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Extradiegetisch-heterodiegetischer Erzähler

Extradiegetisch-heterodiegetischer Erzähler

Wenn auf der extradiegetischen Ebene ein Erzähler eine Geschichte erzählt, in der er selbst nicht vorkommt, handelt es sich um einen extradiegetisch-heterodiegetischen Erzähler.

Diese Beschreibung trifft auf die meisten Erzählungen zu, die folgende Textstelle könnte durch unendlich viele andere ersetzt werden:

„Es war ein schöner Sommerabend, als Florio, ein junger Edelmann, langsam auf die Tore von Lucca zuritt, sich erfreuend an dem feinen Dufte, der über der wunderschönen Landschaft und den Türmen und Dächern der Stadt vor ihm zitterte, sowie an den bunten Zügen zierlicher Damen und Herren, welche sich zu beiden Seiten der Straße unter den hohen Kastanienalleen fröhlichschwärmend ergingen.
Da gesellte sich, auf zierlichem Zelter desselben Weges ziehend, ein anderer Reiter in bunter Tracht, eine goldene Kette um den Hals und ein samtnes Barett mit Federn über den dunkelbraunen Locken, freundlich grüßend zu ihm. Beide hatten, so nebeneinander in den dunkelnden Abend hineinreitend, gar bald ein Gespräch angeknüpft, und dem jungen Florio dünkte die schlanke Gestalt des Fremden, sein frisches, keckes Wesen, ja selbst seine fröhliche Stimme so überaus anmutig, daß er gar nicht von demselben wegsehen konnte.“

Joseph von Eichendorff: Das Marmorbild. In: Ders.: Werke in einem Band. München 1995, S. 833–872; hier S. 833.