Theatre in Education in Southern Africa

Der Titel der Fallstudie "Theatre in Education in Southern Africa" von Julius Heinicke verleitet zu allerlei Assoziationen, die zum Teil einen bitteren Nachgeschmack haben: Theatre for Development, HIV/AIDS, Aid for Developing Countries. Theatre in Education wird nicht nur meist in kritischen Kontexten eingesetzt, in Postkonfliktgesellschaften, zur Prävention von Seuchen und Krankheiten oder anderen soziopolitischen Herausforderungen, sondern in der nahezu apodiktisch scheinenden Verbindung dieser Theaterform mit dem Terminus 'Entwicklung' offenbaren sich auch heutzutage noch wirkungsmächtige (neo)koloniale Machtstrukturen.

Trotz alledem löst sich Theatre in Education im südlichen Afrika in letzter Zeit von typischen Strategien der internationalen 'Entwicklungszusammenarbeit'. In erster Linie lokale Kulturorganisationen entwickeln die gängigen Theatermethoden weiter oder kreieren neue Konzepte, so zum Beispiel das Amakhosi Theatre in Bulawayo. Die Organisation erarbeitet zusammen mit Kindern und Jugendlichen Szenarien, die unterschiedliche theatrale Traditionen und Techniken kombinieren. So beschreibt der Künstlerische Leiter Cont Mhlanga das Theatre for Community Programme:  "The concept is rooted belief that theatre, by its nature, is cultural as it involves song and dance, ceremonial rituals, the society and people and therefore becomes a way of life. It finds support from the fact that the continent of Africa has a long history of sending messages through drama and plays and through theatre performances, the work of African poets and actors has challenged policies and human right abuses." (Theatre for Community Programme, last modified June 10, 2010, http://www.amakhosi.org.)

Obwohl rezente Studien die sozialen und politischen Wirkungsebenen von Theatre in Education ausführlich untersuchen, bleibt dessen Ästhetik meist außer Betracht. Die Fallstudie soll die eklatante Lücke schließen und der Frage nachgehen, ob der Erfolg und die Wirkungsmacht dieser Art von Theater in der besonderen Ästhetik – der Kombination unterschiedlicher theatraler und performativer Traditionen – begründet sind. Welche unterschiedlichen Theatertechniken werden eingesetzt und miteinander kombiniert? Welche gesellschaftspolitischen und politischen Strategien verbergen sich hinter den Projekten? Schlagen sie sich auch in dem Einsatz unterschiedlicher performativer Techniken, Traditionen und deren Wirkungsästhetik nieder?

Schlagwörter

  • Julius Heinicke, Südafrika, Bildung, HIV, AIDS, Prävention, Entwicklung, Amakhosi Theatre, Bulawayo, Jugendliche, Kinder, Ästhetik, Wirkungsmacht, Theatertechniken, The Aesthetics of Applied Theatre, Theatre in Education, Theatre in Education in Southern Africa