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Kompletive interne Prolepsen

Kompletive interne Prolepsen

Kompletive interne Prolepsen füllen im Voraus eine spätere Lücke der Erzählung aus.

In dem Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr wird auf eine Logbuchaufzeichnung des Bootsmannes hingewiesen, die zeitlich erst später geschieht, denn um von der Entdeckung von Land berichten zu können, muss es entdeckt sein. Doch der antizipierte Eintrag von Pietro Lusina spielt im Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr – er wird hier erwähnt und später ausgespart:

„Es ist der dreißigste August des Jahres 1873 […]; ein Tag, den Bootsmann Pietro Lusina mit der Logbucheintragung Terra nuova scoperta – Neues Land wurde entdeckt – beschließen und so die Erlösung der Alten Welt von einem ihrer letzten weißen Flecke zum erstenmal aufzeichnen wird.“

Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis. 14. Auflage. Frankfurt am Main 2004, S. 158f.


Natürlich müssen Analepsen und Prolepsen nicht nur einzelne Ellipsen füllen. Es gibt auch die Möglichkeit, dass sie sich auf iterative Ellipsen beziehen, „d. h. sie betreffen nicht nur ein einziges Stück der verflossenen Zeit, sondern mehrere Stücke, die als ähnliche und gewissermaßen repetitive betrachtet werden [...]“. (S. 35)
Man könnte sich also vorstellen, dass in dem oben stehenden Zitat nicht nur auf einen Logbucheintrag, sondern auf mehrere, täglich angefertigte verwiesen wird, z. B. indem ein weiterer Satz angefügt wird: „Und auch danach führte Pietro sein Buch weiterhin, wie es von ihm verlangt wurde.“