Prof. Dr. Henry Rousso: « La dernière catastrophe », réflexion sur la pratique de l'histoire du temps présent | Die ‚jüngste Katastrophe‘: Zur Praxis der Zeitgeschichte

03.07.2013 | 18:00 c.t.
Henry Rousso; Foto: John Foley

Henry Rousso; Foto: John Foley

Vortrag von Prof. Dr. Henry Rousso (Institut d'histoire du temps présent, CNRS)

Vortrag im Rahmen des Deutsch-Französischen Kolloquiums.
In Kooperation mit dem  Dahlem Humanities Center.


FRANÇAIS:
Naguère suspecte d’être peu scientifique, l’histoire du temps présent a connu depuis un demi-siècle une expansion de grande ampleur tant dans le travail des historiens que dans les attentes de la société. Si l’histoire contemporaine des faits qu’elle étudie remonte aux origines de la discipline historique, elle a connu dans le monde occidental une profonde mutation depuis la Révolution française. L’après-coup des deux grandes guerres mondiales ont été des moments décisifs dans son émergence comme sous-discipline reconnue. La réflexion proposée ici analyse l’histoire longue de la contemporanéité et sa pratique récente marquée par un rapport tendu au témoignage, à la mémoire, à l’expertise, à la vision judiciaire du passé. Elle dépasse le simple domaine de l’historiographie et pose une question plus générale sur notre conception du temps et notre régime d’historicité.

DEUTSCH:
Lange der Unwissenschaftlichkeit verdächtigt, hat die Zeitgeschichte in den letzten 50 Jahren stark an Bedeutung gewonnen, sowohl in der Arbeit von Historikern als auch in der Erwartungshaltung vonseiten der Gesellschaft. Geht die Beschäftigung mit der zeitgenössischen Geschichte bis zu den Ursprüngen der historischen Disziplin zurück, so hat sie in der westlichen Welt seit der Französischen Revolution einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Die Erfahrung und Nachwirkungen von zwei Weltkriegen markieren entscheidende Wegschritte bei ihrer Entstehung als anerkannte Teildisziplin. Der Vortrag untersucht die lange Geschichte zeitgeschichtlicher Praxis entlang des Spannungsverhältnisses zwischen Gedächtnis und Erinnerung, Expertenschaft und rechtlichen Fragen an die Vergangenheit sowie der Besonderheit der Zeitgenossenschaft. Er geht dabei über das bloße Feld der Geschichtsschreibung hinaus und stellt grundlegende Fragen nach unseren Konzeptionen und Vorstellungen von Zeit und Geschichtlichkeit.

  • Vortrag in französischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche.
  • Um Anmeldung bis zum 28. Juni 2013 an admin@dhc.fu-berlin.de wird gebeten.

Zur Person:

Henry Rousso ist ein französischer Historiker und Spezialist für die Geschichte des 20. Jahrhunderts, besonders des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungszeit in Frankreich. Zurzeit lehrt er an der Université Paris X-Nanterre sowie dem Pariser Institut d'histoire du temps présent (IHTP) und ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte, u.a. in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, im Pariser Mémorial de la Shoah und im Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Bekannt wurde er vor allem wegen seiner Veröffentlichungen Un château en Allemagne : Sigmaringen, 1944-1945 über die letzten Jahre des Vichy-Regimes in Sigmaringen und Le Syndrome de Vichy (das Vichy-Syndrom) über die Schwierigkeiten der französischen Nachkriegsgesellschaft, ein angemessenes Bild der Besatzungszeit, insbesondere der französischen Mitschuld an Verfolgung und Deportation von Juden, zu erlangen. Er thematisierte darin u.a. die Überhöhung der Bedeutung des französischen Widerstands, durch Gaullisten und Kommunisten, für die er den Begriff résistancialisme prägte. Außerdem prägte er den Begriff des Negationismus (négationnisme).

 

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Deutsch-Französischen Kolloquiums statt. Es präsentiert und diskutiert Frankreichforschung in vergleichender Perspektive und findet im Semester einmal im Monat statt.

 

Veranstalter:

Anne Kwaschik, Juniorprofessorin für Westeuropäische Geschichte, FU Berlin/Frankreich-Zentrum

Peter Schöttler, Directeur de recherche CNRS-IHTP Paris /Honorarprofessor, FU Berlin

Patrice Veit, Directeur de recherche CNRS, Directeur du Centre Marc Bloch

Kontakt: a.kwaschik@fu-berlin.de, peter.schoettler@ihtp.cnrs.fr, patrice.veit@cmb.hu-berlin.de

 

Zeit & Ort

03.07.2013 | 18:00 c.t.

Freie Universität Berlin, "Rostlaube" Raum KL 32/123, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin