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Externe Analepsen

Externe Analepsen/Prolepsen

Analepsen und Prolepsen können außerhalb oder innerhalb der Basiserzählung liegen. Wenn sie sich nicht mit der Basiserzählung überschneiden, werden sie extern genannt. Externe Anachronien dienen dazu, Informationen nachzuliefern (externe Analepsen) oder Handlungsstränge zu Ende zu führen (externe Prolepsen).

Externe Analepsen

Genette beschreibt die externe Analepse folgendermaßen:

„Die externen Analepsen […] laufen nie Gefahr, sich mit der Basiserzählung zu überschneiden, und ihre Aufgabe besteht nur darin, diese zu ergänzen, um den Leser über das eine oder andere ‚frühere Ereignis‘ zu unterrichten […].“ (S. 33)

Wenn beispielsweise in einem Roman von den Geschehnissen eines einzelnen Tages erzählt wird, gehören alle Retrospektionen oder Antizipationen, die sich außerhalb dieses Zeitraums bewegen, nicht zur Basiserzählung; sie sind daher extern. So auch ein Spaziergang, der zwei oder drei Wochen vor diesem besagten Tag stattgefunden hat:

„Das Deckenlicht flackerte im Takt von Schwellen, die den Zug zum Rumpeln brachten. Von starken Scheinwerfern illuminiert, standen Arbeiter jenseits des Gleises und warteten die Durchfahrt ab. Vorbei. Das Lächeln Chiaras. Ihre hohe Stirn.
Die Scheibe spiegelte einen Ring, der durch ein leicht abstehendes linkes Ohr getrieben war. Es hatte sich um einen richtigen Überfall gehandelt, als Evelin vor zwei, drei Wochen während eines Spaziergangs unvermittelt das Juweliergeschäft betrat, los komm schon, um sich ein Kissen mit Ohrringen zeigen zu lassen, von denen sie einen, nicht zu groß und nicht zu klein, auswählte, nachdem sie ihn prüfend ans linke Ohr gehalten hatte. […]
Stefan schüttelte den Kopf, sein Gegenüber tats ihm gleich. Dann lehnte er sich mit gekreuzten Armen gegen die seitliche Begrenzung der Bänke und sah in den Waggon; die Sitzenden lasen zumeist, die Stehenden stierten; Pepitahut aß Kekse.“

Ulrich Peltzer: Stefan Martinez. Zürich 1995, S. 41f.


Zu unterscheiden sind externe Analepsen dahingehend, ob sie partiell oder ob sie komplett sind. Partielle Analepsen sind nicht an die Basiserzählung anzubinden. Die erzählten Ereignisse liegen in einer ‚Vorzeit‘, die Retrospektive endet elliptisch. So ist es auch in dem eben besprochenen Beispiel.