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Repetitives Erzählen

Repetitives Erzählen

Wenn Peter als Erwachsener seinen Kindern seine Kuchengeschichte mehrmals erzählt, dann erzählt er mehrfach, was einmal passiert ist (nE/1G). Genette nennt das „repetitives Erzählen“. Dabei kann stereotyp wiederholt werden, es ist aber auch möglich, dass ein Ereignis aus unterschiedlichen Blickwinkeln oder mit anderen Ausschmückungen oder stilistischen Mitteln geschildert wird. Damit überschneidet sich dieser Frequenztypus mit den in der Lerneinheit „Ordnung“ behandelten repetitiven Anachronien.

Das bereits wiedergegebene Ereignis des Verliebens von Jonina in Judith Hermanns Erzählung wird als singuläres Ereignis dadurch betont, dass es eine Seite später zeitlich noch präziser festgehalten wird.

„Jonina verliebt sich in Jonas am 3. Dezember um kurz vor elf Uhr am Morgen auf der Straße, die zum alten Thingplatz führt. [...] Und das ist alles. Es ist 10 Uhr 47, und Jonina hat sich in Jonas verliebt in dem Augenblick, in dem er zu seinem Stativ zurückgeschlittert ist mit ausgebreiteten Armen.“

Judith Hermann: Kaltblau. In: Dies.: Nichts als Gespenster. Frankfurt am Main 2003, S. 61–120; hier S. 108f.