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Frequenz

Frequenz

Iterative Erzählung / Singulative Erzählung

Bei der Häufigkeit, mit der ein Ereignis erzählt wird, sollte in Erwägung gezogen werden, dass Genettes Formel zur Frequenz der Erzählung: ‚x-mal erzählen, was x-mal passiert ist‘ (vgl. S. 82–83) dem filmischen Erzählen gemäß variiert werden kann. Denn wie schon in der zweiten Analepse deutlich wurde, besteht der Film als audiovisuelles Medium aus zwei Kanälen (dem auditiven und dem visuellen), die zusammen, aber auch in ihren einzelnen Komponenten die Komplexität filmischen Erzählens ermöglichen. So lässt sich über die Instanz des Schauspielers und seinen Figurendialog zeitliche Frequenz mimetisch erzählen, die nicht unbedingt im Bild gezeigt werden muss. Genauso ist es aber auch möglich, zeitliche Frequenz im Film über den auditiven und den visuellen Kanal zu realisieren:


Iterative Erzählung
Die iterative Erzählung, in der eine Figur der anderen erzählt, was sie „montags“ oder „jedes Jahr“ tut, lässt sich leicht in Kombination mit einem Figurendialog verbinden: So stellt z. B. der Waffenhändler Ordell, als er sich in der Bar mit Jackie trifft, ihr gegenüber salopp fest: „Ich wette, wenn du hier Samstagnacht deine Runden drehst, musst du dir ’nen Nigger anstellen, der dir die Wichser vom Leib hält“. Hier wird nach Genette im Sinne einer mündlichen Erzählung einmal erzählt, was n-mal passiert ist (vgl. S. 83).
Auf visueller Ebene kann allerdings zusätzlich zu dem auditiven Kanal auch noch über das filmische Bild iterativ erzählt werden. Das ist z. B. in Form einer filmischen Analepse denkbar, in der die Figur kommentiert oder exemplarisch gezeigt wird, wie bestimmte Handlungen n-mal abgelaufen sind. Dieser Aspekt wird weiter unten genauer ausgeführt, wenn es um Determination, Extension und Spezifikation der iterativen Reihe geht.

Singulative Erzählung
Die singulative Erzählung ist – wie auch in der Literatur – die vorherrschende Form der filmischen Frequenz: Es wird einmal erzählt, was einmal passiert ist (vgl. S. 82). Dieses ist sowohl auf der visuellen als auch auf der auditiven Ebene des Films möglich.