigkeit basierende Prinzip weicht Idealen vorurteilsfreier, objektiver und gerechter Vergleichung. Dies geschieht synchron zu einem generellen Niedergang bzw. zunehmenden Bedeutungsverlust der Rhetorik. Synkrisis/Comparatio verschwindet aber nicht einfach, sondern bleibt transformiert bestehen und weist eine erstaunliche longue durée auf. Ihre Tiefensemantiken bzw. Funktionen tauchen in Kultur und Literatur seither in verschiedenen Ausformungen wieder auf, die hier eingehend analysiert werden sollen.

[Stand 2017]

Herausgaben

Metz, Bernhard und Anthony Enns 2015 (Hg.). Distinctions That Matter/Fictions Économiques. In: Belphégor. Littérature Populaire et Culture Médiatique, Bd. 13/1. DOI: https://doi.org/10.4000/belphegor.533.

Aufsätze

Metz, Bernhard 2017. „Nonlinear Readings: The Dictionary Novel as a Visual Genre“. In: Ronja Bodola und Guido Isekenmeier (Hg.). Literary Visualities: Visual Descriptions – Readerly Visualisations – Textual Visibilities, S. 222–260. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110378030-008.

Metz, Bernhard 2016. „‚En París todo le era Buenos Aires y viceversa’. Julio Cortázars Rayuela als Spieltext in der voyage imaginaire-Tradition“. In: Julia Dettke und Elisabeth Heyne (Hg.). Spielräume und Raumspiele in der Literatur. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 217–244.

Metz, Bernhard 2016. „Übersetzungen“. In: Birgit Nübel und Norbert Christian Wolf (Hg.). Robert-Musil-Handbuch. Berlin & Boston: De Gruyter, S. 810–825. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110255577-073.

Metz, Bernhard 2016. „Vom Aufschreibe- zum Satzsystem: Computergestützte Textverarbeitung und Druckvorstufe bei John Barth, Renaud Camus, Mark Z. Danielewski, Umberto Eco, Max Goldt, Jeanette Winterson und einigen anderen“. In: Rainer Falk und Thomas Rahn (Hg.). Literatur & Typographie. Frankfurt/Main & Basel: Stroemfeld, S. 269–285.

Metz, Bernhard 2015. „Distinctions that Matter: Popular Literature and Material Culture“. In: Anthony Enns und Bernhard Metz (Hg.). Distinctions That Matter/Fictions Économiques. Belphégor. Littérature Populaire et Culture Médiatique, Bd. 13/1. DOI: https://doi.org/10.4000/belphegor.606.

Metz, Bernhard 2015. „‚Leselistenkomparatistik‘, Kommentierung der ‚Leseliste des Seminars für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft‘ (ca. 1970/71, Auszug) (pp. 87–92)“. In: Irene Albers (Hg.). Nach Szondi. Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin 1965–2015. Berlin: Kulturverlag Kadmos, S. 93–95.

Metz, Bernhard 2014. „1960. Gründung des Ouvroir de Littérature Potentielle (OuLiPo)“. In: Sandro Zanetti (Hg.). Improvisation und Invention. Momente, Modelle, Medien. Zürich/Berlin: diaphanes, S. 217–232.

Metz, Bernhard 2014. „Bücher, nicht Texte: Warum wir Musil in der Klagenfurter Ausgabe nicht lesen können“. In: Massimo Salgaro (Hg.). Robert Musil in der Klagenfurter Ausgabe. Bedingungen und Möglichkeiten einer digitalen Edition. München: Fink, S. 197–217.

Metz, Bernhard 2014. „Can There Really Be a “Best Little ‘a’ in the Business”? Robert Slimbach’s Adobe Garamond and Adobe Minion in Literary Publications“. In: Markus Polzer und Philipp Vanscheidt (Hg.). Fontes Litterarum. Typographische Gestaltung und literarischer Ausdruck. Hildesheim: Olms, S. 417–449.

Metz, Bernhard 2014. „Der Autor und sein Double: Hubert Fichte – Jean Gene“. In: Matthias N. Lorenz und Oliver Lubrich (Hg.). Jean Genet und Deutschland. Gifkendorf: Merlin, S. 5–58.

Metz, Bernhard 2014. „Readable Books, Unreadable E-Texts? How Digital Reading and Writing Devices Changed Literary Texts and Reading Habits“. In: Nathalie Collé-Bak et al. (Hg.). Book Practices & Textual Itineraries. Textual Practices in the Digital Age. Nancy: Presses Universitaires de Nancy, S. 17–47.

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