Interdisziplinäres Zentrum Mittelalter - Renaissance - Frühe Neuzeit


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Überblick über die Projekte nach ihren Zuordnungen zu den Arbeitsschwerpunkten der Forschergruppe und mit kurzen Zusammenfassungen

 

EXEMPLARISCHE DARSTELLUNG DES WISSENSWANDELS

A1 Christliche Kabbala

Das philosophisch-judaistische Projekt versteht sich als Musterprojekt der Forschergruppe. Es hat sich zur Aufgabe gestellt, die Topoi, die dieses exemplarische Wissensfeld bestimmen, in ihrer Begrifflichkeit, ihrer Bildlichkeit und ihrer Geschichte zu entfalten. Das Projekt ist deshalb charakteristisch für den Ansatz der Forschergruppe, weil hier die Möglichkeit besteht, mit einem begrenzten Arsenal von Topoi zu arbeiten, die in ihrer Semantik, und Kombinatorik in einem definierten geographischen und historischen Feld fassbar sind und deshalb in ihrer Tradition und Topik umfassend dargestellt werden können.

A2 Universales Wissen

Das Projekt bearbeitet ein zweites, für die Frühe Neuzeit zentrales Wissensfeld und legt den Schwerpunkt auf den Wandel von Wissensstrukturen im Kontext universalwissenschaftlicher Systementwürfe. Eingegrenzt auf die frühneuzeitlichen Wege und Formen der Hermetismusrezeption und deren systematische Funktion für die Dynamik von Prozessen der Wissensordnung und -neukombination untersucht es exemplarisch die Veränderung von Wissensmodellen und die Leistungsfähigkeit systematischer Begründungsansätze. Der Leitbegriff Wissen wird anhand der exemplarischen Analyse einer Wissens- und Wissenschaftstradition auf die Differenzierung von Wissenmodi und Formen der Wissensvermittlung genau analysiert.

 

ZENTRALE TECHNIKEN DER TOPISCHEN WISSENSAPPLIKATION

B1 Imagines

Das literaturtheoretische Projekt hat mit Emblematik und Mnemonik zentrale Techniken der Wissenskonstitution und -tradierung untersucht. In der Mnemonik wird das Wissen um die Leistungsfähigkeit der Bilder ganz pragmatisch eingesetzt; dagegen ist die Bildtopik der Emblematik außerordentlich flüchtig, weil sie von der jeweiligen Sprachsemantik immer neu konstituiert wird. In der Projektarbeit wurden Wandlungen von Topoi in emblematischen und mnemonischen Bild-Text-Verbindungen nachgezeichnet, wodurch eine Profilierung des bislang erarbeiteten Topos-Begriffs möglich wurde. Topik wurde in diesem Projekt als wesentliches Element der Wissensapplikation verstanden. Emblematik und Mnemonik als zentrale Techniken der Wissensapplikation nutzen Topoi, um Wissen zu speichern und dynamisch zu halten

B2 Tradition und Wandel

Das literaturtheoretische Projekt untersucht breit gefächert Übersetzungen niederländischer Texte ins Deutsche, d. h. eine weitere zentrale Technik des Wissenswandels. Kernfragen sind die Wechselwirkungen zwischen den Wissenstraditionen der beiden entstehenden ›Nationalkulturen‹, die durch Übertragung topischer Wissensmuster von der einen in die andere Sprache sich zeigenden semantischen und methodischen Verschiebungen sowie die Intentionen von Akteuren und Vermittlern des Wissens auf dem naturwissenschaftlichen, politisch-historischen, theologischen und literarischem Feld.

 

EXEMPLARISCHE UNTERSUCHUNG DER ZENTRALEN THEMENFELDER TOPISCH STRUKTURIERTER WISSENSVERWALTUNG

C1 Hospitalreformen

Das geschichtswissenschaftliche Projekt untersucht das zentrale Themenfeld ›Reform‹ am Beispiel von historischen Institutionen – spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hospitälern, die in dieser Zeit immer wieder Objekte von Reformversuchen waren. Die Reformdiskurse, in denen über die hospitalspezifischen Wissensbestände (theologisches, juristisches, praktisch soziales und administratives, anthropologisches und medizinisches Wissen) verhandelt wird, sind topisch strukturiert und argumentieren mit Topoi, damit sie die Umdeutung von Schlüsselbegriffen der Armen- und Krankenfürsorge und von Rechtsbegriffen plausibel machen können. Sie beziehen sich stets auf eine Tradition, die sie als historische Erzählung so konstruieren, dass Veränderungen durch Kritik an den zu reformierenden Zuständen, durch Vorbildlichkeit vergangener Modelle und durch Furcht vor einem künftigen bösen Ende begründet werden können.

