‚es ereignet sich aber / Das Wahre‘: Hölderlin und die Wahrheit der Dichtung. Philosophische Lektüren zwischen Adorno und Heidegger
Hölderlins Dichtung wird im krisengebeutelten 20. Jahrhundert zu einem privilegierten Ort der Auseinandersetzung mit der Frage nach der Wahrheit der Dichtung. Beginnend mit Hellingraths Werkausgabe, die nach über 100 Jahren die späte Dichtung Hölderlins einem breiten Publikum bekannt machte, nimmt diese über Benjamin, Celan, Scholem, Szondi bis zu Adorno und Heidegger einen Rang ein, der weit über literatur- und dichtungstheoretische Erwägungen hinausgeht: In ihr wird eine Wahrheitskonzeption gesucht, an der sich Fragen zum Verständnis der Moderne als auch die Selbstverständigung über die Philosophie und Dichtung des 20. Jahrhunderts zu entscheiden scheinen.
Zwei Pole der Rezeption von Hölderlin im 20. Jahrhundert lassen sich paradigmatisch am Spannungsverhältnis der Lektüren von Heidegger und Adorno zueinander bestimmen. Hölderlins Dichtung erscheint als zeitenthobene Stiftung eines ‚anderen Anfangs’, als Ort einer Wahrheit des Seins einerseits, andererseits als Medium einer radikal-geschichtlichen Selbstkritik der Moderne, in der Wahrheit in der gebrochenen und formalen Konstellation des Gedichts selbst aufscheint. Für beide Denker bringt sich in Hölderlins Dichtung eine Wahrheit zur Geltung, die über das begriffliche Denken hinauszugehen scheint und für eine Philosophie, die sich den Krisen der Gegenwart annehmen will, bindend werden muss.
Im geplanten Workshop soll dieser Spannung nachgegangen und durch gemeinsame philosophische Lektüren von Brod und Wein an Hölderlins Werk selbst rückgebunden werden.
Programm
Giulia De Acutis (Wien), Helmut Jakob Deibl (Wien), Anne Eusterschulte (Berlin), Marco Fiorletta (Wien), Simon Godart (Berlin), Tobias Klein (Berlin), Errol Boon (Berlin).
Der Workshop findet am 19. Februar von 10:00 bis 18:30 Uhr in den Räumen der Friedrich Schlegel-Graduiertenschule statt und ist eine Veranstaltung der FSGS in Kooperation mit dem Forschungszentrum Religion and Transformation in Contemporary Society der Universität Wien und der Hölderlin Gesellschaft.
10:00–10:15 Begrüßung
Panel 1: Hölderlin zwischen Adorno und Heidegger
10:15–11:15 Ein ‚Hospital verunglükter Poeten‘. Hölderlin und die Philosophie (Tobias Klein)
11:15–11:20 Kaffeepause
11:20–12:20 TBA (Simon Godart)
12:20–12:30 Kaffeepause
12:30–13:30 TBA (Anne Eusterschulte)
13:30–14:30 Mittagspause
Panel 2: Brod und Wein. Philosophische Lektüren
14:30–15:00 Impulsvorträge:
Tag und Nacht der Wahrheit. Zur Einführung in die Thematik der Wahrheit in Brod und Wein (Marco Fiorletta)
Von Spuren und Irrungen. Eine Hinführung zu Hölderlins Brod und Wein (Jakob Deibl)
15:00–16:00: Lektüre von Brod und Wein (Frankfurter Ausgabe)
16:00–16:15 Kaffeepause
16:15–17:45: Lektüre von Brod und Wein (Frankfurter Ausgabe)
17:45–18:00 Kaffeepause
18:00–18:15 ‚…und fast ward ihm Unheiliges heilig‘. Der unterschiedliche Sinn der poetischen Praxis bei Heidegger und Adorno (Giulia De Acutis)
18:15–18:30 Abschlussdiskussion
Eine Anmeldung ist erfolderlich. Wenden Sie sich bitte per Email an Tobias Klein: tobiasklein@zedat.fu-berlin.de
Zeit & Ort
19.02.2026 | 10:00 - 18:30
JK 33/121






