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klassisch

Der Teufel in der klassischen Musik

"Eines Nachts träumte mir, ich hätte einen Pakt mit dem Teufel um meine Seele geschlossen. Alles ging nach meinem Kommando, mein neuer Diener erkannte im voraus all meine Wünsche. Da kam mir der Gedanke ihm meine Fiedel zu überlassen und zu sehen was er damit anfangen würde. Wie groß war mein Erstaunen, als ich ihn mit vollendetem Geschick eine Sonate von derart erlesener Schönheit spielen hörte, dass meine kühnsten Erwartungen übertroffen wurden. Ich war verzückt, hingerissen und bezaubert; mir stockte der Atem, und ich erwachte. Dann griff ich zu meiner Violine und versuchte die Klänge nachzuvollziehen. Doch vergebens. Das Stück, das ich daraufhin geschrieben habe, mag das Beste sein, das ich je komponiert habe, doch es bleibt weit hinter dem zurück, was ich im Traum gehört habe."

Giuseppe Tartini

 

Tartinis Legende von der Teufelstrillersonate zeigt die Macht, die der Teufel über die Musik hat. Er kann eine Musik spielen, die schöner ist als alles, was von Menschen komponiert wurde. Mit seiner Musik kann der Teufel betören und verzaubern. Und er kann sie auf vollkommene Weise spielen, besser als jeder Musiker es je können wird. Jede noch so große Schwierigkeit wird von ihm mit technischer Perfektion mühelos gemeistert. Daraus ergibt sich auch, dass viele Geschichten von Musiker erzählen, die dem Teufel ihre Seele verkaufen. Sie bekommen dafür das brillante Können, mit dem sie dem Publikum den Atem stocken lassen. So rankt sich um die Geiger Guiseppe Tartini, Nicolai Paganini und Andre Rieu das Gerücht, sie hätten mit dem Teufel einen Pakt geschlossen. Nur so wären die virtuosen Leistungen der Musiker überhaupt möglich. Deswegen tragen sie den Beinamen „Teufelsgeiger“. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass es sich dabei in erster Linie um Geiger handelt, den diese gilt auch als das Instrument des Teufels.

Die Musik ist aber nicht nur ein Spielball des Bösen. Immer wieder gibt es Geschichten, die von der heilenden oder erlösenden Kraft der Musik erzählen. In der Bibel wird von dem Harfenspiel Davids berichtet, dass es die bösen Geister vertreiben konnte. Auch Martin Luther schreibt, dass die Musik den Teufel vertreiben könne. Sei es das Horn des Oberon, der Gesang der Nachtigall oder das Geläut der Glocken – Musik kann auch den Teufel Schaden zufügen. Dies gipfelt in der Aufforderung: „Dort wo man singt, da lass Dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

Wenn in musikalischen Werken vom Teufel die Rede ist, dreht es sich aber nicht nur um die spezifischen Verbindungen zwischen der Tonkunst und dem Herrscher des Bösen. Fast in allen Zusammenhängen und Erscheinungsformen, die wir aus Literatur kennen, ist er auch in Klang eingehüllt anzutreffen. Dies gilt vor allem für die Opernbühne. So gibt es zahlreiche Opern, die sich mit dem Faust-Thema beschäftigen, etwa Faust (1816) von Louis Spohr, Mefistofele (1868) von Arrigo Boito oder Dr. Faustus (1925) von Ferruccio Busoni. Dabei ist die musikalische Charakterisierung des Teufels genauso vielfältig wie seine Darstellungen auf der Bühne. Der Teufelspakt wird beispielsweise im Freischütz von Carl-Maria von Weber oder in der Geschichte vom Soldaten von Igor Strawinsky vertont. Aber nicht nur in Werken mit Text tritt der Teufel auf. Auch die Programmmusik widmet sich immer wieder diesem Thema. Berühmte Beispiel hierfür sind Die Nacht auf dem kahlen Berge von Modest Moussorgsky oder der Hexensabbath aus der Sinfonie fantastique von Hector Berlioz.

Oliver Pfau

Teuflische Opern:

  • Feruccio Busoni: Dr. Faustus
  • Igor Starwinsky: Geschichte vom Soldaten
  • Carl-Maria von Weber: Freischütz