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Modus

Modus der filmischen Erzählung

Konnten in der vorherigen Lerneinheit die Kategorien der Zeit der Erzählung größtenteils problemlos auf die filmische Erzählung übertragen werden, stellt die Analyse des filmischen Modus eine größere Herausforderung für den Filmnarratologen dar: Es geht in dieser Lerneinheit um die zwei Regulatoren der narrativen Information mittels der Kategorien „Distanz“ und „Perspektive“. Gérard Genette: Die Erzählung. 2. Auflage. München 1998, S. 115ff. Im Folgenden wird aus diesem Werk nur mit Seitenangabe zitiert. Bei diesen beiden Kategorien fällt noch mehr als bei der Zeit der Erzählung ins Gewicht, dass sie anhand einer Erzählung ausgearbeitet wurden, die schriftlich niedergelegt wurde. Genette unterscheidet bei der Kategorie ‚Distanz‘ zwischen der Erzählung von Ereignissen, die das Informationsmaximum des diegetischen Erzählens meint und der Erzählung von Worten, in der er verschiedene Arten der Rede vorstellt (vgl. S. 117–132) und die je nach ihrer Beschaffenheit unterschiedliche Grade der Informationsübermittlung aufweisen. Bereits hier wird für jeden, der einen Film narratologisch analysieren möchte, deutlich, dass die Kategorien ‚Distanz‘ und ‚Perspektive‘ mit ihren Erzählungen von Ereignissen und Worten im Film erst wieder gefunden werden müssen. Denn ein Film besteht – wie auch in der vorangegangenen Lerneinheit zur filmischen Zeit schon deutlich wurde – auf den ersten Blick aus der Szene, die mimetisch erzählt und bei der wir als Zuschauer die Figur zum größten Teil von außen sehen, d. h. weder ‚in sie‘ hinein schauen noch ihren Blickwinkel einnehmen können. Formen der Diegese müssen also dem Film als audiovisuelles Zeichensystem gemäß neu erschlossen werden, will man sich nicht mit dem Urteil begnügen, ein Film sei rein mimetischer Natur.
Die Analyse des filmischen Modus wird anhand des Films „American Beauty“ vorgenommen. Während „Jackie Brown“ das Spiel mit der Zeit zum eigentlichen Mittelpunkt seiner Erzählung macht, sind es in dem Film von Sam Mendes Formen des diegetischen Erzählens, genauer die verschiedenen Aspekte der ‚Perspektive‘: Der Familienvater Lester Burnham wird von seinem Nachbarn ermordet; dieser erschießt ihn, weil er in dem Glauben ist, Lester habe ein Verhältnis mit seinem Sohn und weil er sich selbst mit seinen Annäherungsversuchen von Lester abgewiesen fühlt. Bei der Rekonstruktion dieser Geschichte spielen drei Aspekte der Perspektive zusammen: 1. die Kamera-Perspektive, 2. die eng damit zusammenhängende Figurenperspektive und 3. ein Aspekt, der aus diesen Formen der Perspektiven folgt, nämlich die ‚Haltung‘ der Person, die sieht. Der dritte Punkt verweist bereits auf die nächste Lerneinheit: „Stimme der filmischen Erzählung“, er wird uns aber schon bei der Analyse des Modus immer wieder begegnen.