C2 Intellekttheorie und Ethik

Das philosophische Projekt untersucht das zentrale Themenfeld ›Intellekt‹ am Beispiel zentraler philosophischer Schriften des Spätmittelalters bei Albertus Magnus, Dietrich von Freiberg und Meister Eckhart. Für den Zusammenhang von Intellekttheorie, Seelenlehre und Ethik wird unter Einsatz zentraler Topoi bei den Autoren ein Prozess des Wissenswandels initiiert, der eine eigenständige Tradition der Wissensgenierung begründet. In der zweiten Phase stehen im Werk des Albertus Magnus vier Formen topischer Wissensgenerierung im Blickpunkt (Prophetie, Astronomie, Astrologie, praktische Ethik). Diese konjektural verfassten Wissensformen werden exemplarisch untersucht, da sie in Richtung einer empirisch angereicherten Universalwissenschaft gehen und traditionsbildend bis hinein in die Frühe Neuzeit wirken (z. B. Hermetik, Kabbala).

 

TOPISCHE WISSENSORDNUNGEN IN KÜNSTLERISCHEN FORMEN

D1 Bildallegorien

Das kunstwissenschaftliche Projekt untersucht am exemplarischen Feld der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildallegorie in Italien, wie soziales, juristisches und gelehrtes Wissen durch die Ordnung der Bilder im politischen (Teilprojekt Monumentale Bildallegorien im Trecento), im humanistischen (Teilprojekt Hermeneutik der Bildallegorie um 1500) und im religiösen Kontext (Teilprojekt Kritik der katholischen Reform) neu konfiguriert und habitualisiert wird. Dabei gilt der Blick besonders den Prozessen einer zunehmenden Verselbständigung bzw. Selbstregulierung der Bilder und ihrer Herausbildung zu kohärenten Darstellungs-Systemen, die topische Elemente der textuellen Wissensüberlieferung in ihre eigene, von produktions- und wirkungsästhetischen Bedingungen geleitete visuelle Topik integrieren und sie im Vorgang dieser Anverwandlung zugleich transformieren und aktualisieren. In systematischer Hinsicht zielt das Projekt damit auf die Herausarbeitung eines für die Forschergruppe zentralen, weil nicht-textuell fundierten Wissensbegriffs des Bildes.

D2 Hermetik und Dichtung

Das literaturwissenschaftliche Projekt untersucht am Beispiel vorwiegend deutschsprachiger Texte des 17. Jahrhunderts Prozesse der Umwandlung philosophisch-hermetischen Wissens in literarisches Wissen. Das Projekt geht von der für die Forschergruppe zentralen These aus, dass es sich bei hermetischem Wissen um ein besonders streng organisiertes topisches Wissen handelt (hier schließt das Projekt eng an das Projekt A2 Universales Wissen an), das durch den literarischen Umformungsprozess einer Reorganisation unterworfen wird, die zur Neukonstitution einer spezifisch literarischen – selbst wieder topisch gegliederten – Epistemologie des Hermetischen führt.

D3 Ekphrasis

Das literaturwissenschaftliche Projekt untersucht am Beispiel der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ekphrasis wie anhand dieser topischen Figur neues, jedoch weitgehend implizites repräsentationstheoretisches Wissen generiert wird, das sich in bewusster Bezugnahme auf die Tradition entfaltet und somit im englischen Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit einen wesentlichen Beitrag zur Inszenierung von Literarizität wie auch zur Auseinandersetzung mit dem Konzept der Tradition leistet.

 

TOPISCHE WISSENSORDNUNGEN IN AUSSEREUROPÄISCHEN FORMEN

E1 Wissenskanonisierung und - überlieferung in der chinesischen Gesellschaft

Das philosophiegeschichtliche Projekt untersucht am Beispiel der im 15. Jahrhundert vorgenommenen Zusammenstellung, Erweiterung und Kommentierung einflussreicher chinesischer Texte ein in der Geistesgeschichte Chinas einmaliges Neuarrangement des Wissens. Es fand vor dem Hintergrund der Mongolen-Herrschaft und der neuen staatsideologischen Ausrichtung Chinas statt. Wichtige Momente, die den historischen Wandel als Wissensgeschichte und als Geschichte einer Neuordnung der Wissensbestände begreifbar machen, tauchen hier exemplarisch auf.

