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Neuzeit

Der Teufel in der Literatur der Neuzeit

In der Literatur des Mittelalters erscheint der Teufel meist in Klöstern, um dort Mönche, Nonnen und Bischöfe zu versuchen und vom Glauben abzubringen. Die klerikal ausgerichteten, moralischen Erzählungen dienten wohl in erster Linie als Lehrgeschichten, um dem Bösen zu widerstehen und den Glauben an Gott stärken kann.

Erst im siebzehnten Jahrhundert werden Erzählungen über den Teufel mystischer. Die literarische Figur erwacht mit verschiedenen Facetten zum Leben. In Verbindung mit schwarzer Magie und Spukgeschichten wird der Teufel mehr und mehr zu einer mystischen, spannenden Figur. (Calderón de la Barca, Pedro, Der wundertätige Magus 1637, Milton, Paradise Lost 1667, Bekker, Balthasar, Die bezauberte Welt, Amsterdam 1693, Walpole, Castel of Otranto 1764). Aber in dieser Zeit trägt der Herr der Hölle in der englischen Literatur auch komische Züge, wie in der berühmten Komödie "The devil is an ass" von Ben Jonson (1616).

Zum Ende des 18. Jahrhunderts ranken sich vielerlei Geschichten über den Teufelpakts. Der Teufel stellt nicht nur Geistliche auf die Probe, sondern das Böse ist endgültig in der normalen Menschenwelt angelangt. Mag auch Goethes Faust sein berühmtestes Opfer gewesen sein, so war er nicht der einzige, der einen teuflischen Vertrag unterzeichnete. (Johann Wolfgang von Goethe: Faust I, Faust II Der Tragödie Erster Teil. (1806). Der Tragödie Zweiter Teil (1831). Auch bei E.T.A. Hoffmann binden sich Menschen an Teufel, denen sie nicht standhalten können wie in "Die Elixiere des Teufels" (1815/16). Auch in den Märchen dieser Zeit trieb der Teufel sein böses Spiel. (Die Gebrüder Grimm: Der Teufel mit den drei Goldenen Haaren, Des Teufels rußiger Bruder, Der Teufel und seine Großmutter)

In der Schwarzen Romantik wird der Teufel oft von Hexen und anderen mythischen Wesen begleitet. In schaurigen Spukgeschichten trägt er vielerlei Masken, mit denen er sich vor den Menschen tarnt, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Er nimmt auch die Gestalt von Tieren an, vor allem in unheimlichen, bösen, schwarzes Getier. (Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne 1842)

In Zeiten des fin de siècle haben schwarze Messen, Teufelsanbetung und Satanismus Hochkonjunktur. Der Teufel wird als König der Hölle und Antigott in schauerlichen, blutrünstigen Geschichten wie in Huysmanns "Tief unten (La bas)" von 1891 gefeiert. Diese Strömung reicht bis ins 20 Jahrhundert (z.B. Franz Werfel: Die schwarze Messe 1920).

Eine der wohl schönsten und skurillsten Roman schrieb Bulgakow mit "Der Meister und Margarita". Hier stellt der Teufel mit seinen Kumpanen ganz Moskau auf den Kopf, betrügt, bestiehlt und verführt die Menschen.

Vor allem in der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Teufel oft als Symbol für das totalitäre Herrschaftsregime herangezogen.
(Thomas Mann, Dr. Faustus 1947)

(Nora Pagel)

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