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Bislang unveröffentlichte Handschriften von Virginia Woolf sind jetzt zugänglich

Virginia Woolf & Quentin Bell

Virginia Woolf & Quentin Bell

Prof. Dr. Claudia Olk hat bislang unveröffentlichte Dokumente der britischen Schriftstellerin ediert

News vom 13.06.2013

Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Olk vom Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin ediert die letzten unveröffentlichten Handschriften der britischen Schriftstellerin und Verlegerin Virginia Woolf (1882-1941). Die als Charleston Bulletin Supplements bezeichneten Manuskripte, die in London als gedruckte Ausgabe der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sind Teile eines satirischen Magazins, das der Neffe der Schriftstellerin, Quentin Bell, 1923 gründete und bis 1927 als lose Familienzeitschrift herausgab. Quentin Bell konnte gleich zu Beginn der Publikationsserie seine Tante zur Mitarbeit gewinnen. In den Heft-Texten, die nun erstmals von Claudia Olk in edierter Fassung im Verlag der British Library veröffentlicht werden, setzt sich Virginia Woolf spielerisch mit ihrem Familienleben auseinander. Die Texte und Illustrationen geben einen heiteren Einblick in den Alltag einer ansonsten für experimentelle Prosa bekannten Autorin. Sie bilden somit eine neue und originelle Perspektive für das Verständnis von Virginia Woolfs schriftstellerischer Entwicklung.

Während ihrer produktivsten Jahre als Romanschriftstellerin, in denen unter anderen Werke wie Orlando, Mrs. Dalloway oder To the Lighthouse entstanden, arbeitete Woolf gemeinsam mit ihrem Neffen und späteren Biographen Quentin Bell von 1923 bis 1927 an Sonderausgaben der Familienzeitschrift, den Charleston Bulletin Supplements. Diese von Woolf geschriebenen und von Bell illustrierten Hefte eröffnen bislang verborgene Perspektiven auf das illustre Familienleben von Woolf und Bell; die Texte geben auch Einblicke in  die Geschicke des Londoner Bloomsbury-Kreises, zu dem wichtige Intellektuelle wie der Ökonom Maynard Keynes sowie der Maler Duncan Grant und der Kritiker Lytton Strachey zählten.

Viele der geschilderten Ereignisse spielen im Haus Charleston in Sussex, das Woolfs Schwester, die Künstlerin Vanessa Bell, im Jahr 1914 erwarb und das sich schnell zu einem Treffpunkt und Außenposten der Londoner Kunstszene entwickelte. Unter dem schonungslosen Blick der Schriftstellerin werden in den Charleston Bulletin Supplements nicht nur die Exzentrik des Bloomsbury-Kreises humorvoll und satirisch betrachtet, sondern auch Missgeschicke sowie reale und imaginäre Details aus dem Leben der Gäste und Hausangestellten im Charleston-Haus wiedergegeben. Die Beilagen wurden beiden Familien zu besonderen Anlässen präsentiert und bieten humorvolle Einblicke in die englische Avantgarde der 1920er Jahre.

Für die Literaturwissenschaft stellt die Veröffentlichung jetzt eine neue und wichtige Primärquelle für die Analyse des Schaffens und der Entwicklung von Virginia Woolf dar. Die Hefte reflektieren das Alltagsleben einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts.


The Charleston Bulletin Supplements, herausgegeben von Claudia Olk.
Preis: £12.99, ISBN 9780712358910, gebunden, 144 Seiten.

Quelle: Pressemitteilung der Freien Universität  Berlin Nr. 151 vom 12.06.2013

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Schlagwörter

  • AVL, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
  • Charleston Bulletin Supplements
  • Claudia Olk
  • Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
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  • Quentin Bell
  • Virginia Woolf