Springe direkt zu Inhalt

Homodiegetische interne Analepsen

Homodiegetische interne Analepsen

Eine homodiegetische interne Analepse betrifft den Handlungsstrang der Basiserzählung, weshalb die Gefahr einer Überschneidung sehr hoch ist. Diese Art der Analepse wird häufig dann verwendet, wenn Hauptfiguren zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten unterschiedliches erlebt oder getan haben, das gleichermaßen berichtet werden muss. Da eine Erzählung aber nicht simultan schildern kann, müssen die Geschehen nacheinander erzählt werden. Ähnlich ist das bei der Darstellung eines komplexen Ereignisses, wie dem Starten des Heißluftballons in Norbert Gstreins Novelle „O2“:

„Das Schlenkern der Gondel nimmt ab, ihr Pendelausschlag, und schließlich zittert sie sich in der Ruhestellung ein, während der Ballon immer praller, immer runder wird, und mit den ersten Sonnenstrahlen bricht er aus dem Grau in Grau, auf einmal gelb leuchtend, in scharf umrissenen Konturen, ein überraschender Mond.
Das Stimmengewirr, das im Lärm des Starts untergegangen ist, wirkt nun, in der Stille, um so stärker, man versteht kaum ein Wort, nur immer wieder: ‚Unglaublich, er steigt, steigt und steigt.‘“

Norbert Gstrein: O2. 3. Auflage. Frankfurt am Main 1993, S. 7f.


Wie Genette andeutet, besteht das Problem darin, deutlich zu markieren, dass Geschehnisse parallel stattfinden, ohne dass es zu Wiederholungen kommt oder die Konstruktion des Textes zu offensichtlich wird. Manchmal wird jedoch diese offensichtliche Erzählsteuerung gerade besonders betont und offen gelegt („Lassen wir den weinenden Peter an dieser Stelle ein wenig alleine und verfolgen wir, wie seine Mutter das Geburtstagskind Anna weckt und ihr das Malheur mit dem angeschnittenen Kuchen erklärt.“)

Analepsen, die andere Handlungsstränge nachholen oder Informationen anderer Art nachliefern, komplettieren die Erzählung und werden daher kompletive Analepsen genannt.
Repetitive Analepsen dagegen modifizieren oder erinnern nachträglich an bereits Erzähltes.