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Pause

Pause

Wie bereits erwähnt unterbrechen Pausen die Geschichte. Dies kann einerseits ganz deutlich und explizit geschehen, indem der Leser direkt über etwas informiert wird, das für die Figuren oder die Handlung nicht unmittelbar wichtig zu sein scheint. Dabei handelt es sich um eine so genannte deskriptive Pause, da durch sie meist irgend etwas genauer beschrieben wird (Naturbeschreibungen, Beschreibung von Örtlichkeiten, historische Hintergründe usw.).
Andererseits gibt es den Typus der kontemplativen Pause, wie ihn Genette bei Proust festgestellt hat. Dort ist die Pause insofern mit dem Erzählen eng verbunden, als dass sie dazu dient die Wahrnehmungstätigkeit einer Figur zu analysieren oder auf Stimmungen und Gefühle Handelnder genauer einzugehen.
Pausen, vor allem die deskriptiven, können Momentaufnahmen, aber auch iterativer, also wiederholender Qualität sein, wenn sie „eine Reihe sich ähnelnder Augenblicke“ (S. 71) implizieren. Wie Summarys werden auf diese Weise deskriptive oder kontemplative Informationen beschleunigend zusammengefasst, was aus einer normalerweise eher verlangsamenden Pause ein katalysatorisches Element machen kann. Als Beispiel hierfür kann wiederum die Prokuratornovelle Goethes dienen, in der beschrieben wird, wie der Kaufmann zunehmend unruhig wird und Fernweh bekommt:


„So hatte auch unser Handelsmann oft, wenn er andere sich einschiffen oder glücklich in den Hafen zurückkehren sah, wieder die Regungen seiner alten Leidenschaft gefühlt, ja er hatte selbst in seinem Hause an der Seite seiner Gattin manchmal Unruhe und Unzufriedenheit empfunden. Dieses Verlangen vermehrte sich mit der Zeit und verwandelte sich zuletzt in eine solche Sehnsucht, daß er sich äußerst unglücklich fühlen mußte und zuletzt wirklich krank ward.“

Johann Wolfgang von Goethe: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In: Ders.: Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 6: Romane und Novellen I. Textkritisch durchgesehen von Erich Trunz. Kommentiert von Erich Trunz und Benno von Wiese. München 1981, S. 125–241; hier S. 170.


An diesem Beispiel kann man ebenfalls gut sehen, wie sich Pausen für gewöhnlich mit anderen Erzählweisen mischen. Summarys sind in solchen Fällen häufig kaum von Pausen zu unterscheiden und gehen teilweise direkt in sie über.