K1 Limpieza de Sangre

Das geschichtswissenschaftliche Projekt untersucht am Beispiel der Limpieza de Sangre die Form, Organisation, Überlieferung und Generierung sozialen Wissens im spanischen Kolonialreich. Institutionen wie die Inquisition waren am Wandel von Wissen in der hispanischen Welt vom 15. bis ins 17. Jahrhundert stark beteiligt. In Hispanoamerika wurden ebenfalls Tribunale eingerichtet. Denn neben wirtschaftlichen Interessen blieb das wichtigste Motiv für die Eroberung und Kolonisierung des amerikanischen Kontinents die Verbreitung des christlichen Glaubens. Die Absicht, das Modell der spanischen Gesellschaft nach Hispanoamerika zu übertragen, gelang zunächst insofern, als dass das konfessionelle Element zu einem zentralen Grundpfeiler der Kolonialgesellschaft wurde. Die Limpieza fand auch hier Anwendung und förderten die gesellschaftliche Polarisierung. Hier zeigt sich, wie ein ganzes in Spanien entstandenes Reservoir diskursiver Topoi bis weit über den Atlantik ausstrahlte und dabei regionale Besonderheiten ausbildete.

 

KOOPERATIONSPROJEKT

K2 Farbe und Sehen

Im Fokus steht die Rolle der Farbe in Prozessen des Wandels und der Ausdifferenzierung von Formen der Bildlichkeit und Konzepten des Sehens, wobei das späte Mittelalter erstmals als eine Sattelzeit in der Geschichte des künstlerischen Farbgebrauchs konturiert werden soll. Neben exemplarischen Fallstudien zur Glasmalerei und Tafelmalerei des 13. bis 15. Jahrhun­derts wird eine systematische Untersuchung zu den Illustrierungen enzyklopädischer Hand­schriften erstellt, die Farbe, das Farbensehen und den Gebrauch von Farbe thematisieren. Im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation wird das in enzyklopädischen Texten und Naturtraktaten überlieferte Wissen über Farbe mit Blick auf seinen theoretischen Hinter­grund neu aufgeschlossen. Die vergleichende Analyse der Quellentexte, ihrer Überlieferung in illuminierten Handschriften und Rezeption in Werken der Tafelmalerei (Jean Fouquet, Rogier van der Weyden) eröffnet neue Erkenntnisse zur Farbsystematik, zur Bedeutung der Kategorie des Kunstscheins im Wissensgebäude der Naturenzyklopädie und zu den Zusam­menhängen von Farbe, Verlebendigung und Humoralphysiologie.  Merkmale eines epocha­len Wandels in der Wissenskultur im Sinne eines ersten „iconic turn“ werden greifbar, indem sich das von der Malerei gestiftete Farbensehen als Medium und Modell der Erforschung der Welt wie der Sondierung kognitiver und emotionaler Erfahrungen erweist.

 


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IZ-News

Zweite RefoRC-Konferenz in Oslo

Am 12. Mai ging an der Theologischen Fakultät der Universität Oslo die zweite RefoRC-Jahrestagung zu Ende.
14.05.2012

Internationale Tagung: Traditionen neu erfinden. Zum Vorlagentransfer in der Buchmalerei des Spätmittelalters

Am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin findet vom 8. bis zum 10. Juni die internationale Konferenz "Traditionen neu erfinden. Zum Vorlagentransfer in der Buchmalerei des Spätmittelalters" statt.
02.05.2012

Call for Papers 'Achronicity/Anachronism (1000-1700)'

18.04.2012

Termine am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften

VORLESUNGSREIHE: "Perspektiven der Bildforschung"

  • mittwochs, 19.00 Uhr, Beginn: 11.04.2012

  • Eine Vorlesungsreihe, die von sechs Forschungsprojekten aus Berlin und Potsdam ausgerichtet wird.
11.04.2012

RINGVORLESUNG: "Fiktion in Literatur, Film und Fotografie"

11.04.2012

UNIVERSITÄTSVORLESUNG: "Turn On, Turn Off. Über den Wandel von Paradigmen in den Künsten und Wissenschaften"

12.04.2012
 

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Stand: 08.08.2011

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